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12.02.2016

13:23 Uhr

Deutsche Bank

Ratingagentur bewertet Anleihen kritischer

Am Wochenanfang hat die Deutsche Bank erklärt, ausreichend Geld für die Begleichung seiner Pflichtwandelanleihen zu besitzen. Doch Standard & Poor's hegt mit Blick in die Zukunft dennoch Zweifel.

Das allgemeine Kreditrating der Bank sei von der Abwertung nicht betroffen, schreibt Standard & Poor's. AFP

Deutsche Bank-Zentrale in Frankfurt

Das allgemeine Kreditrating der Bank sei von der Abwertung nicht betroffen, schreibt Standard & Poor's.

New York/Frankfurt am MainDie Ratingagentur Standard & Poor’s hat die Bewertung für einige Verbindlichkeiten der Deutschen Bank gesenkt. Die Bonitätswächter haben offenbar Sorge über einen erneuten Verlust des größten deutschen Finanzinstituts. Dieser könnte die jüngste Beteuerung der Bank, dass sie ihre Verbindlichkeiten bedienen kann, in Frage stellen.

S&P hat die Bonitätsnote für „Tier 1“ Kapital – also das harte Kernkapital – der Bank auf B+ von BB- gesenkt. Die Pflichtwandelanleihen (Contingent Convertible Bonds, kurz „CoCo“) gehören zu diesem Kapital. Dementsprechend gelten diese Anlagen zwar noch als relativ sicher, jedoch mit spekulativem Charakter. In der Definition von Standard & Poor's heißt es dazu: „Widrige Geschäfts-, Finanz- oder Konjunkturbedingungen werden die Fähigkeit oder den Willen des Schuldners, seinen finanziellen Obligationen nachzukommen, wahrscheinlich beeinträchtigen.“

Die Haupt-Kreditratings der Deutsche Bank seien durch die Abstufung der Schuldpapiere nicht betroffen, teilte S&P mit. Eine Sprecherin der Deutschen Bank in New York wollte den Bericht der Ratingagentur nicht kommentieren.

Juristische Baustellen der Deutschen Bank

Die Skandalbank

Zahlreiche Skandale haben den Ruf der Deutschen Bank in den vergangenen Jahren beschädigt. Das Institut musste für frühere Verfehlungen seit 2012 bereits rund zwölf Milliarden Euro zahlen, und die Liste der offenen Rechtsstreitigkeiten ist noch lang. Der neue Konzern-Chef John Cryan stellt sich darauf ein, dass die juristischen Altlasten die Bank noch lange beschäftigten werden. Derzeit hat die Bank dafür 4,8 Milliarden Euro zur Seite gelegt. Ein Überblick über die bedrohlichsten Fälle:

Russland

In der Moskauer Handelssparte soll es bis vor kurzem unsaubere Geschäfte gegeben haben. Die Ermittlungen könnten große Sprengkraft haben. So haben US-Behörden laut „Financial Times“ ihre Untersuchungen ausgeweitet und gehen nun auch dem Verdacht auf Verstöße gegen die aktuellen politischen Sanktionen nach. Bislang ging es vor allem um mögliche Geldwäsche. Das Gesamtvolumen verdächtiger Geschäfte soll bei sechs Milliarden Dollar liegen. Die Bank hat in diesem Zusammenhang einige Mitarbeiter suspendiert.

Embargos

Die USA gingen bei Sanktionsvergehen zuletzt wenig zimperlich mit Finanzkonzernen um. Die BNP Paribas bekam für Verstöße gegen US-Sanktionen bei Geschäften mit Staaten wie dem Iran eine Zahlung von umgerechnet knapp neun Milliarden Dollar aufgebrummt. Die Deutsche Bank wartet wegen ähnlicher Vorwürfe noch auf einen Einigung mit den US-Behörden.

Hypotheken

Die US-Behörden gehen wegen krummer Hypothekengeschäfte aus Zeiten vor der Finanzkrise weiter hart gegen Banken vor. Während die US-Institute inzwischen den größten Teil der Verfahren gegen hohe Milliardenzahlungen ausräumen konnten, laufen die Ermittlungen zur Rolle der Deutschen Bank noch.

Libor und Euribor

Über Jahre manipulierten Mitarbeiter mehrerer Großbanken die wichtigen Referenzzinsen für das Geldgeschäft der Banken untereinander. Auch einige Deutsche-Bank-Mitarbeiter machten mit. Ende 2013 brummte die EU-Kommission dem deutschen Branchenprimus deshalb eine Strafe von 725 Millionen Euro auf. Im April 2015 legten die Behörden in den USA und Großbritannien nach: Dort muss die Bank die Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar zahlen. Es laufen noch Zivilverfahren, bei denen Unternehmen und Privatleuten Schadenersatz durchsetzen wollen.

Devisen und Rohstoffe

Weltweit laufen Ermittlungen wegen mutmaßlicher Manipulationen wichtiger Kennzahlen - von Devisenkursen bis hin zu Preisen von Gold und Silber. Zu diesen Themen sind in den USA Sammelklagen anhängig, in denen auch die Deutsche Bank Beklagte ist.

Kirch

Die im Februar 2014 vereinbarte 925-Millionen-Euro-Zahlung an die Kirch-Erben sollte das Kapitel um die Mitverantwortung der Bank für die Pleite des Medienkonzerns 2002 endlich abschließen. Doch die Münchner Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen Co-Chef Jürgen Fitschen und vier ehemalige Topmanager des Frankfurter Geldhauses. Sie wirft den Bankern versuchten Prozessbetrug vor: Die Manager sollen im Zivilverfahren um Kirchs Schadenersatzforderungen versucht haben, die Richter zu täuschen, um Zahlungen der Bank zu verhindern. Die Angeklagten bestreiten dies, seit Ende April läuft der Prozess.

Die Deutsche Bank hatte im Januar den ersten Verlust für ein ganzes Geschäftsjahr seit 2008 gemeldet. Die an der Frankfurter Börse notierte Aktie hat seit Jahresanfang rund 40 Prozent an Wert verloren. Die Bank könnte sich schwertun, 2017 Kupons auf Tier-1-Kapital, sogenannte CoCos, zu zahlen, schrieben Analysten von CreditSights in dieser Woche.

Bei den ohne Laufzeitende emittierten Tier-2-Instrumenten, den sogenannten Perpetuals, senkte sie die Bonität von BB auf BB-, geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Mitteilung hervor. Das zur Verfügung stehende Polster verteilbaren Anlagevermögens der Deutschen Bank sei geschrumpft. Aus diesem Grund könnte die Bank weitere nicht konsolidierte Verluste berichten, hieß es in der Mitteilung von S&P weiter. Mithilfe der Tier 1- und Tier 2-Kennziffern könne man berechnen, wie viel die Banken durch optionale Zahlungen wie Kupons oder Dividenden an ihre Investoren verteilen können.

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Die Deutsche Bank veröffentlichte diese Woche aktualisierte Informationen zur Additional Tier-1-Zinszahlungskapazität und gab diese für 2017 mit rund 4,3 Milliarden Euro an. Die Bank verwies auf den erwarteten positiven Effekt von rund 1,6 Mrd. Euro durch den Abschluss des Verkaufs der 19,99 Prozent Beteiligung an der chinesischen Huaxia Bank. Die endgültige Zinszahlungskapazität werde von der operativen Entwicklung der Ergebnisse des Jahres 2016 abhängen, hieß es weiter.

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