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03.12.2015

18:18 Uhr

Deutsche Bank

Raymond James kauft US-Vermögensverwaltung

Nur wohlhabende US-Kunden sind der Deutschen Bank nicht genug: Der neue Chef John Cryan will sich auf das Geschäft mit den Superreichen konzentrieren – und verkauft einen Teil der Vermögensverwaltung in den USA.

Deutsche-Bank-Chef John Cryan will das Geldhaus verschlanken – und jeden Geschäftsbereich auf den Prüfstand stellen. dpa

Neue Strategie

Deutsche-Bank-Chef John Cryan will das Geldhaus verschlanken – und jeden Geschäftsbereich auf den Prüfstand stellen.

FrankfurtDie Deutsche Bank trennt sich von einem Teil ihres Geschäfts mit wohlhabenden Kunden in den USA. Das bisher zur Vermögensverwaltungs-Sparte Deutsche Asset & Wealth Management gehörende Brokerage-Geschäft mit Privatkunden gehe an den US-Finanzdienstleister Raymond James, teilten die beiden Unternehmen am Donnerstag mit. Raymond James übernimmt die 200 Berater und 400 Unterstützungskräfte, auch der Co-Chef der US-Vermögensverwaltungssparte, Haig Ariyan, und weitere Führungskräfte gehen mit zum neuen Eigentümer. Diese soll künftig unter dem Traditionsnamen Alex. Brown auftreten, unter dem sie im Jahr 1800 als erste Investmentbank in den USA gegründet worden war.

Die Deutsche Bank will sich in den USA auf das Geschäft mit superreichen Kunden konzentrieren. Dieses gehört künftig zu der von Christian Sewing geführten Privatkundensparte. Der neue Vorstandschef John Cryan hatte die Sparten neu zugeschnitten.

Ziele der Deutschen Bank

Die „neue” Deutsche Bank

Kleiner, schlanker, sicherer: So sieht die Deutsche Bank in fünf Jahren nach den Vorstellungen ihres neuen Vorstandschefs John Cryan aus. Die aufgeblähte Bilanz soll schrumpfen - auch auf Kosten des Gewinns. Der Brite hat die „Strategie 2020”, die er von seinem Vorgänger Anshu Jain geerbt hatte, noch kräftig umgemodelt. Deutschlands größtes Geldhaus trägt nun Cryans Handschrift. Die Sparten werden komplett neu zugeschnitten, die Ziele teilweise vorgezogen.

Quelle: Reuters

Eigenkapitalrendite

Cryan bleibt bei dem auf zehn Prozent nach Steuern eingedampften Renditeziel, legt sich aber nun darauf fest, dass es bis 2018 erreicht werden soll. Jain hatte vage nur von einem „mittelfristigen” Ziel gesprochen. Die vorher angepeilten zwölf Prozent Eigenkapitalrendite hatte die Bank nie erreicht.

Kapitaldecke

Cryan schraubt die Zielmarke für die harte Kernkapitalquote auf 12,5 Prozent nach oben - „damit wir nicht mehr den Erwartungen von Regulatoren und den Märkten hinterherlaufen”. Jain hatte elf Prozent für ausreichend gehalten, zuletzt stand die Bank bei 11,5 Prozent.

Bilanzrisiken

Fast ein Viertel der bilanziellen Risiken sollen bis 2020 verschwinden – auch auf Kosten der Erträge. Aus 408 Milliarden Euro Risiko sollen dann 310 Milliarden werden. Das Gros leisten die Abspaltung der Postbank und der Verkauf des Anteils an der chinesischen Hua Xia. Doch unter dem Strich bleiben mehr als 400 Milliarden Euro an Risiken in der Bilanz – wegen schärferer Regeln für deren Bewertung, die zu einem Plus von rund 100 Milliarden Euro führen.

Verschuldungsquote

Bei der sogenannten Leverage Ratio ist die Bank mit 3,6 Prozent am weitesten von ihrem Ziel entfernt. Bis 2020 soll das Eigenkapital fünf Prozent der Bilanzsumme ausmachen. Das dürfte bis dahin die von den Aufsehern geforderte Mindestquote sein. Der einzige Weg dorthin ist der Abbau der aufgeblähten Bilanz: 170 Milliarden Euro sollen herausgeschnitten werden, vor allem die Postbank stört.

Kosten

Milliardenschwere Einsparziele hat sich die Deutsche Bank schon häufig gesetzt. Doch unter dem Strich blieb davon meistens wenig übrig. Das will Cryan ändern: Von brutto 3,8 Milliarden Euro, die er einsparen will, sollen eine bis 1,5 Milliarden bleiben. Insgesamt soll die Kostenbasis von zuletzt 23,8 Milliarden auf weniger als 22 Milliarden Euro schrumpfen. Doch der Umbau wird zunächst einmal bis zu 3,5 Milliarden Euro verschlingen.

Arbeitsplätze

Bei der Deutschen Bank sollen 2018 nur noch 77.000 Menschen arbeiten. Ende 2015 sind es voraussichtlich noch 103.000. 14.000 Mitarbeiter sollen ihren Arbeitsplatz verlieren, an anderer Stelle sollen zugleich 5000 Stellen aufgebaut werden. Um 20.000 Stellen schlanker wird die Bank durch den Börsengang der Postbank und den Verkauf anderer, kleinerer Töchter. Darüber hinaus braucht die Bank 6000 Mitarbeiter weniger, die bisher für sie arbeiten, aber bei externen Dienstleistern angestellt sind. Insgesamt sind das bisher rund 30.000.

Von

rtr

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