Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.05.2016

17:33 Uhr

Deutsche Bank

Rekordstrafe für Ex-Mitarbeiter wegen Insiderhandels

Ein ehemaliger Mitarbeiter der Deutschen Bank ist in London zu viereinhalb Jahren Haft wegen Insiderhandels verurteilt worden. Gemeinsam mit einem Partner soll er durch die illegalen Geschäfte zehn Millionen Dollar verdient haben.

Zwischen 2006 und 2010 sollen die Verurteilten mehr als zehn Millionen Dollar durch das betrügerische Vorgehen verdient haben. Reuters

Deutsche Bank in London

Zwischen 2006 und 2010 sollen die Verurteilten mehr als zehn Millionen Dollar durch das betrügerische Vorgehen verdient haben.

LondonEin früherer Mitarbeiter der Deutschen Bank ist in Großbritannien wegen Insiderhandels zu einer Rekordstrafe verurteilt worden. Der 44-Jährige müsse viereinhalb Jahre ins Gefängnis, teilte das zuständige Gericht in London am Donnerstag mit. Für Insiderhandel sind auf der Insel maximal sieben Jahre Haft vorgesehen. Mehr als vier Jahre wurden bislang aber noch nie verhängt.

Der Fall geht auf die weltweite Finanzkrise vor fast zehn Jahren zurück. Durch das betrügerische Vorgehen wurden laut Staatsanwaltschaft zwischen 2006 und 2010 mehr als zehn Millionen Dollar gemacht.

Juristische Baustellen der Deutschen Bank

Die Skandalbank

Zahlreiche Skandale haben den Ruf der Deutschen Bank in den vergangenen Jahren beschädigt. Das Institut musste für frühere Verfehlungen seit 2012 bereits rund zwölf Milliarden Euro zahlen, und die Liste der offenen Rechtsstreitigkeiten ist noch lang. Der neue Konzern-Chef John Cryan stellt sich darauf ein, dass die juristischen Altlasten die Bank noch lange beschäftigten werden. Derzeit hat die Bank dafür 4,8 Milliarden Euro zur Seite gelegt. Ein Überblick über die bedrohlichsten Fälle:

Russland

In der Moskauer Handelssparte soll es bis vor kurzem unsaubere Geschäfte gegeben haben. Die Ermittlungen könnten große Sprengkraft haben. So haben US-Behörden laut „Financial Times“ ihre Untersuchungen ausgeweitet und gehen nun auch dem Verdacht auf Verstöße gegen die aktuellen politischen Sanktionen nach. Bislang ging es vor allem um mögliche Geldwäsche. Das Gesamtvolumen verdächtiger Geschäfte soll bei sechs Milliarden Dollar liegen. Die Bank hat in diesem Zusammenhang einige Mitarbeiter suspendiert.

Embargos

Die USA gingen bei Sanktionsvergehen zuletzt wenig zimperlich mit Finanzkonzernen um. Die BNP Paribas bekam für Verstöße gegen US-Sanktionen bei Geschäften mit Staaten wie dem Iran eine Zahlung von umgerechnet knapp neun Milliarden Dollar aufgebrummt. Die Deutsche Bank wartet wegen ähnlicher Vorwürfe noch auf einen Einigung mit den US-Behörden.

Hypotheken

Die US-Behörden gehen wegen krummer Hypothekengeschäfte aus Zeiten vor der Finanzkrise weiter hart gegen Banken vor. Während die US-Institute inzwischen den größten Teil der Verfahren gegen hohe Milliardenzahlungen ausräumen konnten, laufen die Ermittlungen zur Rolle der Deutschen Bank noch.

Libor und Euribor

Über Jahre manipulierten Mitarbeiter mehrerer Großbanken die wichtigen Referenzzinsen für das Geldgeschäft der Banken untereinander. Auch einige Deutsche-Bank-Mitarbeiter machten mit. Ende 2013 brummte die EU-Kommission dem deutschen Branchenprimus deshalb eine Strafe von 725 Millionen Euro auf. Im April 2015 legten die Behörden in den USA und Großbritannien nach: Dort muss die Bank die Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar zahlen. Es laufen noch Zivilverfahren, bei denen Unternehmen und Privatleuten Schadenersatz durchsetzen wollen.

Devisen und Rohstoffe

Weltweit laufen Ermittlungen wegen mutmaßlicher Manipulationen wichtiger Kennzahlen - von Devisenkursen bis hin zu Preisen von Gold und Silber. Zu diesen Themen sind in den USA Sammelklagen anhängig, in denen auch die Deutsche Bank Beklagte ist.

Kirch

Die im Februar 2014 vereinbarte 925-Millionen-Euro-Zahlung an die Kirch-Erben sollte das Kapitel um die Mitverantwortung der Bank für die Pleite des Medienkonzerns 2002 endlich abschließen. Doch die Münchner Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen Co-Chef Jürgen Fitschen und vier ehemalige Topmanager des Frankfurter Geldhauses. Sie wirft den Bankern versuchten Prozessbetrug vor: Die Manager sollen im Zivilverfahren um Kirchs Schadenersatzforderungen versucht haben, die Richter zu täuschen, um Zahlungen der Bank zu verhindern. Die Angeklagten bestreiten dies, seit Ende April läuft der Prozess.

Neben dem Ex-Banker von Deutschlands führendem Geldhaus wurde ein 56-Jähriger zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt, der früher für die Modekette Topshop tätig war. „Das war eine grobe Verletzung des Vertrauens“, sagte Richter Jeffrey Pegden. Das Verhalten sei absichtlich unehrenhaft gewesen. Alle Angeklagten hatten hingegen die Vorwürfe bestritten. Sie gestanden zwar ein, gemeinsam gehandelt zu haben, jedoch ohne nicht öffentliche Informationen zu nutzen.

Das Urteil ist ein weiterer Erfolg der britischen Finanzaufsicht FCA. Seitdem sie vor einigen Jahren mit der Verfolgung begonnen hat, war sie in 30 Anklagen erfolgreich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×