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13.04.2017

18:11 Uhr

Deutsche Bank

Samstags die Finanzen regeln

VonYasmin Osman

Der freie Samstag für Bankberater ist für Gewerkschaften so etwas wie eine heilige Kuh. Doch in acht Beratungscentern kann die Deutsche Bank nun auch am Wochenende Kunden in Finanzfragen beraten. Das hat seinen Preis.

Bislang sind nur wenige Bankfilialen auch samstags geöffnet, wie hier etwa die Berliner Filiale „Quartier Zukunft“ der Deutschen Bank. Angesichts der fortschreitenden Digitalisierung wollen Banken aber auch am Wochenende für Kunden erreichbar sein. dpa

Deutsche-Bank-Vorzeigefiliale "Quartier Zukunft"

Bislang sind nur wenige Bankfilialen auch samstags geöffnet, wie hier etwa die Berliner Filiale „Quartier Zukunft“ der Deutschen Bank. Angesichts der fortschreitenden Digitalisierung wollen Banken aber auch am Wochenende für Kunden erreichbar sein.

FrankfurtOnline lassen sich Bankgeschäfte längst rund um die Uhr erledigen. Doch ein persönliches Gespräch mit einem Bankmitarbeiter ist noch immer eine Rarität: Die meisten Bankfilialen bleiben am Wochenende geschlossen. Insofern ist die Vereinbarung, die die Deutsche Bank nach langen Verhandlungen mit den Gewerkschaften Verdi und dem Deutsche Bankangestellten Verein (dbv) abgeschlossen hat, eine kleine Revolution: Künftig darf das Kreditinstitut Kunden auch samstags in Finanzfragen beraten.

Zwar bleiben die Filialen geschlossen, doch Kunden können sich per Telefon, Video-Chat oder Browser-Chat in einer der acht regionalen Beratungscentern melden. Erreichbar sind die Berater samstags zwischen neun und 15 Uhr. Das sieht ein neuer Haustarif zwischen der Bank und den Gewerkschaften Verdi und DBV vor, wie beide Organisationen am Donnerstag mitteilten. Die Deutsche Bank kommentiert das nicht weiter.

Der Vorstand der Deutschen Bank

Fakten zum Vorstand

Im Oktober 2015 hatte Vorstandschef John Cryan einen Großumbau des Vorstands angekündigt. Viele Änderungen traten zum 1. Januar 2016 in Kraft, im Laufe der Jahre 2016 und 2017 gab es einige Umbesetzungen. Zwei Frauen gehören zum Zirkel, vier Manager sind Deutsche.

John Cryan - Vorstandschef

Der Brite führt seit Juli 2015 die Deutsche Bank. An seiner Seite agierte bis Mai 2016 noch Jürgen Fitschen als Co-Vorstandschef.

Cryan war zuvor unter anderem Finanzvorstand der Schweizer Großbank UBS.

Marcus Schenck

Bis 2014 arbeitete Schenck für den Energiekonzern Eon und die Investmentbank Goldman Sachs, bevor er als Finanzvorstand zur Deutschen Bank wechselte. Er behielt beim großen Umbau im Herbst 2015 seinen Posten und wurde im März zum Stellvertreter Cryans gewählt. Er leitet nun das Unternehmens- und Investmentbanking.

Christian Sewing

Zweiter stellvertretender Vorstandsvorsitzender ist Christian Sewing. Er sitzt seit Jahresbeginn 2015 im Vorstand. Nachdem er sich zunächst um die zahlreichen Rechtsstreitigkeiten der Bank kümmerte, übernahm er im Sommer 2015 die Leitung des Privatkundengeschäfts und damit auch die Verantwortung für die Postbank. Die Position Sewings wurde weiter gestärkt, weil sein Bereich auch die Betreuung von sehr reichen Kunden übernahm.

James von Moltke

James von Moltke, früher Treasury-Chef der US-Bank Citigroup, ist neuer Chief Financial Officer.

Kim Hammonds

Die langjährige Boeing-Managerin bringt als Technologiechefin die Informationssysteme der Bank auf Vordermann. Sie hatte zunächst als Generalbevollmächtigte begonnen und rückte im August 2016 in den Vorstand.

Stuart Lewis

Der Brite war bereits vor dem großen Umbau im Jahr 2015 Risikovorstand – und ist es geblieben.

Sylvie Matherat

Die Französin war seit gut einem Jahr bei der Bank, bevor sie im Oktober 2015 in den Vorstand einzog. Sie kümmert sich um die Bereiche Regulierung, gute Unternehmensführung und Kampf gegen Finanzkriminalität.

Nicolas Moreau

Der Franzose blickt auf eine mehr als 25-jährige Karriere beim französischen Versicherungskonzern Axa zurück, wo er zuletzt das Frankreich-Geschäft leitete. Zum 1. Oktober 2016: Wechsel in den Vorstand der Deutschen Bank mit der Zuständigkeit für die Vermögensverwaltung (Deutsche Asset Management). Sein Sitz: London.

Garth Ritchie

Der britische Manager leitete vor seiner Bestellung in den Vorstand 2016 das Aktiengeschäft in London. Gemeinsam mit Marcus Schenck verantwortet er den Unternehmensbereich Unternehmens- und Investmentbank.

Karl von Rohr

Der Deutsche übernahm ab Oktober 2015 die Verantwortung für die Rechtsstreitigkeiten und das Personal. Vorher war er für das Management der globalen Regionen der Bank zuständig.

Werner Steinmüller

Der Banker arbeitet seit 1991 für das Institut und führte seit 2004 die Transaktionsbank, die etwa Zahlungsdienstleistungen und Handelsfinanzierungen anbietet.

1. August 2016: Aufstieg zum Vorstand für das Asien-Geschäft mit Sitz in Hongkong.

Für die Deutsche Bank spielen die regionalen Beratungscenter eine wichtige Rolle für ihre Privatkunden-Strategie. Schließlich will das Geldhaus in diesem Jahr die Zahl ihrer Filialen von ursprünglich 723 um 188 Zweigstellen reduzieren. Durch die Beratungscenter, die als Alternative dienen, versucht das Institut diesen Effekt abzufedern. „Diese Zentren sollen nach Möglichkeit auch dann für die Kunden per Online-Chat, Video oder Telefon erreichbar sein, wenn die Filialen schon geschlossen haben. Wir wollen Beratung nicht nur in der Filiale, sondern auf allen Zugangswegen“, hatte Privatkundenvorstand Christian Sewing einmal in einem Handelsblatt-Interview gesagt. Auch unter der Woche sind die Beratungscenter deshalb bis um 20 Uhr geöffnet.

Für die Gewerkschaften ist die Samstagsarbeit ein Tabu-Bruch. Entsprechend schwierig waren die Verhandlungen, denn Verdi und dbv wollten zumindest möglichst günstige Konditionen für die rund 400 betroffenen Mitarbeiter herausholen. So ist die Samstagsarbeit etwa nur erlaubt, wenn die Mitarbeiter sich dazu auch bereit erklären. Der Einsatz eines Mitarbeiters soll außerdem auf höchstens zwei Einsätze pro Monat beschränkt sein. Für fünf solcher Wochenendeinsätze gibt es einen freien Tag extra.

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Außerdem zählt die Arbeit an diesem Tag 30 Prozent „mehr“ als an einem normalen Wochentag: Es gibt für jeden Samstag einen vollen Ausgleichstag unter der Woche, obwohl die Öffnungszeiten am Wochenende ja kürzer sind als zwischen Montag und Freitag. Auf diese Art verkürzt sich die Wochenarbeitszeit. Solange die Vereinbarungen gilt, können ältere Mitarbeiter dieser Beratungscenter außerdem auf besonders günstige Vorruhestandsregeln zurückgreifen, die eigentlich 2014 ausgelaufen sind.

„Der Tarifabschluss macht deutlich: Freie Wochenenden haben für uns einen hohen Stellenwert und die Arbeit an Samstagen hat einen hohen Preis“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Jan Duscheck dem Handelsblatt. „Durch das attraktive Ausgleichspaket sollte sich auch genügend Kollegen für einen auch tatsächlich freiwilligen Einsatz finden lassen“, ist sich dbv-Chef Stephan Szukalski sicher.

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