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16.12.2015

10:36 Uhr

Deutsche Bank

Saudi-Arabien-Chef meldet Rekordjahr

Für die Deutsche Bank dürfte es eine frohe Botschaft kurz vor Weihnachten sein: Zwischen allen Skandal- und Umbaunachrichten des Instituts verkündet der Saudi-Arabien-Chef der Bank satte Gewinne.

Bei der Zentrale in Frankfurt dürften die Meldung vom Rekordjahr in Saudi-Arabien gut ankommen. AFP

Gute Nachrichten

Bei der Zentrale in Frankfurt dürften die Meldung vom Rekordjahr in Saudi-Arabien gut ankommen.

DubaiDie Deutsche Bank erwartet in diesem Jahr ihr bislang bestes Ergebnis in Saudi-Arabien. Und das obwohl der Ölpreis eingebrochen ist, das Wachstum in dem Königreich schwächer wird. Das sagte Jamal Al Kishi, CEO von Deutsche Securities Saudi Arabia in Riad.

„2015 ist für uns in Saudi-Arabien ein Rekordjahr gewesen, getrieben vor allem von strukturierten Finanzierungen und M&A-Tätigkeiten“, sagte Al Kishi. „Für die Deutsche Bank leistet das Geschäft in Saudi-Arabien einen der größten Beiträge in der Teilregion Naher Osten und Afrika, und das spiegelt sich wider in anhaltenden Investitionen und Engagement.“

Die Frankfurter Bank zählte im März zu jenen Insitituten, die eine Anleihe im Volumen von 2 Milliarden Rial (487 Millionen Euro) für die Arab National Bank in Riad begaben. Im im September war sie zudem bei einem Kredit über 10 Milliarden Dollar für den Ölkonzern Saudi Aramco beteiligt. Die Bank berät Aramco auch beim potenziellen Kauf einiger Marketing-, Einzelhandels- und Raffinierieaktiva von China National Petroleum, wie im Oktober aus informierten Kreisen verlautete.

Juristische Baustellen der Deutschen Bank

Die Skandalbank

Zahlreiche Skandale haben den Ruf der Deutschen Bank in den vergangenen Jahren beschädigt. Das Institut musste für frühere Verfehlungen seit 2012 bereits rund zwölf Milliarden Euro zahlen, und die Liste der offenen Rechtsstreitigkeiten ist noch lang. Der neue Konzern-Chef John Cryan stellt sich darauf ein, dass die juristischen Altlasten die Bank noch lange beschäftigten werden. Derzeit hat die Bank dafür 4,8 Milliarden Euro zur Seite gelegt. Ein Überblick über die bedrohlichsten Fälle:

Russland

In der Moskauer Handelssparte soll es bis vor kurzem unsaubere Geschäfte gegeben haben. Die Ermittlungen könnten große Sprengkraft haben. So haben US-Behörden laut „Financial Times“ ihre Untersuchungen ausgeweitet und gehen nun auch dem Verdacht auf Verstöße gegen die aktuellen politischen Sanktionen nach. Bislang ging es vor allem um mögliche Geldwäsche. Das Gesamtvolumen verdächtiger Geschäfte soll bei sechs Milliarden Dollar liegen. Die Bank hat in diesem Zusammenhang einige Mitarbeiter suspendiert.

Embargos

Die USA gingen bei Sanktionsvergehen zuletzt wenig zimperlich mit Finanzkonzernen um. Die BNP Paribas bekam für Verstöße gegen US-Sanktionen bei Geschäften mit Staaten wie dem Iran eine Zahlung von umgerechnet knapp neun Milliarden Dollar aufgebrummt. Die Deutsche Bank wartet wegen ähnlicher Vorwürfe noch auf einen Einigung mit den US-Behörden.

Hypotheken

Die US-Behörden gehen wegen krummer Hypothekengeschäfte aus Zeiten vor der Finanzkrise weiter hart gegen Banken vor. Während die US-Institute inzwischen den größten Teil der Verfahren gegen hohe Milliardenzahlungen ausräumen konnten, laufen die Ermittlungen zur Rolle der Deutschen Bank noch.

Libor und Euribor

Über Jahre manipulierten Mitarbeiter mehrerer Großbanken die wichtigen Referenzzinsen für das Geldgeschäft der Banken untereinander. Auch einige Deutsche-Bank-Mitarbeiter machten mit. Ende 2013 brummte die EU-Kommission dem deutschen Branchenprimus deshalb eine Strafe von 725 Millionen Euro auf. Im April 2015 legten die Behörden in den USA und Großbritannien nach: Dort muss die Bank die Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar zahlen. Es laufen noch Zivilverfahren, bei denen Unternehmen und Privatleuten Schadenersatz durchsetzen wollen.

Devisen und Rohstoffe

Weltweit laufen Ermittlungen wegen mutmaßlicher Manipulationen wichtiger Kennzahlen - von Devisenkursen bis hin zu Preisen von Gold und Silber. Zu diesen Themen sind in den USA Sammelklagen anhängig, in denen auch die Deutsche Bank Beklagte ist.

Kirch

Die im Februar 2014 vereinbarte 925-Millionen-Euro-Zahlung an die Kirch-Erben sollte das Kapitel um die Mitverantwortung der Bank für die Pleite des Medienkonzerns 2002 endlich abschließen. Doch die Münchner Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen Co-Chef Jürgen Fitschen und vier ehemalige Topmanager des Frankfurter Geldhauses. Sie wirft den Bankern versuchten Prozessbetrug vor: Die Manager sollen im Zivilverfahren um Kirchs Schadenersatzforderungen versucht haben, die Richter zu täuschen, um Zahlungen der Bank zu verhindern. Die Angeklagten bestreiten dies, seit Ende April läuft der Prozess.

Der Einbruch der Ölpreise – Ölexporte sind die wichtigste Einnahmequelle der Saudis – wird zum ersten Haushaltsdefizit seit 2009 führen. Das Wirtschaftswachstum wird sich nach Expertenschätzung im kommenden Jahr auf 2,5 Prozent abschwächen. 2015 waren es noch drei Prozent. Gleichwohl bleiben die Geschäftsmöglichkeiten für Banken bestehen, da staatliche Unternehmen auf der Suche nach Investitionen im Ausland sind und Kapital beschaffen wollen.

„Die Gelegenheiten hier sind großartig, und die internationalen Banken kratzen wirklich erst an der Oberfläche“, sagte Al Kishi. „Wir sehen definitiv viele weitere Möglichkeiten in Saudi-Arabien, auch mit einem Ölpreis auf dem derzeitigen Niveau.“

Solch ein Optimismus dürfte bedeuten, dass die Saudi- Arabien-Sparte der Deutschen Bank den von Co-Chef John Cryan angekündigten Sparmaßnahmen entgehen kann. Cryan erwägt, die Dividende für zwei Jahre auszusetzen, sich aus dem Geschäft in zehn Ländern zurückzuziehen und die Belegschaft um rund ein Viertel zu verringern. Das soll den Gewinn zu verbessern und den Aktienkurs antreiben.


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