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27.10.2016

09:14 Uhr

Deutsche Bank

Schwarze Zahlen mit Beigeschmack

VonMichael Maisch

Die Deutsche Bank überrascht mit einem Gewinn von fast 300 Millionen Euro im dritten Quartal. In den Zahlen lassen sich aber auch beunruhigende Entwicklungen finden. John Cryan deutet einen schärferen Sparkurs an.

Deutsche Bank

Negative Vorzeichen - doch Gewinn? Was treibt die Deutsche Bank?

Deutsche Bank: Negative Vorzeichen - doch Gewinn? Was treibt die Deutsche Bank?

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FrankfurtGute Nachrichten hatte Deutsche-Bank-Chef John Cryan in letzter Zeit nur wenige im Gepäck. Am Donnerstag konnte er seine Aktionäre endlich wieder einmal positiv überraschen, allerdings verbergen sich in den Zahlen der Bank für das dritte Quartal auch einige beunruhigende Nachrichten.

Das größte deutsche Geldhaus verdiente im dritten Quartal unter dem Strich 278 Millionen Euro. Der Gewinn vor Steuern für die ersten neun Monate 2016 beträgt 1,6 Milliarden Euro. Analysten hatten rote Zahlen und im Schnitt einen Nettoverlust von 600 Millionen Euro für das dritte Quartal erwartet. Vor allem die vielen Rechtsstreitigkeiten, die noch schwelen, gelten weiter als große Unbekannte. Für diese Risiken muss die Bank im dritten Quartal noch einmal 400 Millionen Euro zurücklegen. Damit summieren sich die Rückstellungen mittlerweile auf 5,9 Milliarden Euro.

Die (un)profitabelsten Bankengruppen Deutschlands

Platz 8

Genossenschaftliche Zentralbanken

Rentabilität 2015: -1,08 %

Rentabilität 2014: 2,64 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 7

Großbanken (Commerzbank, Deutsche Bank, Postbank, Unicredit/Hypo-Vereinsbank)

Rentabilität 2015: 1,81 %

Rentabilität 2014: 3,16 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 6

Landesbanken (u.a. Bayern LB, LBBW)

Rentabilität 2015: 1,89 %

Rentabilität 2014: -1,5 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 5

Regionalbanken und sonstige Kreditbanken (u.a. BFI Bank, Deutsche Leasing Finance)

Rentabilität 2015: 2,72 %

Rentabilität 2014: 4,23 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 4

Bausparkassen (u.a. Bausparkasse Mainz, LBS)

Rentabilität 2015: 3,66 %

Rentabilität 2014: 5,6 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Durchschnitt

Durchschnitt aller Banken

Rentabilität 2015: 3,96 %

Rentabilität 2014: 3,98 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 3

Realkreditinstitute (u.a. Münchener Hypothekenbank, Wüstenrot Bank)

Rentabilität 2015: 4,29 %

Rentabilität 2014: -1,67 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 2

Sparkassen

Rentabilität 2015: 6,52 %

Rentabilität 2014: 6,72 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 1

Kreditgenossenschaften (u.a. Volksbanken und Raiffeisenbanken)

Rentabilität 2015: 7,34 %

Rentabilität 2014: 8,59 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

„Die Quartalsergebnisse zeigen die Stärken unseres operativen Geschäfts und die herausragende Arbeit unserer Mitarbeiter. Wir sind beim Umbau unserer Bank gut vorangekommen“, betonte Cryan. Ihre Einnahmen konnte die Bank auf 7,5 Milliarden Euro steigern, nach 7,3 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn vor Steuern kletterte auf 619 Millionen Euro, nach einem Verlust von 6,1 Milliarden Euro durch negative Sondereffekte im Vorjahr. Für den Gewinn im dritten Quartal dieses Jahres war neben positiven Sondereffekten vor allem das starke Abschneiden im Wertpapierhandel verantwortlich. Der Bereich Global Markets steigerte die Einnahmen um zehn Prozent auf 2,6 Milliarden Euro und erzielte ein Ergebnis vor Steuern von 330 Millionen Euro.

Quartalsgewinn der Deutschen Bank: Allenfalls eine Atempause

Quartalsgewinn der Deutschen Bank

Allenfalls eine Atempause

Kaum zu glauben, aber wahr: Die Deutsche Bank kann positiv überraschen. Ein genauerer Blick zeigt: Die Bank macht Gewinne in Bereichen, in denen Kürzungen anstehen – und verdient in stabileren Geschäftsfeldern weniger.

In allen anderen operativen Unternehmensbereichen gingen die Erträge, abgesehen von den Sondereffekten, zurück, wofür Cryan vor allem die chronisch niedrigen Zinsen verantwortlich macht. Belastet wurde das Quartal durch einen Anstieg der Risikovorsorge im Kreditgeschäft, die sich um 58 Prozent auf 327 Millionen Euro. Grund waren vor allem höhere Wertberichtigungen aufgrund der anhaltenden Marktschwäche in der Schifffahrt sowie in der Öl- und Gasbranche.

Das besser als erwartete Ergebnis dürfte der Bank nach den schweren Turbulenzen der vergangenen Wochen zumindest eine kleine Atempause bescheren. Seit durchsickerte, dass das US-Justizministerium die Verhandlungen über einen Vergleich für faule Hypothekengeschäfte mit einer Strafforderung von 14 Milliarden Dollar eröffnet, ist die Bank in eine tiefe Vertrauenskrise gerutscht und musste sich sogar gegen Gerüchte über eine Staatsrettung wehren. Die Aktie rutschte am heutigen Donnerstag von bis zu 3,4 Prozent wieder ab und pendelte sich 30 Minuten nach Börseneröffnung um den Vortagesschluss von 13,29 Euro ein.

Die schlechte Nachricht für die Belegschaft: Cryan hat die Mitarbeiter auf eine Verschärfung des Sparkurses eingestimmt. „Leider müssen wir davon ausgehen, dass die Lage noch eine Weile schwierig bleibt“, schrieb der Vorstandschef am Donnerstag in einem Brief an die Beschäftigten. „Wir werden deshalb unseren Umbau beschleunigen und noch verstärken müssen, wie wir es ja zum Halbjahr schon angedeutet haben.“

Kommentare (5)

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Herr Peter Kastner

27.10.2016, 08:20 Uhr

Die Frage ist doch, ob die Steigerung der Rücklagen für Rechtsstreitigkeiten um (lediglich) 0,4 MRD ausreichend sind und hier wieder das Prinzip Hoffnung gilt, bzw. das Problem aufs nächste Quartal verschoben wird.

Rainer von Horn

27.10.2016, 08:28 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Hartmut Dr. Schoenell

27.10.2016, 08:54 Uhr

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