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27.03.2014

16:09 Uhr

Deutsche Bank

Schwarzes Loch Kirch-Prozess

Deutsche-Bank-Chef Fitschen kommt bei den Ermittlungen wegen möglichen Prozessbetrugs im Fall Kirch immer mehr in Bedrängnis. Auch andere Manager stecken bereits tief im Strudel um Lügen und Beschwichtigungen.

Droht eine Anklage wegen „versuchten mittäterschaftlichen Prozessbetrugs“: Jürgen Fitschen, Co-Chef der Deutschen Bank. Reuters

Droht eine Anklage wegen „versuchten mittäterschaftlichen Prozessbetrugs“: Jürgen Fitschen, Co-Chef der Deutschen Bank.

Düsseldorf„Not helpful“ - so lautet das Urteil der eigenen Anwälte der Deutschen Bank im Kirch-Prozess. Wie das Handelsblatt in seiner Donnerstagsausgabe berichtet, hat die Bank bei einer internen Untersuchung festgestellt, dass einige Aussagen von ehemaligen Topmanagern der Bank vor Gericht nicht der Wahrheit entsprachen. Die Rechtsabteilung fasste das Ergebnis unter dem Stichwort „Not helpful“ zusammen – und präsentierte es auf einer Vorstandssitzung im Februar 2012 als Argument für eine außergerichtliche Einigung mit den Kirch-Erben. Auch Fitschen nahm an dieser Sitzung teil.

Die Staatsanwaltschaft München droht ihm mit Anklage wegen „versuchtem mittäterschaftlichem Prozessbetrugs“.

Der Fall zeigt einmal mehr: Das Kirch-Desaster kostet die Deutsche Bank nicht nur richtig viel Geld, sondern wirft auch ein schlechtes Bild auf ehemalige und - schlimmer noch - auf aktive Manager des Institutes. Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen nicht nur gegen Fitschen und den ehemaligen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann wegen möglichen Prozessbetruges, sondern auch gegen Deutsche-Bank-Rechtsvorstand Stephan Leithner, der als möglicher Nachfolger Fitschens gilt.

Nach Informationen von „Spiegel“ und „Süddeutscher Zeitung“ schlug Fitschen das Angebot der Behörde aus, das Ermittlungsverfahren gegen Zahlung einer Geldbuße einzustellen. Die Staatsanwaltschaft soll jetzt eine Anklage gegen Fitschen, Ackermann, Breuer und zwei weitere Ex-Vorstände vorbereiten, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“. Laut „Welt“ hat auch Leithner die Einstellung der Ermittlungen gegen eine Geldbuße zurückgewiesen.

Wie tickt Josef Ackermann?

Die Biografie

Fünf Jahre lang war Stefan Baron, ehemals Chefredakteur der „WirtschaftsWoche“, Pressesprecher von Josef Ackermann. Jetzt veröffentlicht er die Biographie „Späte Reue“ des langjährigen Vorstandschefs der Deutschen Bank. Einige Auszüge:

...über das Rauchen im Büro

Ins Auge springen dem Besucher allein eine lackierte Zigarrenbox aus feinem Wurzelholz und ein schwerer kristallener Aschenbecher. Eigentlich gilt in den Türmen der Deutschen Bank überall striktes Rauchverbot. Die einzige Ausnahme ist das Büro des Chefs. Um zu verhindern, dass er beim Rauchen einer Zigarre die Sprinkleranlage auslöst, ist dort die Empfindlichkeit des Rauchdetektors deutlich reduziert.

...über das Singen

Musiziert hat Ackermann schon als Kind. Sein Instrument war das Klavier. Als junger Banker nahm er zudem Gesangsunterricht. Heute musiziert der Schweizer nur noch wenig selbst, hört aber nach wie vor leidenschaftlich gerne Jazz und italienische Opern – auch bei der Arbeit.

...über Tischfußball

Auf der Farm des steinreichen Prinzen und Großinvestors Al-Walid ibn Talal al Saud in der Wüste Saudi-Arabiens kickert der begeisterte Tischfußballspieler so lange mit dessen Frau, bis er mit Blasen an den Händen aufgeben und sich von einem Arzt verbinden lassen muss.

... und das E-Mail-Verbot

Josef Ackermann kommuniziert nahezu ausschließlich mündlich, entweder im persönlichen Gespräch oder per Telefon. Schriftliches von ihm gibt es so gut wie gar nicht. E-Mail ist tabu. Ein kurzes »o. k.«, »pls discuss!« oder »pls call!« auf Papier oder als SMS, das ist alles.

 

... und die Freizeitgestaltung

Freizeit ist für den Deutsche-Bank-Chef ein Fremdwort. Drei Wochen Sommerurlaub im August. Hin und wieder mal ein Besuch in der Oper, einem Kunstmuseum oder dem Frankfurter Fußballstadion, seit die Eintracht wieder erstklassig geworden ist. Plus das Wochenende zu Hause in Zürich - mehr lässt seine Terminplanung nicht zu. Eine Wanderung durch den Wald oder ein schneller Marsch um den Block müssen als Ausgleich reichen für nahezu pausenlose 80- bis 100-Stunden-Wochen.

...über Bodyguards

Im Inland begleiten Ackermann auf Schritt und Tritt immer zwei Leibwächter. Seit dem Mannesmann-Prozess zählt er zu den am stärksten gefährdeten Personen der Republik. Seine Dienstlimousine, ein Mercedes der S-Klasse, ist gepanzert.

Mitarbeiter

Für Ackermann gibt es weder bei sich noch bei anderen feste Essens- oder Ruhezeiten, er kann zu jeder Tages- oder Nachtzeit anrufen. Die Woche hat für ihn sieben Arbeitstage, der Arbeitstag 24 Stunden. Der Schweizer ist ungeduldig und will schnell Resultate sehen. Auf ein Dankeschön nach durchgearbeiteter Nacht braucht niemand zu zählen. Er hält es mit der schwäbischen Devise: Net g’schimpft isch scho g’lobt.

...und seine Wohnungen

Ein modernes, aber keineswegs imposantes, mit viel Kunst ausgestattetes Haus in bester Lage nahe dem Grand Hotel Dolder am Hang des Zürichbergs mit Blick auf Stadt, See und Berge, ein rustikales Ferienhaus im wildromantischen Tessiner Centovalli-Tal und ein schickes Apartment im Wohn-Turm des Museum of Modern Art in Midtown Manhattan, das sind seine wesentlichen Besitztümer. Viel für einen einfachen Bürger gewiss, sehr viel. Aber wenig im Vergleich zu den meisten seiner Kollegen rund um die Welt. 

...über das Leben

Leben ist für Josef Ackermann vor allem Wettbewerb: Wenn er verliert, ist er unglücklich, wenn er gewinnt, glücklich. Egal, worum es geht, und sei es nur eine banale Wette oder ein Match Tischfußball.

Auf der Liste der Staatsanwaltschaft stehen zudem Ackermanns Vorgänger Rolf Breuer und der ehemaligen Vorstand Tessen von Heydebreck. Auch ihnen will die Staatsanwaltschaft nachweisen, dass sie im jahrelangen Rechtsstreit um die Pleite des Medienimperiums von Leo Kirch vor Gericht gelogen haben, um Schadenersatzansprüche abzuwenden. Inzwischen ist sogar eine Kanzlei in den Fokus der Ermittler geraten, die die Bank in dem Verfahren vertrat. Bereits am 18. März waren Büros der Anwälte durchsucht worden.

Der Streit mit den Erben des früheren Medienunternehmers Leo Kirch zieht sich inzwischen mehr als zehn Jahre hin - und wird die Bank wohl noch einige Zeit länger beschäftigen.

Die Familie Kirch macht die Bank und den damaligen Vorstandschef Rolf Breuer für die Pleite des Medienimperiums mitverantwortlich und fordert Schadenersatz in Milliardenhöhe. Auslöser war ein Interview Breuers im Februar 2002, in dem er öffentlich Zweifel an der Kreditwürdigkeit des wankenden Kirch-Konzerns genährt hatte. Wenig später musste Kirch Insolvenz anmelden. „Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen“, hatte Rolf Breuer damals gesagt.

Ein verhängnisvoller Satz.

Von

dah

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