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18.11.2015

17:06 Uhr

Deutsche Bank streicht eine Marke

Die Berliner Bank ist am Ende

Quelle:Tagesspiegel

Die Berliner Bank wird Ende 2017 Geschichte sein: Die Konzernmutter, die Deutsche Bank, hat im Zuge ihres Sparprogramms entschieden die Marke aufzugeben. Das trifft in Berlin 600 Mitarbeiter und 300.000 Kunden.

Dem grundliegenden Konzernumbau der Deutschen Bank fällt eine regionale Marke zum Opfer. Imago

Filiale der Berliner Bank

Dem grundliegenden Konzernumbau der Deutschen Bank fällt eine regionale Marke zum Opfer.

BerlinDie Berliner Bank verschwindet vom Markt. Die Marke soll komplett in der Deutschen Bank aufgehen, der das Berliner Institut seit 2006 gehört. Das teilten beide Häuser am Mittwochmittag mit. Die 300.000 Kunden, die in der Stadt ein Konto bei der Berliner Bank haben, wechseln automatisch zur Deutschen Bank. Ende 2017 soll die Integration vollständig abgeschlossen und die Berliner Bank Geschichte sein.

Deutsche-Bank-Chef Cryan räumt auf

Der Grund für diese Entscheidung liegt auf der Hand: Die Deutsche Bank muss sich neuaufstellen. Konzernchef John Cryan hat bereits angekündigt insgesamt 9000 Stellen zu streichen und 200 Filialen zu schließen. Da kann man sich eine zweite Marke in Berlin schlichtweg nicht leisten.

„Als Berliner Bank haben wir viel von unserem Know-how und Verbindungen mit den Menschen und Unternehmen in der Stadt in die Deutsche Bank eingebracht“, sagte Stefanie Salata, Chefin der Berliner Bank, am Mittwoch. Seit sie die Geschäftsleitung 2013 übernommen hat, hatte sie die Daseinsberechtigung des Regionalinstituts innerhalb des Deutsche-Bank-Konzerns immer wieder verteidigt. Sie seien näher am Kunden, würden die Besonderheiten der Berliner Kunden besser kennen und der Mutter durch den starken Fokus auf die Region keine Konkurrenz machen.

Ziele der Deutschen Bank

Die „neue” Deutsche Bank

Kleiner, schlanker, sicherer: So sieht die Deutsche Bank in fünf Jahren nach den Vorstellungen ihres neuen Vorstandschefs John Cryan aus. Die aufgeblähte Bilanz soll schrumpfen - auch auf Kosten des Gewinns. Der Brite hat die „Strategie 2020”, die er von seinem Vorgänger Anshu Jain geerbt hatte, noch kräftig umgemodelt. Deutschlands größtes Geldhaus trägt nun Cryans Handschrift. Die Sparten werden komplett neu zugeschnitten, die Ziele teilweise vorgezogen.

Quelle: Reuters

Eigenkapitalrendite

Cryan bleibt bei dem auf zehn Prozent nach Steuern eingedampften Renditeziel, legt sich aber nun darauf fest, dass es bis 2018 erreicht werden soll. Jain hatte vage nur von einem „mittelfristigen” Ziel gesprochen. Die vorher angepeilten zwölf Prozent Eigenkapitalrendite hatte die Bank nie erreicht.

Kapitaldecke

Cryan schraubt die Zielmarke für die harte Kernkapitalquote auf 12,5 Prozent nach oben - „damit wir nicht mehr den Erwartungen von Regulatoren und den Märkten hinterherlaufen”. Jain hatte elf Prozent für ausreichend gehalten, zuletzt stand die Bank bei 11,5 Prozent.

Bilanzrisiken

Fast ein Viertel der bilanziellen Risiken sollen bis 2020 verschwinden – auch auf Kosten der Erträge. Aus 408 Milliarden Euro Risiko sollen dann 310 Milliarden werden. Das Gros leisten die Abspaltung der Postbank und der Verkauf des Anteils an der chinesischen Hua Xia. Doch unter dem Strich bleiben mehr als 400 Milliarden Euro an Risiken in der Bilanz – wegen schärferer Regeln für deren Bewertung, die zu einem Plus von rund 100 Milliarden Euro führen.

Verschuldungsquote

Bei der sogenannten Leverage Ratio ist die Bank mit 3,6 Prozent am weitesten von ihrem Ziel entfernt. Bis 2020 soll das Eigenkapital fünf Prozent der Bilanzsumme ausmachen. Das dürfte bis dahin die von den Aufsehern geforderte Mindestquote sein. Der einzige Weg dorthin ist der Abbau der aufgeblähten Bilanz: 170 Milliarden Euro sollen herausgeschnitten werden, vor allem die Postbank stört.

Kosten

Milliardenschwere Einsparziele hat sich die Deutsche Bank schon häufig gesetzt. Doch unter dem Strich blieb davon meistens wenig übrig. Das will Cryan ändern: Von brutto 3,8 Milliarden Euro, die er einsparen will, sollen eine bis 1,5 Milliarden bleiben. Insgesamt soll die Kostenbasis von zuletzt 23,8 Milliarden auf weniger als 22 Milliarden Euro schrumpfen. Doch der Umbau wird zunächst einmal bis zu 3,5 Milliarden Euro verschlingen.

Arbeitsplätze

Bei der Deutschen Bank sollen 2018 nur noch 77.000 Menschen arbeiten. Ende 2015 sind es voraussichtlich noch 103.000. 14.000 Mitarbeiter sollen ihren Arbeitsplatz verlieren, an anderer Stelle sollen zugleich 5000 Stellen aufgebaut werden. Um 20.000 Stellen schlanker wird die Bank durch den Börsengang der Postbank und den Verkauf anderer, kleinerer Töchter. Darüber hinaus braucht die Bank 6000 Mitarbeiter weniger, die bisher für sie arbeiten, aber bei externen Dienstleistern angestellt sind. Insgesamt sind das bisher rund 30.000.

Jetzt sagt sie: „Mittlerweile haben wir nahezu das gleiche Produktangebot.“ Mit anderen Worten: Es macht keinen Unterschied, ob ein Kunde zur Berliner Bank oder zur Deutschen Bank geht - er bekommt in beiden Häusern das Gleiche. „Ein einheitlicher Auftritt in Berlin ist deshalb ein konsequenter Schritt mit Vorteilen sowohl für unsere Kunden als auch für unsere Bank“, sagt Salata.

Was das Ende der Marke für die gut 600 Mitarbeiter der Berliner Bank bedeutet, blieb zunächst offen. Auf dem Papier sind sie eh längst Angestellte des Mutterkonzerns Deutsche Bank - deshalb kann man ihre Arbeitsplätze nun nicht einfach streichen. Gleichzeitig könnten durchaus einige von ihnen von den konzernweiten Stellenstreichungen betroffen sein.

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