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23.09.2016

19:50 Uhr

Deutsche Bank

Sylvie Matherat will den Managern Regeln beibringen

Regulierungsvorstand Sylvie Matherat will bei der Deutschen Bank verdächtige Geschäfte früher aufspüren. Es sei besser, richtig aufzuräumen, auch wenn es dauere und nicht einfach sei. Die Händler seien auch in der Pflicht.

2014 wechselte die Französin von der französischen Zentralbank nach Frankfurt. Imago

Sylvie Matherat

2014 wechselte die Französin von der französischen Zentralbank nach Frankfurt.

FrankfurtNeun Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise hat die Deutsche Bank noch immer alle Hände voll zu tun mit Aufräumen. „Das aktuelle Management-Team will keine schnellen, einfachen Lösungen“, sagt Regulierungsvorstand Sylvie Matherat der Nachrichtenagentur Reuters in einem am Freitag veröffentlichten Interview. „Es ist besser, richtig aufzuräumen. Aber das dauert eben und ist nicht ganz einfach“, betont die 54-jährige Französin. Dieser Weg sei steinig. Allein bis ihr Bereich komplett aufgebaut sei, werde es noch mindestens ein weiteres Jahr brauchen.

Die Herausforderungen sind vielfältig: Wegen Tricksereien auf dem amerikanischen Immobilienmarkt droht Deutschlands größtem Geldhaus eine Rekordstrafe in den USA – und das ist nur eine von Hunderten Rechtsstreitigkeiten. Zudem muss die Bank ihr zerrüttetes Verhältnis zu den Aufsichtsbehörden reparieren und allen Mitarbeitern deutlich machen, dass die Einhaltung von Regeln (Compliance) wichtig ist. „Es ist eine recht neue Entwicklung, dass Regulierungs- und Compliance-Themen direkt bei einem Vorstandsmitglied verankert sind“, sagt Matherat. „Die gesamte Branche muss verstehen, dass das zum Paket einfach dazugehört. Es ist kein ‚nice to have‘. Es ist Teil der Lizenz, Geschäfte zu machen.“

Die (un)profitabelsten Bankengruppen Deutschlands

Platz 8

Genossenschaftliche Zentralbanken

Rentabilität 2015: -1,08 %

Rentabilität 2014: 2,64 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 7

Großbanken (Commerzbank, Deutsche Bank, Postbank, Unicredit/Hypo-Vereinsbank)

Rentabilität 2015: 1,81 %

Rentabilität 2014: 3,16 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 6

Landesbanken (u.a. Bayern LB, LBBW)

Rentabilität 2015: 1,89 %

Rentabilität 2014: -1,5 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 5

Regionalbanken und sonstige Kreditbanken (u.a. BFI Bank, Deutsche Leasing Finance)

Rentabilität 2015: 2,72 %

Rentabilität 2014: 4,23 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 4

Bausparkassen (u.a. Bausparkasse Mainz, LBS)

Rentabilität 2015: 3,66 %

Rentabilität 2014: 5,6 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Durchschnitt

Durchschnitt aller Banken

Rentabilität 2015: 3,96 %

Rentabilität 2014: 3,98 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 3

Realkreditinstitute (u.a. Münchener Hypothekenbank, Wüstenrot Bank)

Rentabilität 2015: 4,29 %

Rentabilität 2014: -1,67 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 2

Sparkassen

Rentabilität 2015: 6,52 %

Rentabilität 2014: 6,72 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 1

Kreditgenossenschaften (u.a. Volksbanken und Raiffeisenbanken)

Rentabilität 2015: 7,34 %

Rentabilität 2014: 8,59 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Matherat ist charmant im Auftreten, aber verbindlich im Ton. 2014 wechselte die Mutter von drei erwachsenen Kindern von der französischen Zentralbank, wo sie unter anderem für den Bereich Finanzstabilität verantwortlich war, zur Deutschen Bank. Seit November 2015 sitzt sie im Vorstand – und kann seitdem viel besser durchgreifen, wie sie sagt. „Meine Stimme wird nicht verwässert.“ Das Ressort wurde eigens für sie zugeschnitten. Matherat weiß, wie die Aufseher ticken – und soll das für die Bank nutzen.

Erworben hat sie dieses Wissen in langen Jahren bei der Bankenaufsicht ihres Heimatlandes. Als größten persönlichen Erfolg bei ihrem neuen Arbeitgeber bezeichnet Matherat, intern überhaupt erst eine Sensibilität für ihre Themen geschaffen zu haben. „Das Problem ist erkannt.“ Das schwerste sei aber die Umsetzung in der Bank. „Unseren Händlern sage ich immer: ‚Dein Kunde, Deine Verantwortung!‘“ Krumme Geschäfte müssten schon an der Front verhindert werden. „Später, in der Compliance-Abteilung oder bei den internen Kontrolleuren, ist es viel schwieriger.“

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