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26.07.2016

12:59 Uhr

Deutsche Bank

Tiefe Sorge um Deutschlands größtes Geldhaus

VonFrank Matthias Drost

Politiker in Berlin lästerten früher gern über Deutschlands größte Bank. Doch das „Banken-Bashing“ war gestern. Mittlerweile sorgt sich Berlin um die Deutsche Bank. Ob zu Recht, werden die Zahlen diese Woche zeigen.

Im Juni trat Deutsche-Bank-Chef Cryan auf dem Treffen des CDU-Wirtschaftsrats in Berlin auf, neben ihm Finanzminister Schäuble. AFP; Files; Francois Guillot

John Cryan (l.) und Wolfgang Schäuble

Im Juni trat Deutsche-Bank-Chef Cryan auf dem Treffen des CDU-Wirtschaftsrats in Berlin auf, neben ihm Finanzminister Schäuble.

BerlinDas Thema zog. Vor zahlreichen Gästen jüngeren Alters debattierte der parlamentarische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Jens Spahn, mit dem Mitgründer des Zahlungsdienstleisters Paypal, Peter Thiel. Es ging darum, wie „Innovationen die Zukunft retten können“ und welche Rolle Banken dabei spielen. Und auch darum, wie Fintechs allmählich Banken das Wasser abgraben. „Paypal wurde vor 17 Jahren gegründet und hat einen höheren Börsenwert als die Deutsche Bank“, sagte Spahn auf der Veranstaltung Anfang Juni. „Was aber derzeit auch nicht so schwer ist“, fügte er unter dem Gelächter der Gäste im prächtigen Matthias-Erzberger-Saal des Ministeriums an.

Die Aktie notiert am Dienstag bei 12,74 Euro, nur 1,50 Euro über ihrem Allzeittief. Am Mittwoch legt die Bank Quartalszahlen vor und Analysten erwarten einen Rückgang der Erlöse um 15 Prozent, der Gewinn könnte knapp über null oder auch tief im Minus liegen – die von Reuters befragten professionellen Beobachter sind sich uneinig. Auch bei den von der Bank selbst zusammengestellten Schätzungen ist die Spreizung groß.

Spott aus Berlin kann die Deutsche Bank in diesen Wochen also nicht gebrauchen. Die Häme kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass in der Hauptstadt derzeit ein neues Kapitel in der Beziehung zur Deutschen Bank aufgeschlagen wird. War die Bank lange Zeit der Buhmann der Politik, der bei vielen Finanztricksereien dabei war – 6000 juristische Verfahren und Rückstellungen für Rechtsrisiken in Höhe von 5,4 Milliarden Euro legen ein beredtes Zeugnis davon ab – so dreht sich allmählich der Wind. Der tiefe Groll im Regierungsviertel weicht allmählich der Sorge um die Zukunft der Bank.

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„Ich begrüße, dass nach dem Banken-Bashing der vergangenen Jahre in der Politik allmählich eine andere Wahrnehmung einkehrt. Die deutsche Volkswirtschaft braucht mindestens eine große Bank, die Unternehmen ins Ausland begleiten kann und alle Facetten des Bankgeschäfts beherrscht“, sagt der Vizefraktionschef der Union, Michael Fuchs, dem Handelsblatt. „Das ist nun mal gerade die Deutsche Bank.“ Die Augen vor der jüngsten Vergangenheit des größten deutschen Instituts verschließt er dabei nicht. Natürlich müsse man nicht darüber diskutieren, dass bei der Deutschen Bank in der Vergangenheit gerade im Investmentbanking „gravierende Fehler“ gemacht wurden, so der Politiker.

„Fehler“, übrigens, die sich immer noch in der Bilanz bemerkbar machen und dazu beigetragen haben, dass die Bank im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Rekordverlust in Höhe von 6,8 Milliarden Euro auswies. Auch der stellvertretende Fraktionschef der SPD, Carsten Schneider, wünscht sich eine „stabile Deutsche Bank“, da die deutsche Volkswirtschaft eine international vernetzte Bank brauche. Der SPD-Politiker sieht Vorstandschef John Cryan in der Verantwortung, „ein neues Geschäftsmodell umzusetzen, das nicht mehr vom Handel getrieben ist“.

Größte Banken im Devisenhandel (2016)

Platz 10

Morgan Stanley

2016: Rang 10

2015: Rang 13

Quelle: Euromoney, Mai 2016

Platz 9

XTX Markets

2016: Rang 9

2015: nicht im Ranking vertreten

Platz 8

HSBC

2016: Rang 8

2015: Rang 7

Platz 7

Goldman Sachs

2016: Rang 7

2015: Rang 9

Platz 6

Barclays

2016: Rang 6

2015: Rang 3

Platz 5

Bank of America Merrill Lynch

2016: Rang 5

2015: Rang 6

Platz 4

Deutsche Bank

2016: Rang 4

2015: Rang 2

Platz 2

JP Morgan

2016: Rang 3

2015: Rang 4

Platz 3

UBS

2016: Rang 2

2015: Rang 5

Platz 1

Citigroup

2016: Rang 1

2015: Rang 1

Dabei geht Unions-Vize Fuchs davon aus, dass für Cryan der Kulturwandel kein Lippenbekenntnis sei. Dabei ist Kulturwandel so zu verstehen, dass für die Bank stets das Interesse des Kunden im Vordergrund steht, ohne die gesetzlichen Vorgaben zu missachten. Nach der Sommerpause will Fuchs den Bank-Chef treffen. Bereits der ehemalige Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen, habe viel dazu beigetragen, das „schlechte Image der Deutschen Bank zu verbessern“. Er gehe davon aus, dass das im Bundeskanzleramt auch so gesehen werde, meint der gut vernetzte Politiker.

„Wo bleibt die Besserung?“

Beim Thema Kulturwandel ist SPD-Finanzexperte Schneider jedoch deutlich skeptischer eingestellt als sein Koalitionskollege. „Die Bank hat in den vergangenen Jahren viel angekündigt, ohne zu liefern. Da bin ich ein gebranntes Kind“, so Schneider. Auch der CSU-Bundestagsabgeordnete Alexander Radwan traut dem Bekenntnis nicht. „Ich habe Zweifel an dem schnellen proklamierten Kulturwandel der Deutschen Bank. Die Geldwäscheaktivitäten in Russland geben da einem schon zu denken. „Wo bleibt die Besserung?“, fragt Radwan.

Kommentare (42)

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Account gelöscht!

26.07.2016, 13:20 Uhr

Zu Joe´s und Anshu´s Zeiten spielte das Investmentbanking der Dt. Bank in den meisten Bereichen (Equities-, Fixed-Income, FX- und Commodities-Trading, Securitisation und M&A) als Global Player auch noch in der gleichen Liga wie Goldman, Citi und JP Morgan. Und die Erträge und die Boni für die Mitarbeiter sprudelten.

Heute ist die Dt. Bank wo zu Hause; Bundesliga, Regionalliga oder Kreisklasse ?

Herr Franz Paul

26.07.2016, 13:34 Uhr

Das ist doch alles noch gar nix gegen den Lügner-Betrüger-Erpresser-Versagerverein von Commerzbank. Als langjähriger (ex) Kunde könnte ich da Bände füllen.
Schade, dass es diesen Laden noch immer gibt. Schade, dass er mit unseren Steuermilliarden "gerettet" wurde. Schade, dass die Verantwortlichen für diese Aktion nicht hinter Gittern sitzen.

Herr Percy Stuart

26.07.2016, 13:47 Uhr

Das großen Bankenpleiten stehem uns erst noch bevor!
Schade das sich die Medien nicht endlich mal ehrlich machen.
Überall wird nur noch vertuscht und unter den Teppich gekehrt. Irgendwann kommt der ganze Dreck eben zum Vorschein und das Geschrei wird groß sein.
Schuldig war dann natürlich niemand, diese Entwicklungen konnte man ja nicht voraussehen, obwohl es seit 2008 auch hier im HB-Forum genug Mahner gab, die darauf hinwiesen. Passiert ist nichts, nein „Wir schaffen das!“ war das Motto. Finde es eh unverschämt, mich ständig von den Medien und der Politik vereinnahmen zu lassen. Zuerst hieß es „Du bist Deutschland“ (war diese Medienkampagne der Bundesregierung eigentlich „nationalistisch“?), in Zeiten, wo man das Wort „deutsch und Deutschland“ nicht mehr in den Mund nehmen darf, um von Medien und Öffentlichkeit nicht sofort in die rechte, ausländerfeindliche und rassistische Ecke gestellt zu werden? Jetzt lautet das Motto „Wir schaffen das!“. Wer ist WIR und wer soll was wie schaffen? Heute wurde übrigens in einer Kirche in Frankreich ein Priester geköpft - aber wir schaffen das, dank unserer Medien und der vorausschauenden, nachhaltigen Politik ganz sicher.

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