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28.05.2013

12:55 Uhr

Deutsche-Bank-Tochter

Sal. Oppenheim streicht 330 Stellen

Die glorreichen Zeiten von Deutschlands größter Privatbank sind vorbei. Das Traditionshaus wurde schließlich von der Deutschen Bank geschluckt. Nun setzt ein Kahlschlag bei den Mitarbeiter ein: 330 Stellen fallen weg.

Düsternis über dem Bankhaus Sal. Oppenheim: 330 Stellen fallen weg. dpa

Düsternis über dem Bankhaus Sal. Oppenheim: 330 Stellen fallen weg.

FrankfurtDer Kahlschlag bei der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim ist besiegelt: Bis Ende 2014 sollen 330 Vollzeitstellen wegfallen, wie die Deutsche-Bank-Tochter am Dienstag nach monatelangen Verhandlungen mit dem Betriebsrat ankündigte. Das sind mehr als ein Drittel aller Arbeitsplätze bei dem Traditionshaus, das die Renditeerwartungen der Mutter bislang nicht erfüllt, weil die Kosten aus dem Ruder laufen.

Seit November war klar, dass ein Jobabbau „in signifikantem Umfang“ ansteht, jetzt nimmt er konkrete Formen an. Er soll möglichst ohne betriebsbedingte Kündigungen vonstattengehen und betrifft vor allem Verwaltungs- und IT-Einheiten. Vier Niederlassungen in Deutschland werden geschlossen: Bielefeld, Hannover, Bremen und Stuttgart.

„Uns ist bewusst, dass die Umsetzung des nun vereinbarten Personalabbaus für alle Beteiligten ein schmerzhafter Prozess sein wird“, erklärte der neue Sal-Oppenheim-Chef Wolfgang Leoni, der seit April das Ruder übernommen hat und die Sanierung der Privatbank zu Ende führen soll. Sein Vorgänger Wilhelm von Haller, den die Deutsche Bank Ende 2009 zur damals gerade übernommenen Krisentochter entsandt hatte, kehrte unlängst zur Mutter zurück, um sich dem Mittelstand zu widmen.

Sal. Oppenheim: Aufstieg und Niedergang

1789

Der 17-jährige Salomon Oppenheim gründet in Bonn ein Kommissions- und Wechselhaus.

1798

Oppenheim verlegt den Sitz des Unternehmens nach Köln.

1904

Die erste Krise: Nach Fehlinvestitionen in der Elektroindustrie wird die Bank in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Die Disconto-Gesellschaft, damals die zweitgrößte deutsche Bank, steigt bei Oppenheim ein.

1929

Die Gründungsgesellschafter sind wieder Alleineigentümer.

1938

Die Bankiers müssen auf Druck der Nationalsozialisten das Institut umfirmieren in Pferdemenges & Co. Robert Pferdemenges war seit 1931 Teilhaber und entpuppte sich als Retter in der Not.

1947

Das Bankhaus erhält seinen ursprünglichen Namen zurück.

1964

Der Ururenkel des Gründers, Alfred Baron von Oppenheim, wird persönlich haftender Gesellschafter. Er baut die Vermögensverwaltung als zweite Säule neben dem Firmenkundengeschäft aus.

1993

Die Oppenheim-Esch-Holding wird gegründet.

1999

Der Bereich Firmenkredite wird zum Großteil aufgegeben.

2005

Sal. Oppenheim steigt mit der Übernahme der BHF-Bank zur größten unabhängigen Privatbank Europas auf.

2008

Sal. Oppenheim wird durch Kredite an die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz Großaktionär bei Arcandor. Die Pleite von Arcandor reißt Oppenheim in die Krise. Zudem fallen im Investment-Banking Verluste an.

2009

Matthias Graf von Krockow und Carl Janssen schließen den Einstieg eines externen Investors aus. Doch dann wird das Institut an die Deutsche Bank verkauft. Der Deal ist 2010 besiegelt. Die Tradition von 220 Jahren als eigenständiges Geldhaus sind vorbei.

Die mehr als 220 Jahre alte Privatbank Sal. Oppenheim war an ihrem Engagement beim pleite gegangenen Handelskonzern Arcandor fast zugrunde gegangen und wurde vom Branchenprimus aufgefangen. Nach mehreren Jahren harter Restrukturierung schreibt das Kölner Haus zwar wieder Mini-Gewinne. Sie reichen der Deutschen Bank aber nicht. Leoni muss nun Doppelfunktionen auflösen und Sal. Oppenheim abspecken. Er setzt darauf, dass viele Mitarbeiter einer Aufhebung ihrer Verträge per Abfindung zustimmen - die Gespräche laufen jetzt an.

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