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08.02.2016

20:13 Uhr

Deutsche Bank und Commerzbank

Aktienkurse im freien Fall

Der Ausverkauf an der Börse hört nicht auf: Die Aktienkurse der Deutschen Bank und der Commerzbank fallen am Montag um über neun Prozent. Europaweit stürzen Bankaktien immer weiter ab.

Dunkle Regenwolken über der Skyline von Frankfurt: Investoren flüchten aus Bankaktien. dpa

Ängste der Deutschen

Dunkle Regenwolken über der Skyline von Frankfurt: Investoren flüchten aus Bankaktien.

FrankfurtSchock am frühen Abend. An einem verlustreichen Handelstag an der Börse rangierten die Aktien der Deutschen Bank und der Commerzbank stetig in der Schlussgruppe. Richtig bitter wurde es, als der Handel an der Wall Street eröffnete und ebenfalls ins Minus drehte. Die Deutsche Bank sackte unter die Marke von 14 Euro und die Commerzbank fiel unter sieben Euro.

Die Blauen touchierten die Marke von 13,47 Euro. Billiger war die Aktie nur im Tagesverlauf des 21. Januar 2009. Am Abend schloss der Kurs der Deutschen Bank 9,5 Prozent im Minus bei 13,82 Euro. So tief hat das Papier einen Handelstag noch nie beendet. Die Commerzbank wiederum rutschte in der Spitze bis auf 6,56 Euro. Von ihrem Allzeittief trennt sie allerdings noch ein ganzer Euro. Im Laufe des 4. Juli 2013 notierte das Papier bei 5,56 Euro. Am Abend gingen die Gelben mit 6,60 Euro ebenfalls 9,5 Prozent leichter aus dem Handel.

Das Geschäftsjahr 2015 der Deutschen Bank (I)

Erträge

33,5 Milliarden Euro.

Zinsunabhängige Aufwendungen

38,7 Milliarden Euro.

Jahresergebnis

6,8 Milliarden Euro Verlust nach Steuern.

Harte Kernkapitalquote

11,1 %.

Verschuldungsquote

3,5%.

Europaweit standen am Montag die Finanztitel ganz oben auf der Verkaufsliste. Am härtesten traf es italienische Banken. Das Kriseninstitut Monte dei Paschi verlor mehr als elf Prozent. Für die italienischen Geldhäuser sind die 200 Milliarden Euro schweren faulen Kredite der Hauptbelastungsfaktor. Erst vor kurzem haben die Regierung in Rom und die EU einen Streit um eine sogenannte Bad Bank beigelegt, in die die faulen Kredite ausgelagert werden sollen.

Bis zum Jahresende glaubten viele Investoren noch, die Schwäche der Bankaktien in ganz Europa sei nur vorübergehend. Inzwischen aber geben immer mehr Anleger auf und stoßen ihre Papiere trotz drastischer Verluste ab. Mit einem Minus von 20 Prozent im noch jungen Jahr läuft der Ausverkauf der europäischen Finanztitel fast doppelt so schnell wie im Gesamtmarkt, wo das Minus bei rund zwölf Prozent liegt.

Die Investoren fragen sich, ob die Geldhäuser angesichts der langsamer wachsenden Wirtschaft und den Mini-Zinsen genug Geld verdienen können. Kommt die Konjunktur ins Stottern, hat das unmittelbare Auswirkungen auf das Kreditgeschäft der Banken: Die Nachfrage sinkt und bei bereits vergebenen Krediten steigen die Ausfälle. Gleichzeitig werden die Notenbanken die Zinsen – wichtig für die Margen der Banken – weiter niedrig halten, um die Konjunktur zu stützen.

„Der Sektor bekommt fundamentalen Gegenwind, der sich wahrscheinlich nicht so bald legen wird“, konstatieren die Analysten von Berenberg. Der niederländische Notenbank-Gouverneur Klaas Knot sagte in der vergangenen Woche, er halte einstellige Renditen für realistisch und angemessen für die Bankenbranche. Für viele Investoren, die jahrelang zweistellige Werte gewohnt waren, ist das eine Enttäuschung.

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Die Deutsche Bank verlor seit Jahresbeginn bereits 32 Prozent. Der Branchenprimus hatte die Investoren Ende Januar mit einem Milliardenverlust geschockt. Grund waren neben Abschreibungen und hohen Rechtskosten auch Schwächen im Tagesgeschäft.

Weil die Bank mitten in einer teuren Restrukturierung steckt, fürchten die Investoren eine weitere Kapitalerhöhung. Am Montag warnten die Analysten von Creditsight, dass die Bank zwar noch genug Reserven habe, 2016 die Zinsen für so genannte CoCo-Bonds zu zahlen, 2017 könnte es aber kritisch werden. Die Ausfallabsicherung für diese nachrangigen Anleihen hat sich sich seit Jahresende mehr als verdoppelt und erreichte mit 438 Basispunkten ein Vierjahreshoch.

Die Deutsche Bank versucht die Investoren nach dem dramatischen Absturz ihrer Aktie zu beruhigen. Das Geldhaus erklärte, es habe rund eine Milliarde Euro zur Verfügung, um die Zinszahlung von rund 0,35 Milliarden Euro am 30. April 2016 zu leisten. Für 2017 stünden ohne Berücksichtigung des operativen Ergebnisses 2016 geschätzt rund 4,3 Milliarden Euro zur Verfügung. So werde unter anderem der Verkauf der 19,99-prozentigen Beteiligung an der Hua Xia Bank einen positiven Effekt von rund 1,6 Milliarden Euro haben. Zudem stünden rund 1,9 Milliarden Euro an Reserven zur Verfügung, um gegebenenfalls zukünftig auftretende Verluste zu kompensieren.

Mit Material von Reuters.

Das Geschäftsjahr 2015 der Deutschen Bank (II)

Erträge aus Corporate Banking & Securities

14,2 Milliarden Euro.

Erträge aus Private & Business Clients

8,9 Milliarden Euro (nach Wertminderung von 0,7 Milliarden Euro auf die Beteiligung der Huaxia Bank).

Erträge aus Global Transaction Banking

4,6 Milliarden Euro.

Erträge aus Deutsche Asset & Wealth Management

5,4 Milliarden Euro.

Wertminderung auf Geschäfts- oder Firmenwert

5,8 Milliarden Euro.

Aufwendungen für Rechtsstreitigkeiten

5,2 Milliarden Euro.

Restrukturierung/Abfindungen

1,0 Milliarden Euro.

Von

dlm

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