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26.03.2012

12:39 Uhr

Deutsche Bank

Unmut der Sittenwächter

VonTino Andresen

ExklusivDie Deutsche Bank kommt im Zuge des Führungswechsels nicht zur Ruhe und macht eine Negativschlagzeile nach der anderen. Das stößt auf massive Kritik von Experten für gute Unternehmensführung und Aktionärsvertretern.

Anshu Jain hat schon vor seinem Amtsantritt als Co-Chef der Deutschen Bank für Ärger gesorgt. dpa

Anshu Jain hat schon vor seinem Amtsantritt als Co-Chef der Deutschen Bank für Ärger gesorgt.

DüsseldorfEs sollte der große Wurf werden: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann tritt auf dem Höhepunkt seines Erfolgs ab und zwei erfahrene Top-Manager übernehmen. Doch der Umbau der Führung von Deutschlands größter Bank droht zum Image-Problem zu werden.

Corporate-Governance-Experte Marcus Lutter etwa kritisiert heftig, wie der Führungswechsel bei der Deutschen Bank abläuft. „Angefangen vom Fehlschlag beim gescheiterten Wechsel Josef Ackermanns an die Aufsichtsratsspitze bis hin zum Wegschießen eines vorgesehenen Vorstandsmitglieds durch die Finanzaufsicht ist eine ungewöhnlich schlechte Führung der Bank zu konstatieren“, sagt der Leiter des Zentrums für Europäisches Wirtschaftsrecht an der Universität Bonn im Gespräch mit Handelsblatt Online. Die schlimmste Folge betrifft laut Lutter den designierten Risikochef Stuart Lewis: „Er wird in jeder Zeitung als zweite Wahl bezeichnet.“

Auch Michael Adams kritisiert im Gespräch mit Handelsblatt Online, wie die Besetzung des „heikelsten Jobs“ bei der Deutschen Bank vonstatten ging: „Das war ein übler Fehler von Anshu Jain, der nicht passieren darf und schon gar nicht öffentlich.“ Der designierte Co-Chef von Deutschlands größtem Geldhaus hätte nach Ansicht des Professors für Wirtschaftsrecht an der Universität Hamburg diskret bei der Finanzaufsicht Bafin vorfühlen müssen, ob diese seinen Kandidaten für das Amt des Risikochefs akzeptiert.

Doch das unterließ er offensichtlich. Postwendend machte die Behörde Jains Plan zunichte, seinen langjährigen Getreuen William Broeksmit, als Risikochef zu installieren. Dem US-Amerikaner fehle die nötige Führungserfahrung.

Anlegeranwalt Klaus Nieding, der die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) vertritt, fragt sich, weshalb der scheidende Risikochef Hugo Bänziger nun ausgerechnet seinem bisherigen Stellvertreter Lewis weichen muss. „Möglicherweise tut der Verlust von Bänziger der Deutschen Bank irgendwann noch leid“, sagt er im Gespräch mit Handelsblatt Online. Ackermanns Landsmann schreiben viele zu, dass die Deutsche Bank als ein Gewinner aus der Finanzkrise hervorgegangen ist.

Kommentare (3)

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Moika

26.03.2012, 13:35 Uhr

Na ja, die "zweite Wahl" ist eben überall billiger als die Erste.

Jain fehlt einfach das Fingerspitzengefühl dafür, was dem Hause gut tut und was nicht. Das aber trennt den fähigen Unternehmer von den Graupen - wobei ich die Graupen keineswegs beleidigen möchte.

Abgesehen davon bleibt Anshu Jain der Glücksritter, der er immer war. Aktionäre des Hauses DB sollten sich lieber jetzt schon nach seriösen Alternativen umsehen. Ich will Ackermann ja auch nichts unterstellen - aber vielleicht ist Jain ja nur seine Rache an uns blöden Deutschen, die seine "Fähigkeiten" nie richtig würdigen wollten....

Alfred_Neumann

26.03.2012, 14:48 Uhr

Ein Risikovorstand muss das Stehvermögen haben, sich auch mächtig unbeliebt zu machen. Deshalb ist das Vertrauen des Leiters des investmentbanking eher eine Negativqualifikation für eine solche Funktion. Es kann ersty recht nicht angehen, dass ein Investmentbanker als neuer Chef, sich seinen Schosshund als Kontrolle aussucht und den altgestandenen Risikovorstand ausschaltet, der sicherlich entscheidend dazu beigetragen hat, dass die Bank doch recht gut durch all' die Krisen hindurchgekommen ist. Es handelt sich gerade um den entscheidenden Sicherheitsmechanismus bei der heute immer unübersichtlichen Risikosteuerung und -beurteilung globaler Banken. Von Herstatt über Lehman, IKB, Hypo Real Estate, BayernLB bis hin zu Oppenheim sind Bankenkatastrophen durchweg durch Investmentbanker verursacht worden, denen kein adaequates Risk management gegenüber stand.

Voltaire

26.03.2012, 15:47 Uhr

Die Deutsche Bank (DB) ist alles andere als gut aufgestellt. Wer sich die Bilanz im Jahresbericht 2011 anschaut (http://www.deutsche-bank.de/ir/de/content/berichte_2011.htm), wird sehr schnell erkennen, dass die DB im letzten Geschäftsjahr abgewirtschaftet hat.

Das ist schon daran erkennbar, dass die Eigenkapitalquote gegenüber dem Fremdkapital weiter abgenommen hat.

Verbindlichkeiten 2010: 1.855.262 Mio. EUR
Verbindlichkeiten 2011: 2.109.443 Mio. EUR

Dem stehen folgende "Den Deutsche-Bank-Aktionären zurechenbares Eigenkapital" gegenüber:

EK 2010: 48.815 Mio. EUR --> EK-Quote 2,63 %
EK 2011: 53.390 Mio. EUR --> EK-Quote 2,53 %

Selbst unter Berücksichtigung des "Eigenkapitals einschließlich Anteile ohne beherrschenden Einfluss" nahme die EK-Quote ab:

EK 2010: 50.368 Mio. EUR --> EK-Quote 2,71 %
EK 2011: 54.660 Mio. EUR --> EK-Quote 2,59 %

Bei der Jahreshauptversammlung wird man die Aktionäre wieder über die geschönten Zahlen der s. g. "Tier-1 Kapitalquote" bzw. "Tier-1 Kernkapitalquote" unterrichten -

DIE DEUTSCHE BANK HAT FERTIG!

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