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13.11.2015

14:19 Uhr

Deutsche Bank

„Unsere Bank ist nicht das Reich des Bösen“

VonLaura de la Motte

Der Finanzvorstand von Deutschlands größtem Geldhaus spricht in Dortmund über seine Vorstands-Ambitionen. Er will mehr über die Fortschritte der Bank reden, während Co-Chef John Cryan bisher zuerst immer tief stapelt.

„Wir brauchen mindestens ein Jahrzehnt“

Markus Schenck spricht Klartext

„Wir brauchen mindestens ein Jahrzehnt“: Markus Schenck spricht Klartext

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DortmundOb er sich den Job leichter vorgestellt hat, wird Marcus Schenck, seit Juni Finanzvorstand der Deutschen Bank, gleich zu Beginn auf der Konferenz „On the record“ der TU Dortmund am Freitag gefragt. Kein Wunder, der amtierende Co-Chef John Cryan, der seit Juli im Amt ist, wiederholt seit Monaten, in welch desolatem Zustand sich Deutschlands größtes Geldhaus befindet. Riesige Ineffizienzen, unkalkulierbare Rechtrisiken und eine hoffnungslos veraltete IT seien die Hauptprobleme.

Schenck, graue Halbglatze, rosa Krawatte zum dunkelblauen Anzug, sitzt in der Lounge des Signal Iduna Parks, der Heimat des Bundesligisten Borussia Dortmund und lächelt die Sorgen weg. „Es war ja kein Geheimnis, dass die Deutsche Bank durch eine schwierige Zeit geht“, sagt er. Es gebe Probleme, wo er keine erwartet hätte, aber auch den umgekehrten Fall, bleibt er im Ungefähren. Die Frage, was das denn für unerwartete Probleme wären, kontert er elegant, er könne sagen, was gut laufe. Erste Lacher im Publikum.

Juristische Baustellen der Deutschen Bank

Die Skandalbank

Zahlreiche Skandale haben den Ruf der Deutschen Bank in den vergangenen Jahren beschädigt. Das Institut musste für frühere Verfehlungen seit 2012 bereits rund zwölf Milliarden Euro zahlen, und die Liste der offenen Rechtsstreitigkeiten ist noch lang. Der neue Konzern-Chef John Cryan stellt sich darauf ein, dass die juristischen Altlasten die Bank noch lange beschäftigten werden. Derzeit hat die Bank dafür 4,8 Milliarden Euro zur Seite gelegt. Ein Überblick über die bedrohlichsten Fälle:

Russland

In der Moskauer Handelssparte soll es bis vor kurzem unsaubere Geschäfte gegeben haben. Die Ermittlungen könnten große Sprengkraft haben. So haben US-Behörden laut „Financial Times“ ihre Untersuchungen ausgeweitet und gehen nun auch dem Verdacht auf Verstöße gegen die aktuellen politischen Sanktionen nach. Bislang ging es vor allem um mögliche Geldwäsche. Das Gesamtvolumen verdächtiger Geschäfte soll bei sechs Milliarden Dollar liegen. Die Bank hat in diesem Zusammenhang einige Mitarbeiter suspendiert.

Embargos

Die USA gingen bei Sanktionsvergehen zuletzt wenig zimperlich mit Finanzkonzernen um. Die BNP Paribas bekam für Verstöße gegen US-Sanktionen bei Geschäften mit Staaten wie dem Iran eine Zahlung von umgerechnet knapp neun Milliarden Dollar aufgebrummt. Die Deutsche Bank wartet wegen ähnlicher Vorwürfe noch auf einen Einigung mit den US-Behörden.

Hypotheken

Die US-Behörden gehen wegen krummer Hypothekengeschäfte aus Zeiten vor der Finanzkrise weiter hart gegen Banken vor. Während die US-Institute inzwischen den größten Teil der Verfahren gegen hohe Milliardenzahlungen ausräumen konnten, laufen die Ermittlungen zur Rolle der Deutschen Bank noch.

Libor und Euribor

Über Jahre manipulierten Mitarbeiter mehrerer Großbanken die wichtigen Referenzzinsen für das Geldgeschäft der Banken untereinander. Auch einige Deutsche-Bank-Mitarbeiter machten mit. Ende 2013 brummte die EU-Kommission dem deutschen Branchenprimus deshalb eine Strafe von 725 Millionen Euro auf. Im April 2015 legten die Behörden in den USA und Großbritannien nach: Dort muss die Bank die Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar zahlen. Es laufen noch Zivilverfahren, bei denen Unternehmen und Privatleuten Schadenersatz durchsetzen wollen.

Devisen und Rohstoffe

Weltweit laufen Ermittlungen wegen mutmaßlicher Manipulationen wichtiger Kennzahlen - von Devisenkursen bis hin zu Preisen von Gold und Silber. Zu diesen Themen sind in den USA Sammelklagen anhängig, in denen auch die Deutsche Bank Beklagte ist.

Kirch

Die im Februar 2014 vereinbarte 925-Millionen-Euro-Zahlung an die Kirch-Erben sollte das Kapitel um die Mitverantwortung der Bank für die Pleite des Medienkonzerns 2002 endlich abschließen. Doch die Münchner Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen Co-Chef Jürgen Fitschen und vier ehemalige Topmanager des Frankfurter Geldhauses. Sie wirft den Bankern versuchten Prozessbetrug vor: Die Manager sollen im Zivilverfahren um Kirchs Schadenersatzforderungen versucht haben, die Richter zu täuschen, um Zahlungen der Bank zu verhindern. Die Angeklagten bestreiten dies, seit Ende April läuft der Prozess.

Als der Moderator zum dritten Mal ausholt, wie schlimm es der Deutschen Bank doch geht und fragt, ob Schenck sich nicht fühle, als würde er Wasser den Berg hochschieben, wiederspricht Schenck deutlich. Es gebe jeden Tag kleine Fortschritte. „Wir müssen in eine Periode kommen, in der wir bei aller Transparenz auch wieder hervorheben, was gut läuft“, sagt der Deutschbanker.
Die Bank sei bei ihren Kunden beliebt und gehöre zu einem der umsatzstärksten Geldhäuser. Es sei richtig, dass wegen der hohen Kosten vor allem für Rechtsstreitigkeiten am Ende zu wenig übrigbleibe. „Aber in diesem Haus ist nicht alles schlecht“, so Schenck. Auch Cryan hatte zuletzt, die Stärken der Bank herausgehoben, aber die Schwächen nahmen einen deutlich größeren Raum ein.
Dem schlechten Image in der Öffentlichkeit hält Schenck entgegen: „Die Deutsche Bank ist nicht das Reich des Bösen“. Natürlich seien in der Vergangenheit Dinge schief gegangen. Aber die Mitarbeiter seien nach wie vor stolz. „Keiner kommt ins Büro geschlichen und will dabei nicht erkannt werden“, hat Schenck bemerkt.

Deutsche Bank Quartalsergebnis: Ein Milliardenverlust als Wegbereiter

Deutsche Bank Quartalsergebnis

Ein Milliardenverlust als Wegbereiter

Das erste vollständige Quartal unter der Führung von Co-Chef John Cryan endet unter dem Strich mit einem riesigen Minus. Der Brite legt damit das Fundament für einen Neuanfang bei der Bank. Mit drastischen Auswirkungen.

Der 50-jährige Schwabe, der dialektfrei Hochdeutsch spricht, meistert seinen ersten alleinigen Auftritt als Deutschbanker souverän und deutet bei der Gelegenheit an, dass noch mehr in ihm steckt. Obwohl Finanzvorstände normalerweise wenig mit dem operativen Geschäft zu tun habe, hätte er die Chance auch auf der Kundenseite aktiv zu sein „und das bin ich auch“. Wenn der zweite Co-Chef Jürgen Fitschen im kommenden Mai die Bank verlässt, hinterlässt er eine Lücke als Mister Germany, der den Kontakt zur deutschen Industrie hält. Wird vielleicht Schenck diese Lücke füllen?

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