Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.04.2015

17:46 Uhr

Deutsche Bank

Vergleich im Libor-Skandal steht bevor

Im Skandal um Zinsmanipulationen seht die Deutsche Bank vor dem Abschluss eines milliardenschweren Vergleichs. Angeblich soll er bereits am Donnerstag bekanntgegeben werden. Andere Rechtsstreitigkeiten schwelen weiter.

Der Konzern rechnet mit einer Milliardenstrafe und hat entsprechend hohe Rückstellungen gebildet. dpa

Der Konzern rechnet mit einer Milliardenstrafe und hat entsprechend hohe Rückstellungen gebildet.

FrankfurtDie Deutsche Bank kann die größte Altlast unter ihren zahllosen Rechtsstreitigkeiten womöglich schon in Kürze zu den Akten legen. Der seit langem erwartete milliardenschwere Vergleich mit den angelsächsischen Regulierern im Skandal um Zinsmanipulationen solle bereits an diesem Donnerstag bekanntgegeben werden, sagten zwei mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Die Deutsche Bank wollte sich zu dem Termin nicht äußern, betonte jedoch: „Wir setzen unsere Zusammenarbeit mit den in dieser Angelegenheit zuständigen Behörden fort.“ Insider hatten zuletzt berichtet, die Strafe der Behörden in Großbritannien und den USA könne sich auf über 1,5 Milliarden Dollar belaufen.

In den Zinsskandal sind Banken rund um den Globus verstrickt. Nach Erkenntnissen von Regulierern hatten sich einzelne Händler bei wichtigen Referenzzinsen wie Libor und Euribor abgesprochen, um Handelsgewinne einzustreichen. An solchen Zinssätzen hängen weltweit Geschäfte von Hunderten Billionen Dollar. Etliche Institute haben in den vergangenen Jahren Vergleiche mit verschiedenen Instanzen geschlossen. Von der EU-Kommission war die Deutsche Bank bereits Ende 2013 zu einer Strafe von 725 Millionen Euro verdonnert worden.

Auch die deutsche Finanzaufsicht BaFin hat sich die Zinstricksereien beim Branchenprimus genauer angeschaut. Sie ging insbesondere der Frage nach, ob Manager – etwa der langjährige Chef-Investmentbanker und heutige Co-Vorstandschef Anshu Jain – davon wussten und diese womöglich duldeten. Dieser Verdacht erhärtete sich bislang nicht, wie die Ermittler wiederholt durchblicken ließen. Der Abschlussbericht der BaFin steht aber noch aus, er wird im Mai oder Juni erwartet.

Modelle für die Zukunft der Deutschen Bank

Modell 1

Weiter so wie bisher mit allen Produkten für alle Kunden. Vollintegration der Postbank in den Konzern. Wahrscheinlichkeit: sehr gering.

Modell 2

Verkauf oder IPO der Postbank und des BHW-Bauspargeschäfts. Die für den Verschuldungsgrad relevante Bilanzsumme würde im Investmentbanking um 195 Milliarden und im Retailbereich um 140 Milliarden Euro sinken. Wahrscheinlichkeit: mittel bis hoch.

Modelle 3 und 4

Fokus auf Kunden bzw. Länder. Optionen mit vielen Nachteilen. Wahrscheinlichkeit: null.

Modell 5

Abgespalten wird das inländische und europäische Privatkundengeschäft, inklusive der Postbank (400 Milliarden Bilanzsumme). Die neue Deutsche Bank ist dann eine Unternehmerbank mit Investmentbanking, Zahlungsverkehr und Vermögensverwaltung. Die Bilanzsumme sinkt um 50 bis 100 Milliarden auf rund eine Billion Euro. Wahrscheinlichkeit: hoch.

Die Verhandlungen der Deutschen Bank mit den angelsächsischen Regulierern zogen sich schon sehr lange hin. Eigentlich hatte das Institut gehofft, das Kapitel bereits im vergangenen Jahr schließen zu können. Doch weil viele verschiedene Behörden eingebunden sind, ging die Rechnung nicht auf. Reuters hatte bereits im Oktober erfahren, dass die Bank in der Libor-Affäre mit einer Milliardenstrafe rechnet und entsprechend hohe Rückstellungen gebildet hat.

Viele andere Rechtsstreitigkeiten schwelen weiter. So ist das Institut auch in den weltweiten Devisenskandal verstrickt. Hier stehen die Ermittlungen noch am Anfang. Zeitnah rechnen die Frankfurter dagegen noch mit einer US-Strafe wegen mutmaßlicher Sanktionsverstöße. Die Commerzbank musste deshalb unlängst knapp 1,5 Milliarden Dollar zahlen. Hier standen allerdings auch Geldwäsche-Verfehlungen mit auf der Rechnung. Die Deutsche Bank hält sich Finanzkreisen zufolge zugute, mit letzterem nichts zu tun zu haben. Die Strafe dürfte deshalb etwa halb so hoch ausfallen wie bei der Commerzbank.

Von

rtr

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Esboern Schmidt

21.04.2015, 18:34 Uhr

Schön, daß die Betrüger u. Abzocker der Deutschen Bank, im selbsternannten Rechtstaat Deutschland noch unbehelligt u. frei sich bewegen können u. ihre Managerposten noch inne haben, ohne daß sich unsere demokratischen Gerichte darum kümmern, ist auch nicht so schlimm, wie der Pfandflaschenbetrug einer Arbeiterin.

Herr Konstantin Lewe

22.04.2015, 13:19 Uhr

Weg mit dieser Drecksbank.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×