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31.05.2017

15:20 Uhr

Deutsche Bank

Verkauf von Polen-Geschäft gestartet

Aus Finanzkreisen heißt es, dass sich die Deutsche Bank von ihren Aktivitäten in Polen trennen will. Die polnische Regierung begrüßt das Vorhaben. Potenzielle Käufer gibt es, aber ein tatsächlicher Verkauf ist fraglich.

Das Geldhaus möchte seine komplexe Struktur durch Trennungen von Auslandsmärkten vereinfachen. Reuters

Deutsche Bank

Das Geldhaus möchte seine komplexe Struktur durch Trennungen von Auslandsmärkten vereinfachen.

Warschau/FrankfurtDie Deutsche Bank hat Finanzkreisen zufolge den Startschuss für den Verkauf ihres Polen-Geschäfts gegeben. Das Institut habe Informationen über die Deutsche Bank Polska an potenzielle Käufer verschickt und warte nun auf erste, unverbindliche Angebote, sagte eine mit dem Verkaufsprozess vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Deutschlands größtes Geldhaus könnte durch die Veräußerung nach Einschätzung von Bankern mindestens 400 Millionen Euro einnehmen.

Reuters hatte über die Verkaufspläne bereits im November berichtet. Die Deutsche Bank will mit dem Rückzug aus mehreren Auslandsmärkten ihre komplexe Struktur vereinfachen und ihre Kapitaldecke stärken. Der polnischen Regierung dürfte ein Ausstieg zupasskommen. Sie will die Rolle heimischer Geldhäuser im Bankensektor stärken.

Der Vorstand der Deutschen Bank

Fakten zum Vorstand

Im Oktober 2015 hatte Vorstandschef John Cryan einen Großumbau des Vorstands angekündigt. Viele Änderungen traten zum 1. Januar 2016 in Kraft, im Laufe der Jahre 2016 und 2017 gab es einige Umbesetzungen. Zwei Frauen gehören zum Zirkel, vier Manager sind Deutsche.

John Cryan - Vorstandschef

Der Brite führt seit Juli 2015 die Deutsche Bank. An seiner Seite agierte bis Mai 2016 noch Jürgen Fitschen als Co-Vorstandschef.

Cryan war zuvor unter anderem Finanzvorstand der Schweizer Großbank UBS.

Marcus Schenck

Bis 2014 arbeitete Schenck für den Energiekonzern Eon und die Investmentbank Goldman Sachs, bevor er als Finanzvorstand zur Deutschen Bank wechselte. Er behielt beim großen Umbau im Herbst 2015 seinen Posten und wurde im März zum Stellvertreter Cryans gewählt. Er leitet nun das Unternehmens- und Investmentbanking.

Christian Sewing

Zweiter stellvertretender Vorstandsvorsitzender ist Christian Sewing. Er sitzt seit Jahresbeginn 2015 im Vorstand. Nachdem er sich zunächst um die zahlreichen Rechtsstreitigkeiten der Bank kümmerte, übernahm er im Sommer 2015 die Leitung des Privatkundengeschäfts und damit auch die Verantwortung für die Postbank. Die Position Sewings wurde weiter gestärkt, weil sein Bereich auch die Betreuung von sehr reichen Kunden übernahm.

James von Moltke

James von Moltke, früher Treasury-Chef der US-Bank Citigroup, ist neuer Chief Financial Officer.

Kim Hammonds

Die langjährige Boeing-Managerin bringt als Technologiechefin die Informationssysteme der Bank auf Vordermann. Sie hatte zunächst als Generalbevollmächtigte begonnen und rückte im August 2016 in den Vorstand.

Stuart Lewis

Der Brite war bereits vor dem großen Umbau im Jahr 2015 Risikovorstand – und ist es geblieben.

Sylvie Matherat

Die Französin war seit gut einem Jahr bei der Bank, bevor sie im Oktober 2015 in den Vorstand einzog. Sie kümmert sich um die Bereiche Regulierung, gute Unternehmensführung und Kampf gegen Finanzkriminalität.

Nicolas Moreau

Der Franzose blickt auf eine mehr als 25-jährige Karriere beim französischen Versicherungskonzern Axa zurück, wo er zuletzt das Frankreich-Geschäft leitete. Zum 1. Oktober 2016: Wechsel in den Vorstand der Deutschen Bank mit der Zuständigkeit für die Vermögensverwaltung (Deutsche Asset Management). Sein Sitz: London.

Garth Ritchie

Der britische Manager leitete vor seiner Bestellung in den Vorstand 2016 das Aktiengeschäft in London. Gemeinsam mit Marcus Schenck verantwortet er den Unternehmensbereich Unternehmens- und Investmentbank.

Karl von Rohr

Der Deutsche übernahm ab Oktober 2015 die Verantwortung für die Rechtsstreitigkeiten und das Personal. Vorher war er für das Management der globalen Regionen der Bank zuständig.

Werner Steinmüller

Der Banker arbeitet seit 1991 für das Institut und führte seit 2004 die Transaktionsbank, die etwa Zahlungsdienstleistungen und Handelsfinanzierungen anbietet.

1. August 2016: Aufstieg zum Vorstand für das Asien-Geschäft mit Sitz in Hongkong.

Deutsche Bank Polska ist die zwölftgrößte Bank Polens. Ihr machen die niedrigen Zinsen, der harte Wettbewerb und die Bankenabgabe in dem Land zu schaffen. Als potenzielle Käufer gelten Bankern zufolge die Commerzbank-Tochter mBank, die Santander-Tochter BZ WBK und die polnische Sparte des portugiesischen Instituts BCP. Alle genannten Banken wollten sich nicht äußern oder waren nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Ob ein Verkauf der Deutschen Bank Polska am Ende gelingt, steht in den Sternen. Für kleinere Institute in Polen sei es immer schwieriger, mit großen, staatlich gelenkten Instituten mitzuhalten, sagten mehrere mit dem Prozess vertraute Personen. Zudem hat die Deutsche Bank Polska viele Fremdwährungsdarlehen in der Bilanz, überwiegend auf Schweizer Franken und Euro lautende Hypothekenkredite. Diese stehen in der Kritik, weil die Belastungen der Kreditnehmer angesichts des Verfalls des polnischen Zloty wachsen. Die polnische Bankenbehörde fordert, dass ausländische Geldhäuser Fremdwährungskredite auch bei einem Rückzug aus dem Land nicht verkaufen. Einem Insidern zufolge ist es deshalb wahrscheinlich, dass die Deutsche Bank nur ihre in Zloty vergebenen Kredite losschlägt.

Von

rtr

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