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02.02.2012

06:40 Uhr

Deutsche Bank

Wie Foodwatch Ackermann reinlegte

VonOliver Stock

Der Handel mit Rohstoffen ist für Banken ein heikles Thema. Organisationen wie Foodwatch werfen auch der Deutschen Bank vor, den Hunger in der Welt zu befeuern. Ein Brief an Vorstandschef Ackermann wurde zum PR-Desaster.

Der Geschäftsführer von Foodwatch, Thilo Bode. dapd

Der Geschäftsführer von Foodwatch, Thilo Bode.

FrankfurtThilo Bode ist ein Mann, der weiß, wie Kampagnen gehen - als Sohn eines Journalisten, als Chef von Greenpeace, als Gründer der Verbraucherschutz Organisation Foodwatch. Dass er ein promovierter Volkswirt ist, hilft dem 64-Jährigen, ziemlich gut einzuordnen, welcher Markt, weswegen, wie tickt.

Sein gesamtes Können stellt Bode derzeit in einem nach allen Regeln der Kampagnenkunst entfachten Streit mit der Deutschen Bank unter Beweis. Es ist in einem Briefwechsel zwischen Bode und Ackermann dokumentiert, der Handelsblatt Online vorliegt.

Dabei geht es dem Foodwatcher um ein legitimes Anliegen: In den vergangen zwei Jahren sind die Nahrungsmittelpreise um mehr als ein Drittel gestiegen. Diejenigen, die vorher wenig zu essen hatten, sind endgültig vom Hunger bedroht, weil sie sich kein bisschen mehr leisten können. 

Schuld am Anstieg der Nahrungsmittelpreise sind aber nicht die vielen hungrigen Menschen und zu wenig vorhandenes Mehl und Soja und Reis, sondern, so meinen Bode und seine Organisation Foodwatch, jene Händler, die mit Nahrungsmitteln spekulieren, als seien es Zinswetten.

Bode hat deswegen am 19. Oktober des vergangenen Jahres einen Brief an Josef Ackermann geschrieben. "Sie sind Vorsitzender einer der größten Investmentbanken der Welt", schreibt er und erinnert Ackermann an dessen Versprechen, „ökologisch und sozial möglichst verantwortlich zu handeln“. „Doch dieser hehre Anspruch steht bedauerlicher Weise in krassem Gegensatz zum tatsächlichen Agieren der Deutschen Bank“, heißt es in Bodes Brief. Mit Spekulationen auf Nahrungsmitteln bedrohten Investmentbanken das globale Gemeinwohl. „Verzichten Sie darauf“, ruft Bode Ackermann zu.

Einen Tag später, am 20. Oktober, hat sich der so Angesprochene hingesetzt und selbst einen Brief geschrieben. „Sehr geehrter Herr Dr. Bode“, geht dieser los und dann verspricht Ackermann, die Auswirkungen des Rohstoffhandels gründlich zu prüfen. Eine Fachabteilung werde sich „um eine möglichst rasche und detaillierte Antwort bemühen“, versichert Ackermann mit freundlichen Grüßen.

Kommentare (13)

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whisky

02.02.2012, 07:47 Uhr

Plakat der Deutschen Bank
Leiten Sie einen Teil der Spendengelder auf Ihr Konto um. Spekulieren Sie mit Lebensmitteln. Ein Teil der höheren Lebensmittelpreise, die die Spendenorganisationen zahlen müssen, ist für Sie.
Deutsche Bank.
Wir beraten Sie gern.
Ironie off

EDBxx

02.02.2012, 08:07 Uhr

Ist der Artikel von Bode zur eigenen Beweihräucherung verfasst worden, damit mit diesem Pseudoerfolg Spendengelder etwas reichlicher fließen?

LunaL

02.02.2012, 08:14 Uhr

Spekulation mit Lebensmitteln führt - wie jede Spekulation, sofern sie auf eigens Risiko erfolgt - zur frühzeitigen Einpreisung erwarteter Knappheiten. Wenn dadurch Lebensmittelpreise steigen, steigt der Anreiz, Lebensmittel zu produzieren, und die Knappheit in der Zukunft und die Preise sinken (im Vergleich zur Situation ohne Spekulation). Zudem benötigen bspw. Kleinbauern, die sich mit Termingeschäften gegen Preisschwankungen absichern wollen, dringend die Spekulanten, weil ohne Spekulanten weniger Liquidität im Markt wäre, so dass die Bauern dem Risiko ausgesetzt wären, für ihren Terminkontrakt ggf. keinen Käufer oder Verkäufer zu finden, oder nicht sofort oder nur zu schlechteren Konditionen. Nicht die Spekulation ist das Problem, sondern die Frage, ob sie auf eigenes Risiko erfolgt oder Risiken auf Dritte (z.B. Bankenretter/Steuerzahler) abgewälzt werden können.

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