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07.10.2016

15:52 Uhr

Deutsche Bank

Zu viele Freunde sind auch nicht gut

VonMichael Maisch

Eigentlich müsste John Cryan glücklich sein über die vielen Solidaritätsbekundungen der vergangenen Tage. Doch die Sache hat einen Haken: Die Hilfsangebote könnten die entscheidenden Verhandlungen für die Zukunft stören.

Die Unterstützung der deutschen Wirtschaft könnte die Verhandlungsposition der Deutschen Bank entscheidend schwächen. dpa

Deutsche-Bank-Zentrale

Die Unterstützung der deutschen Wirtschaft könnte die Verhandlungsposition der Deutschen Bank entscheidend schwächen.

FrankfurtSeit es der Deutschen Bank schlecht geht, hat sie plötzlich viele Freunde. Die Dax-Konzerne scharen sich um das größte heimische Geldhaus und könnten sich nach Informationen des Handelsblatts im Notfall sogar an einer Kapitalerhöhung beteiligen. Die Nachrichtenagentur Reuters hat gehört, dass auch der größte Aktionär der Bank, die Herrscherfamilie des Scheichtums Katar, bei einer möglichen Kapitalerhöhung mitziehen könnte.

Und dann sind da noch die Investmentbanker, die im Moment jede Menge gute Ideen entwickeln, wie man der Bank helfen könnte – eben mit besagter Kapitalerhöhung oder auch mit einem Börsengang der wertvollen Sparte Asset Management.

Die meisten Analysten halten es inzwischen für ausgemacht, dass die Deutsche Bank noch einmal Milliarden einsammeln muss, um ihre im Vergleich zu vielen Konkurrenten dünne Kapitaldecke aufzufüllen. Eine Kapitalerhöhung könnte nach Schätzungen von Investmentbankern um die fünf Milliarden Euro einbringen. Das ist in etwa das Maximum, bis zu dem das Institut Aktien mit einem Rabatt auf den aktuellen Kurs ausgeben kann, ohne eine neue Genehmigung der Aktionäre einzuholen.

Der Vorstand der Deutschen Bank

Fakten zum Vorstand

Im Oktober 2015 hatte Vorstandschef John Cryan einen Großumbau des Vorstands angekündigt. Viele Änderungen traten zum 1. Januar 2016 in Kraft, im Laufe der Jahre 2016 und 2017 gab es einige Umbesetzungen. Zwei Frauen gehören zum Zirkel, vier Manager sind Deutsche.

John Cryan - Vorstandschef

Der Brite führt seit Juli 2015 die Deutsche Bank. An seiner Seite agierte bis Mai 2016 noch Jürgen Fitschen als Co-Vorstandschef.

Cryan war zuvor unter anderem Finanzvorstand der Schweizer Großbank UBS.

Marcus Schenck

Bis 2014 arbeitete Schenck für den Energiekonzern Eon und die Investmentbank Goldman Sachs, bevor er als Finanzvorstand zur Deutschen Bank wechselte. Er behielt beim großen Umbau im Herbst 2015 seinen Posten und wurde im März zum Stellvertreter Cryans gewählt. Er leitet nun das Unternehmens- und Investmentbanking.

Christian Sewing

Zweiter stellvertretender Vorstandsvorsitzender ist Christian Sewing. Er sitzt seit Jahresbeginn 2015 im Vorstand. Nachdem er sich zunächst um die zahlreichen Rechtsstreitigkeiten der Bank kümmerte, übernahm er im Sommer 2015 die Leitung des Privatkundengeschäfts und damit auch die Verantwortung für die Postbank. Die Position Sewings wurde weiter gestärkt, weil sein Bereich auch die Betreuung von sehr reichen Kunden übernahm.

James von Moltke

James von Moltke, früher Treasury-Chef der US-Bank Citigroup, ist neuer Chief Financial Officer.

Kim Hammonds

Die langjährige Boeing-Managerin bringt als Technologiechefin die Informationssysteme der Bank auf Vordermann. Sie hatte zunächst als Generalbevollmächtigte begonnen und rückte im August 2016 in den Vorstand.

Stuart Lewis

Der Brite war bereits vor dem großen Umbau im Jahr 2015 Risikovorstand – und ist es geblieben.

Sylvie Matherat

Die Französin war seit gut einem Jahr bei der Bank, bevor sie im Oktober 2015 in den Vorstand einzog. Sie kümmert sich um die Bereiche Regulierung, gute Unternehmensführung und Kampf gegen Finanzkriminalität.

Nicolas Moreau

Der Franzose blickt auf eine mehr als 25-jährige Karriere beim französischen Versicherungskonzern Axa zurück, wo er zuletzt das Frankreich-Geschäft leitete. Zum 1. Oktober 2016: Wechsel in den Vorstand der Deutschen Bank mit der Zuständigkeit für die Vermögensverwaltung (Deutsche Asset Management). Sein Sitz: London.

Garth Ritchie

Der britische Manager leitete vor seiner Bestellung in den Vorstand 2016 das Aktiengeschäft in London. Gemeinsam mit Marcus Schenck verantwortet er den Unternehmensbereich Unternehmens- und Investmentbank.

Karl von Rohr

Der Deutsche übernahm ab Oktober 2015 die Verantwortung für die Rechtsstreitigkeiten und das Personal. Vorher war er für das Management der globalen Regionen der Bank zuständig.

Werner Steinmüller

Der Banker arbeitet seit 1991 für das Institut und führte seit 2004 die Transaktionsbank, die etwa Zahlungsdienstleistungen und Handelsfinanzierungen anbietet.

1. August 2016: Aufstieg zum Vorstand für das Asien-Geschäft mit Sitz in Hongkong.

Den Wert des Asset-Managements schätzen Analysten auf acht bis zehn Milliarden Euro. Eine Platzierung von 25 Prozent an der Börse könnte demnach bis zu 2,5 Milliarden Euro einbringen. Und wenn sich das Geldhaus dann noch entschließen würde, die Boni radikal zu kürzen, könnten noch einmal zwei bis drei Milliarden Euro zusammenkommen – Optionen gibt es also genug.

Das Problem dabei: Bislang bleibt Vorstandschef John Cryan offiziell eisern bei seiner Linie, dass die Bank trotz der jüngsten Vertrauenskrise keine frischen Milliarden braucht. Ob Cryan selbst daran glaubt? Auf jeden Fall wird er all die Solidaritätsbekundungen auch mit einem weinenden Auge sehen, selbst wenn sie den schwer ramponierten Aktienkurs steigen lassen. Von einem Tief von 10,90 Euro haben sich die Papiere mittlerweile wieder auf 12,06 Euro erholt.

Doch das macht Cryan nicht uneingeschränkt glücklich: Die Bank steckt in einer prekären Zwickmühle. Auf der einen Seite besteht die Gefahr, dass der Absturz an den Märkten in eine Vertrauenskrise eskaliert. Auf der anderen Seite aber darf die Bank, auch wenn das nach den heftigen Turbulenzen der vergangenen Tage und Wochen absurd erscheinen mag, auch nicht kerngesund erscheinen.

Grund: Das Geldhaus arbeitet gerade mit Hochdruck an einem milliardenschweren Vergleich mit den US-Behörden für dubiose Immobiliendeals. Kommt die Strafe auch nur in die Nähe der angesetzten 14-Milliarden-Dollar-Marke, mit der das Washingtoner Justizministerium die Verhandlungen eröffnete, hat die Bank ein echtes Problem, weil ihre Rückstellungen für alle Rechtsstreitigkeiten nur bei 5,5 Milliarden Euro liegen. Und genau diese Differenz ist der unmittelbare Auslöser für den Ausverkauf der Aktie.

John Cryan weiß genau, dass er nicht nur eine möglichst schnelle, sondern auch eine möglichst günstige Lösung mit den US-Behörden erreichen muss, wenn er der Bank eine echte Atempause und Raum zum Manövrieren verschaffen will.

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In der Krise springen hiesige Großkonzerne der Deutschen Bank zur Seite: Führende Manager der deutschen Industrie haben bereits eine Beteiligung an dem Institut diskutiert, sollte das Geldhaus frisches Kapital benötigen.

All die Hilfsangebote der vergangenen Tage signalisieren den Amerikanern aber, dass die arme Deutsche Bank vielleicht doch gar nicht so arm ist und sich durchaus ohne größere Probleme noch ein paar Milliarden besorgen könnte. Genau das aber könnte die Strafe am Ende in die Höhe treiben und die tiefste Krise in der Geschichte des Frankfurter Geldhauses noch einmal verschärfen.

Vor dem hoffentlich schnellen Abschluss der aktuellen Vergleichsverhandlungen in den USA wird sich Cryan deshalb wohl nur im absoluten Notfall für eine Kapitalerhöhung oder den Verkauf von Teilen der Bank entscheiden. Und danach droht ja noch eine weitere potenziell hohe Strafe wegen der Geldwäscheaffäre, in die die Bank in Russland verwickelt war.

Eigentlich müssten die Frankfurter auch noch die Beilegung dieses Skandals abwarten. Danach aber werden wohl alle Freunde der Bank reichlich Gelegenheit haben, ihre Solidarität mit dem wichtigsten deutschen Geldhaus zu beweisen.

Kommentare (6)

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Herr Tom Schmidt

07.10.2016, 17:13 Uhr

Danke für diesen Artikel und die dort genannten Zahlen. Rechtzeitig vor dem Wochenende hat die Deutsche Bundesbank den neuen Target 2-Saldo veröffentlicht! (wenn auch noch nicht in die Zeitreihen integriert.) Nur mal so zum Vergleich:

Im September sind die Target 2 Salden von 677,5 Mrd € auf 715,7 Mrd. € angestiegen. Das ist ein plus von 38,2 Mrd in einem Monat!!! Wir nähern uns also sehr schnell dem Maximum der Target-Salden während der Finanzkrise!

Irgendetwas funktioniert hier also nicht im System, und zwar etwas sehr viel gravierenderes als ein Tippfehler bei einer Verkaufsorder für britische Pfund, die nach 15 Minuten wieder vorbei ist!

Das wäre ein Thema für Wirtschaftspresse!!!!

Account gelöscht!

07.10.2016, 17:19 Uhr

Stimmt nicht. Die einzige Spielregel die es gibt, sind keine Kinder. Ansonsten ist meine Herzdame (inzw. sogar Verlobte) absolut gleichberechtigt. Und wird nach der Uni als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten. Wenn ich mit spätestens Mitte 40 mit dem Börsenzeugs aufhöre, und als GT3 -Fahrer im selbst finanzierten Team in der VLN mit einem R8 LMSultra teilnehme.

Account gelöscht!

07.10.2016, 17:19 Uhr

Bin nur 2x im Jahr in der Domstadt. Im Frühjahr zur FIBO, da der Kolibri als Sportwissenschaftlerin nach dem Uniabschluss als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten wird, und wir uns dort weitergehende Expertise holen. Und im Sommer zu den Kölner Lichter wegen des geilen Feuerwerks am Rhein. Außerdem hatte ich mal dort eine City-Immobilie im Townhaus-Stil, die ich aber dieses Jahr verkauft habe.

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