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26.10.2014

13:56 Uhr

Deutsche Banken nach dem Stresstest

Mit einem blauen Auge davongekommen

Fast alle deutschen Banken haben den Stresstest der EZB bestanden, einige sogar souverän. Zwar liegen ein paar Institute nur knapp über den Anforderungen der EZB, doch auch die Wackelkandidaten nehmen alle Hürden.

Ruhe in den Bankentürmen - die deutschen Institute haben sich im Stresstest als relativ solide erwiesen. dpa

Ruhe in den Bankentürmen - die deutschen Institute haben sich im Stresstest als relativ solide erwiesen.

Frankfurt/DüsseldorfNach dem Stresstest atmet die deutsche Finanzbranche auf. „Alle Teilnehmer stehen solide da“, kommentierte Bafin-Präsidentin Elke König das Ergebnis in einer ersten Stellungnahme. Von den 24 deutschen Banken, die am Stresstest teilgenommen haben, ist am Ende nur eine durchgefallen – die Münchener Hypothekenbank.

Dort war man nach Bekanntgabe der Ergebnisse bemüht, das Durchfallen ins rechte Licht zu rücken. „Kapitalausstattung und erfreulicher Geschäftsverlauf stimmen uns sehr zuversichtlich für die Zukunft“, betonte Vorstandssprecher Louis Hagen. Die Münchener hatten ihre Kapitalbasis zum 30. September bereits um 415 Millionen Euro gestärkt. Da dieses Geld im Stresstest noch nicht berücksichtigt wurde und man heute über eine ausreichende harte Kernkapitalquote verfügt, ist das Stresstest-Ergebnis kein Drama für die Münchener. Zusätzlicher Kapitalisierungsbedarf besteht derzeit nicht.

Auch bei anderen Wackelkandidaten aus Deutschland ist der Stresstest glimpflich ausgegangen. Die HSH Nordbank, die einige Marktbeobachter wegen ihrer Schiffskredite als besonders gefährdet sahen, landet im Krisenszenario der EZB bei einer harten Eigenkapitalquote von 6,1 Prozent – und damit über der verlangten Mindestquote von 5,5 Prozent. Grund dafür ist vor allem eine Garantie der Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein, die  im Sommer 2013 von sieben auf zehn Milliarden Euro aufgestockt wurde.

Nur knapp über den Anforderungen der EZB landete auch die genossenschaftliche DZ Bank, die im Krisenszenario bei 6,0 Prozent landete. Auch dort gibt man sich gelassen. Mit der nicht berücksichtigten Kapitalerhöhung aus dem Sommer 2014 hätte die harte Eigenkapitalquote bei soliden 11,9 Prozent gelegen.

Die drei Stufen der EZB-Bankenprüfung

1. Stufe

Risikobewertung
In einem ersten Schritt prüft die EZB die Risiken in den Bankbilanzen. Dabei schaut sie auf die kurzfristig zur Verfügung stehenden Mittel (Liquidität), die Verschuldung und die Refinanzierung der Bank.

2. Stufe

Asset Quality Review
Im zweiten Schritt schaut sich die EZB mit einem einheitlichen Bewertungsmaßstab etwa für faule Kredite die Bestandteile der Bilanzposten an. Auf dieser Basis wird beurteilt, ob etwa ausreichende Rückstellungen gebildet worden sind. Dabei sind acht Prozent hartes Kernkapital als Zielquote vorgegeben – Banken, die darunter liegen, sollen voraussichtlich auf staatliche Auffangmechanismen zurückgreifen müssen.

3. Stufe

Stresstest
Als letzter Schritt vollzieht die EZB einen Stresstest: Wie reagieren die Bankbilanzen auf gewisse Risikoszenarien? Die Details für den Stresstest sind noch nicht bekannt. Alle drei Schritte sollen bis November 2014 vollzogen sein, wenn die EZB offiziell die Aufsichtsfunktion übernimmt.

Ähnlich gut sieht das Ergebnis der beiden größten deutschen Geldinstitute aus: Die Commerzbank erreichte im Szenario eine Kernkapitalquote von 8,0 Prozent. Die Deutsche Bank landet im simulierten Krisenszenario bei 8,8 Prozent. Von Jahresbeginn bis Ende September hatten die deutschen  Institute zusätzliches hartes Eigenkapital von 14,4 Milliarden Euro Eigenkapital aufgenommen, das in den Szenarien der EZB noch nicht berücksichtigt wird. 

Auch nach der Bilanzprüfung, dem so genannten Asset Quality Review (AQR), besteht bei den untersuchten deutschen Banken kaum Wertberichtigungsbedarf. Nur 0,3 Prozent der risikogewichteten Aktiva musste in den Bilanzen angepasst werden. Für die Prüfung hatte die EZB in Deutschland 18.000 Kreditakten und 15.000 Sicherheiten geprüft.

Entsprechend zufrieden gibt man sich beim deutschen Bankenverband. Das europäische Finanzsystem sei durch die Tests „deutlich stabiler geworden“, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, Michael Kemmer. „Allein die deutschen Banken haben seit dem vergangenen Jahr ihre Eigenkapitalpuffer um einen zweistelligen Milliardenbetrag aufgestockt.“ Es sei das Ziel erreicht worden, „sämtliche nationale Altlasten“ offenzulegen, bevor die Europäische Zentralbank die Bankenaufsicht übernehme.

Diese Banken sind beim Stresstest durchgefallen

Monte dei Paschi di Siena (Italien)

Harte Kernkapitalquote heute: 10,2 Prozent. Kapitalbedarf: 2,11 Milliarden Euro.

Eurobank (Griechenland)

Harte Kernkapitalquote heute: 10,6 Prozent. Kapitalbedarf: 1,76 Milliarden Euro.

National Bank of Greece (Griechenland)

Harte Kernkapitalquote heute: 10,7 Prozent. Kapitalbedarf: 0,93 Milliarden Euro.

Banca Carige (Italien)

Harte Kernkapitalquote heute: 5,2 Prozent. Kapitalbedarf: 0,81 Milliarden Euro.

Cooperative Central Bank (Zypern)

Harte Kernkapitalquote heute: -3,7 Prozent. Kapitalbedarf: 0,00 Milliarden Euro.

Banco Comercial Portugues (Portugal)

Harte Kernkapitalquote heute: 12,2 Prozent. Kapitalbedarf: 1,15 Milliarden Euro.

Bank of Cyprus (Zypern)

Harte Kernkapitalquote heute: 10,4 Prozent. Kapitalbedarf: 0,00 Milliarden Euro.

Österreichischer Volksbanken-Verbund (Österreich)

Harte Kernkapitalquote heute: 11,5 Prozent. Kapitalbedarf: 0,86 Milliarden Euro.

permanent tsb (Irland)

Harte Kernkapitalquote heute: 13,1 Prozent. Kapitalbedarf: 0,85 Milliarden Euro.

Veneto Banca (Italien)

Harte Kernkapitalquote heute: 7,3 Prozent. Kapitalbedarf: 0,00 Milliarden Euro.

Banco Popolare (Italien)

Harte Kernkapitalquote heute: 10,1 Prozent. Kapitalbedarf: 0,00 Milliarden Euro.

Banco Popolare di Milano (Italien)

Harte Kernkapitalquote heute: 7,3 Prozent. Kapitalbedarf: 0,17 Milliarden Euro.

Banco Popolare di Vicenza (Italien)

Harte Kernkapitalquote heute: 9,4 Prozent. Kapitalbedarf: 0,22 Milliarden Euro.

Piraeus Bank (Griechenland)

Harte Kernkapitalquote heute: 13,7 Prozent. Kapitalbedarf: 0,00 Milliarden Euro.

Credito Valtellinese (Italien)

Harte Kernkapitalquote heute: 8,8 Prozent. Kapitalbedarf: 0,00 Milliarden Euro.

Dexia (Belgien)

Harte Kernkapitalquote heute: 16,4 Prozent. Kapitalbedarf: 0,34 Milliarden Euro.

Banca Popolare die Sondrio (Italien)

Harte Kernkapitalquote heute: 8,2 Prozent. Kapitalbedarf: 0,00 Milliarden Euro.

Hellenic Bank (Zypern)

Harte Kernkapitalquote heute: 7,6 Prozent. Kapitalbedarf: 0,18 Milliarden Euro.

Münchener Hypothekenbank (Deutschland)

Harte Kernkapitalquote heute: 6,9 Prozent. Kapitalbedarf: 0,00 Milliarden Euro.

AXA Bank Europe (Belgien)

Harte Kernkapitalquote heute: 15,2 Prozent. Kapitalbedarf: 0,00 Milliarden Euro.

Caisse de Refinancement de l'Habitat (Frankreich)

Harte Kernkapitalquote heute: 5,7 Prozent. Kapitalbedarf: 0,00 Milliarden Euro.

Banca Popolare dell'Emilia Romagna (Italien)

Harte Kernkapitalquote heute: 9,2 Prozent. Kapitalbedarf: 0,00 Milliarden Euro.

Nova Ljubljanska banka (Slowenien)

Harte Kernkapitalquote heute: 16,1 Prozent. Kapitalbedarf: 0,03 Milliarden Euro.

Liberbank (Spanien)

Harte Kernkapitalquote heute: 8,7 Prozent. Kapitalbedarf: 0,00 Milliarden Euro.

Nova Kreditma Banka Maribor (Slowenien)

Harte Kernkapitalquote heute: 19,6 Prozent. Kapitalbedarf: 0,03 Milliarden Euro.

Von

bay

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