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06.07.2015

11:35 Uhr

Deutsche Banken und das „Nein“ zum Referendum

„Griechenland sollte jetzt aus dem Euro ausscheiden“

Das griechische Volk hat die Sparauflage der Gläubiger abgelehnt. Droht nun der Grexit? Ja, meinen viele Banken-Volkswirte. Sie halten den Ausstieg aus dem Euro für besser als einen faulen Kompromiss.

Klare Worte vom Sparkassenlobbyisten. dpa

Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes

Klare Worte vom Sparkassenlobbyisten.

BerlinDie griechische Regierung glaubt, mit dem gewonnenen Referendum eine Grundlage für neue Verhandlungen gelegt zu haben. Das ist für den Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), Georg Fahrenschon, ein Irrglaube. "Mit dem 'Nein' hat sich das griechische Volk gegen die Grundlagen und Regeln eines einheitlichen Währungsraums ausgesprochen. Konsequenterweise sollte Griechenland jetzt aus der Euro-Währungsgemeinschaft ausscheiden“, fordert Fahrenschon.

++ Liveblog zur Griechenland-Krise ++: Unionspolitiker lehnen weitere Verhandlungen ab

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Unionspolitiker lehnen weitere Verhandlungen ab

Das griechische „Nein“ löst eine Woche der Krisensitzungen aus. Stimmen rund um den Globus appellieren an die Regierung in Athen. In Deutschland sprechen sich Unionspolitiker entschieden gegen weitere Verhandlungen aus.

So deutlich reagieren nicht alle Bankenvertreter. Sie operieren lieber mit Wahrscheinlichkeiten. Für die Volkswirte der Deutschen Bank ist klar, dass sich mit dem Ergebnis der Volksabstimmung die Wahrscheinlichkeit eines Euro-Austritts Griechenlands „materiell erhöht“ hat. Das sieht die italienische Großbank Unicredit ähnlich.

Der Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) sprach nach dem Referendum von einem „schwarzen Tag“ für Europa. „Die Entscheidung des griechischen Volkes gegen weitere Verhandlungen mit den Geldgebern rüttelt am europäischen Fundament“, erklärte Hauptgeschäftsführerin Liane Buchholz. „Nun kommt es auf die Politik an, rasch eine Entscheidung über weitere Verhandlungen mit Griechenland zu treffen.“ Denn ohne Aussicht auf Verhandlungen dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) auch bald die gewährten Notkredite (ELA) an die griechischen Banken einstellen, was faktisch den irreversiblen Ausschluss Griechenlands aus der Währungsunion zur Folge hätte.

Doch noch ist die letzte Messe nicht gesungen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande haben für den morgigen Dienstag einen Sondergipfel der Euro-Zone vorgeschlagen. Dort dürfte man sich auf die nächste Etappe in den Verhandlungen mit der griechischen Regierung verständigen. Wie die Griechen im Euro gehalten werden können, wenn sie sich gegen Reformauflagen wehren, bleibt jedoch das große Geheimnis.

Kommentare (8)

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Herr Friedrich Kunz

06.07.2015, 11:27 Uhr

Die Banker haben immer noch nicht begriffen wie EU-Politiker ticken. Denen geht der Hintern auf Grundeis, sollte GR aus dem EURO ausscheiden. Denn das ist der Anfang vom Ende der EU! Und wo bekommt man sonst noch derart lukrative Jobs? Tsipras hat fast schon gewonnen in diesem Poker. Jetzt braucht er nur noch den Schuldenschnitt. Und den bekommt er mit an Sicherheit grenzender Warscheinlichkeit.

Herr Renatus Isenberg

06.07.2015, 11:29 Uhr

Wie viele Demokraten war ich auch für einen Austritt GR aus dem Euro. Nachdem aber offenbar ist, dass es nicht GR Schuld war, in den Euro einzutreten und ausserdem von den USA wegen der strategischen Lage Griechenlands gepampert wurde, ist es klar, was die EU für eklatante demokratische Schwächen hat.
Wenn es möglich ist mehrere nicht demokratisch legitimerte Institutionen in der EU zu unterhalten, der Bürger keinen Einfluss auf das EU Parlament und dessen Führer hat, die uns die Gurken vorschreiben und die Glühbirnen verbieten, dann hat die neue griechische Regierung uns Europäer und Deutsche insbesondere die Augen geöffnet. Die angeblich soliden europäischen demokratischen Führer sollen zur Veranwortung gezogen werden für die Konstruktionsfehler des EU Vertrages. Es ist nicht tragbar, dass sich ein Präsident Schulz hinstellt und öffentlich im TV Lügen über die GR Kredite verbreiten kann.
Aus diesem Grund bin ich für ein Verbleiben GR im Euro bis der EU Vertrag neu geschrieben sein wird.

Herr Oliver Klima

06.07.2015, 11:42 Uhr

Auf dieser Basis des Referendums werden die Griechen nur leider weiteres Geld verbrennen. Die Cash-Burn-Rate war schon in den letzten Monaten astronomisch.

Wer jedenfalls eine Wahl mit dieser Bedeutung abhält, nur um eine Verhandlungsposition zu erhöhen, der hat einfach die Dimension nicht erkannt. Die Griechen müssen lernen, dass sie selbst für ihr Schicksal verantwortlich sind.

Es hat einfach keinen Sinn, gutem Geld schlechtes Geld hinterherzuwerfen. Vielleicht ergibt sich später mal eine reale Chance mit den Griechen vernünftig über eine Finanzierung notwendiger Strukturreformen zu reden.

Jetzt bitte sollen sie das Nein so behandeln was es bedeutet, nämlich einem Nein zu einem Rettungspaket. Es kann nicht sein, dass Griechenland Wahlen abhält, nur um Druck aufzubauen. Das ist weder vernünftig, noch zielführend und soll auch ganz offensichtlich unser Geld kosten.

Und wenn wir dann ein neues Rettungspaket schnüren, sollen die Griechen dann wieder darüber abstimmen, oder dann auch die Italiener, die Spanier oder Portugiesen?

So nicht!

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