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24.03.2017

22:53 Uhr

Deutsche Börse-Finanzchef

Gregor Pottmeyer bekommt Vertrag verlängert

Deutschlands größter Börsenbetreiber hat den Vertrag mit Finanzchef Gregor Pottmeyer um fünf Jahre verlängert. In den turbulenten Zeiten nach der gescheiterten Fusion mit LSE setzt der Konzern auf Beständigkeit.

Gregor Pottmeyer (Mitte) und zwischen dem aktuellen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Börse, Carsten Kengeter, und seinem Vorgänger Reto Francioni. Pottmeyer soll fünf weitere Jahre Finanzvorstand bleiben. dpa

Deutsche Börse-Führungskräfte

Gregor Pottmeyer (Mitte) und zwischen dem aktuellen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Börse, Carsten Kengeter, und seinem Vorgänger Reto Francioni. Pottmeyer soll fünf weitere Jahre Finanzvorstand bleiben.

FrankfurtBei der Deutschen Börse herrscht nach dem Scheitern der Fusion mit der London Stock Exchange (LSE) große Unruhe. Den Vertrag mit Finanzchef Gregor Pottmeyer hat das Unternehmen stillschweigend um fünf Jahre verlängert, bei seinem Vorstandskollegen Jeffrey Tessler stehen die Zeichen dagegen auf Abschied. In der Belegschaft gibt es große Sorgen, weil Pottmeyer die Führungskräften des Unternehmens zu Kosteneinsparungen aufgerufen hat. Obendrein steht Deutschlands größter Börsenbetreiber im operativen Geschäft unter Druck, weil sich viele Investoren wegen der Unsicherheit an den Märkten im Handel zurückhalten.

Reuters-Informationen zufolge will die EU-Kommission die LSE-Fusion in den kommenden Tagen offiziell untersagen, möglicherweise am 29. März. Viele Mitarbeiter fürchten, dass der Vorstand nun die Daumenschrauben anziehen wird, um die Kosten für den geplatzten Zusammenschluss zumindest teilweise zu kompensieren. Laut "Süddeutscher Zeitung" will Pottmeyer kurzfristig einen zweistelligen Millionen-Betrag einsparen.

Diese Fusionspläne der Deutschen Börse sind gescheitert

17. Juli 2000

Die Deutsche Börse präsentiert einen Plan für die Gründung de iX international exchange zusammen mit der Londoner LSE. Die beiden Partner hoffen, mit der paneuropäischen Handelsplattform weitere Börsenbetreiber mit ins Boot zu holen. Das Projekt scheitert allerdings an mangelnder Unterstützung.

Sommer 2003

Der damalige Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, trifft sich mit Euronext-Chef Francois Theodore. Die Gespräche über eine Fusion werden allerdings beendet, nachdem sich beide Seiten nicht über die Bewertung ihrer Häuser einig werden.

Frühling 2004

Seifert und Theodore nehmen ein weiteres Mal Kontakt auf. Ein Zwist über die Besetzung der Führungspositionen lässt sie abermals ergebnislos auseinandergehen.

August 2004

Die Schweizer Börse SWX lehnt Pläne der Deutschen Börse für eine Fusion, faktisch eine Übernahme, ab.

13. Dezember 2004

Die Deutsche Börse veröffentlicht ein Übernahmeangebot für die LSE über knapp zwei Milliarden Euro, das 2005 am Widerstand des Hedgefonds und Deutsche-Börse-Aktionärs TCI scheitert.

21. Februar 2006

Der neue Börsenchef Reto Francioni legt ein vorläufiges Fusionsangebot für die Pariser Euronext vor und facht damit ein Konsolidierungsfieber in der Branche an.

19. Mai 2006

Die Deutsche Börse dient Euronext-Chef Theodore die Führung eines vereinten Unternehmens an, besteht allerdings auf Frankfurt als Hauptsitz. Auch der Großteil des Managements sollte am Main angesiedelt sein.

Juni 2006

Die Deutsche Börse unterbreitet der Euronext einen überarbeiteten Fusionsvorschlag. Die Frankfurter geben in der Hauptquartiersfrage nach, doch der Vorstoß kommt zu spät: Die Euronext schließt sich mit der NYSE zusammen.

Dezember 2008

Deutsche Börse und NYSE Euronext loten eine Fusion aus. Die Pläne werden vorzeitig bekannt und scheitern.

April 2011

Die Börse wagt einen weiteren Versuch, mit der Nyse Euronext als Partner eine neue Größenordnung zu erreichen. Die US-Börsen Nasdaq OMX und ICE wollen die Fusion mit einer Gegenofferte für die Nyse torpedieren.

Februar 2012

Der Traum Francionis platzt erneut. Die EU-Kommission untersagt die Milliardenfusion mit der Nyse Euronext aus schwerwiegenden wettbewerbsrechtlichen Bedenken. Die EU fürchtet vor allem ein weltweites Monopol im Handel mit europäischen Finanzderivaten.

Februar 2016

Die Deutsche Börse und die Londoner Börse machen nach Marktgerüchten Pläne für einen Zusammenschluss öffentlich.

März 2016

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) sind handelseinig und streben eine Fusion auf Augenhöhe an.

März 2017

Die EU-Kommission untersagt den milliardenschweren Deal, weil er auf dem Markt zur Abwicklung festverzinslicher Finanzinstrumente „ein De-Facto-Monopol“ geschaffen hätte.

Die härtere Gangart wurde diese Woche bei einer Vorstandssitzung deutlich, wie Insider berichten. Dabei sei unter anderem der Vorschlag abgelehnt worden, ein "Liaison-Büro" in Wiesbaden zu eröffnen, um den Kontakt zur hessischen Landespolitik zu pflegen. Auch der Ausbau der Berliner Repräsentanz der Deutschen Börse und ein kostspieliger Umbau der Kommunikationsabteilung sei nicht bewilligt worden. In vielen Geschäftsbereichen gebe es zudem einen Einstellungsstopp. Die Deutsche Börse wollte sich dazu nicht äußern.

Investoren finden die Herangehensweise richtig. "Kosten sind bei Börsen immer ein Thema", sagt einer größten 20 Aktionäre des Unternehmens. "Es ist richtig, dass Herr Pottmeyer das fortlaufend im Blick hat." Der Aufsichtsrat hat dem Finanzchef bereits vor einiger Zeit den Rücken gestärkt. Sein Vertrag sei bis 2022 verlängert worden, sagte ein Firmensprecher nun und bestätigte damit Informationen der Nachrichtenagentur Reuters.

Fusion vor dem Aus: Deutsche Börse tritt auf Kostenbremse

Fusion vor dem Aus

Deutsche Börse tritt auf Kostenbremse

Das erwartete Scheitern der Fusion mit der London Stock Exchange zwingt die Deutsche Börse zum Sparen. Es werde Kürzungen in zweistelliger Millionenhöhe und ein Einstellungsstopp geben, heißt es aus Finanzkreisen.

Pottmeyer hat den Großteil seiner Karriere beim Autobauer Daimler verbracht, wo er zuletzt Finanzvorstand der Mercedes Benz Bank war. 2009 wechselte er dann in gleicher Funktion zur Deutschen Börse. Anfangs wurde er beim Frankfurter Unternehmen von manchem als ehemaliger Automanager kritisch beäugt, doch inzwischen genießt der 54-jährige Saarländer intern wie extern einen guten Ruf. "Er hat seine Abteilung im Griff", sagt eine mit der Vertragsverlängerung vertraute Person. "Er ist zu einer wichtigen Konstante geworden." Pottmeyers Verbleib sei auch deshalb wichtig, weil im Vorstand der Deutschen Börse in den kommenden Jahren einige Wechsel anstünden.

Der Vertrag von Jeffrey Tessler läuft beispielsweise Ende des Jahres aus. Der 62-jährige Amerikaner ist für das Derivate-, Abwicklungs- und Wertpapierverwahrgeschäft verantwortlich. Diese Sparte fährt bei der Deutschen Börse den Löwenanteil der Erträge ein. In der Firmenzentrale in Eschborn bei Frankfurt gehen die meisten Verantwortlichen davon aus, dass Tessler keine Vertragsverlängerung mehr anstreben und in Ruhestand gehen wird. Intern hat er mehrfach durchblicken lassen, dass er gerne mehr Zeit mit seinen Enkelkinder in den USA verbringen würde. Auch der Vertrag des stellvertretenden Vorstandschefs Andreas Preuß, der im Juni 61 wird, läuft nur noch bis Mai 2018.

Von

rtr

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