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02.03.2016

08:34 Uhr

Deutsche Börse und LSE

„Es geht nicht um einen Ausverkauf“

Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter kämpft weiter für eine Fusion mit der London Stock Exchange. Ein Zusammenschluss werde auch dem Finanzstandort Frankfurt nützen, betonte er jetzt in einem Interview.

Deutsche-Börse-Chef wirbt für eine Fusion mit der LSE. dpa

Carsten Kengeter

Deutsche-Börse-Chef wirbt für eine Fusion mit der LSE.

FrankfurtDeutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter wirbt für die Fusion mit der Londoner Börse und will Sorgen um die Zukunft des Finanzplatzes Frankfurt zerstreuen. „Die Fusion, so wie wir sie andenken, wird Frankfurt nützen und nicht schaden“, sagte Kengeter der „Börsen-Zeitung“ (Mittwochausgabe). „Es geht nicht um einen Ausverkauf“. Er sei sicher, die Skeptiker zu überzeugen, sobald er die Pläne für die neue Börse detailliert vorstellen könne.

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange verhandeln derzeit die Einzelheiten der gut 25 Milliarden Euro schweren Fusion. Fest steht bereits, dass die Mega-Börse ihren Sitz in London haben soll. Unterhalb der Holding bleiben beide Unternehmen erhalten, das gleiche gilt für die Hauptquartiere und die Börsennotierungen in Frankfurt und London. Manager und Politiker haben aber dennoch Sorgen, dass auf lange Sicht zu viele Entscheidungskompetenzen nach London abwandern könnten.

Diese Fusionspläne der Deutschen Börse sind gescheitert

17. Juli 2000

Die Deutsche Börse präsentiert einen Plan für die Gründung de iX international exchange zusammen mit der Londoner LSE. Die beiden Partner hoffen, mit der paneuropäischen Handelsplattform weitere Börsenbetreiber mit ins Boot zu holen. Das Projekt scheitert allerdings an mangelnder Unterstützung.

Sommer 2003

Der damalige Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, trifft sich mit Euronext-Chef Francois Theodore. Die Gespräche über eine Fusion werden allerdings beendet, nachdem sich beide Seiten nicht über die Bewertung ihrer Häuser einig werden.

Frühling 2004

Seifert und Theodore nehmen ein weiteres Mal Kontakt auf. Ein Zwist über die Besetzung der Führungspositionen lässt sie abermals ergebnislos auseinandergehen.

August 2004

Die Schweizer Börse SWX lehnt Pläne der Deutschen Börse für eine Fusion, faktisch eine Übernahme, ab.

13. Dezember 2004

Die Deutsche Börse veröffentlicht ein Übernahmeangebot für die LSE über knapp zwei Milliarden Euro, das 2005 am Widerstand des Hedgefonds und Deutsche-Börse-Aktionärs TCI scheitert.

21. Februar 2006

Der neue Börsenchef Reto Francioni legt ein vorläufiges Fusionsangebot für die Pariser Euronext vor und facht damit ein Konsolidierungsfieber in der Branche an.

19. Mai 2006

Die Deutsche Börse dient Euronext-Chef Theodore die Führung eines vereinten Unternehmens an, besteht allerdings auf Frankfurt als Hauptsitz. Auch der Großteil des Managements sollte am Main angesiedelt sein.

Juni 2006

Die Deutsche Börse unterbreitet der Euronext einen überarbeiteten Fusionsvorschlag. Die Frankfurter geben in der Hauptquartiersfrage nach, doch der Vorstoß kommt zu spät: Die Euronext schließt sich mit der NYSE zusammen.

Dezember 2008

Deutsche Börse und NYSE Euronext loten eine Fusion aus. Die Pläne werden vorzeitig bekannt und scheitern.

April 2011

Die Börse wagt einen weiteren Versuch, mit der Nyse Euronext als Partner eine neue Größenordnung zu erreichen. Die US-Börsen Nasdaq OMX und ICE wollen die Fusion mit einer Gegenofferte für die Nyse torpedieren.

Februar 2012

Der Traum Francionis platzt erneut. Die EU-Kommission untersagt die Milliardenfusion mit der Nyse Euronext aus schwerwiegenden wettbewerbsrechtlichen Bedenken. Die EU fürchtet vor allem ein weltweites Monopol im Handel mit europäischen Finanzderivaten.

Februar 2016

Die Deutsche Börse und die Londoner Börse machen nach Marktgerüchten Pläne für einen Zusammenschluss öffentlich.

März 2016

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) sind handelseinig und streben eine Fusion auf Augenhöhe an.

März 2017

Die EU-Kommission untersagt den milliardenschweren Deal, weil er auf dem Markt zur Abwicklung festverzinslicher Finanzinstrumente „ein De-Facto-Monopol“ geschaffen hätte.

Welche Zentralfunktionen in Frankfurt erhalten bleiben, könne er aus rechtlichen Gründen noch nicht sagen, sagte Kengeter. „Aber es werden sich die jeweiligen Stärken der Unternehmen und der beiden Finanzplätze widerspiegeln.“ Eine Nähe zur Bundesbank und zur Europäischen Zentralbank, die beide ihren Sitz in Frankfurt haben, sei „extrem wichtig“.

Deutsche und ICE Börse wollen LSE: Kampf um Londons Kronjuwel

Deutsche und ICE Börse wollen LSE

Kampf um Londons Kronjuwel

Der amerikanische Börsenriese ICE könnte die Fusionspläne von Deutscher Börse und London Stock Exchange torpedieren. Eine Investmentbank ist angeheuert, um den Deutschen das Leben schwer zu machen.

Die Börsenfusion könnte noch von den Wettbewerbshütern und amerikanischen Konkurrenten torpediert werden. Der US-Börsenbetreiber ICE prüft eine Gegenofferte, auch die Chicago Mercantile Exchange (CME) könnte noch auf den Plan treten. Er sei zuversichtlich, dass die Aktionäre der Fusion zustimmen werden, sagte Kengeter. „Mit den deutlichen Kurssprüngen am Tag des Bekanntwerdens hat der Markt ein deutliches Vertrauensvotum für die Logik des Zusammenschlusses gegeben“. Im vergangenen Jahr habe die Deutsche-Börse-Aktie deutlich an Wert aufgeholt. „Die Deutsche-Börse-Aktionäre sollten den Charme dieses Merger of Equals und die Gunst der Stunde erkennen“, warb Kengeter.

Deutsche Börse und London SE: Frankreich meldet Bedenken an Fusionsplänen an

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Frankreich meldet Bedenken an Fusionsplänen an

In Frankreich regt sich Widerstand gegen den geplanten Zusammenschluss der Börsen in Frankfurt und London. Wirtschaftsminister Emmanuel Macron macht sich Sorgen um den Finanzplatz Paris.

Der Manager zeigte sich zuversichtlich, auch die Wettbewerbshüter, die 2012 die Fusion von Deutscher Börse und NYSE Euronext untersagt hatten, von dem Zusammenschluss zu überzeugen. Es entstünden keine Wettbewerbsbeschränkungen. „Denn zum einen gibt es in Europa mehr Wettbewerber; auch US-Anbieter sind vertreten. Und zum anderen liegen die Vorteile aus dem Zusammengehen ja vor allem bei den Kunden.“

Von

rtr

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