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04.03.2016

09:46 Uhr

Deutsche Börse und LSE

EU-Kommissar Oettinger begrüßt Fusionspläne

EU-Kommissar Günther Oettinger hält einen Zusammenschluss von Deutscher Börse und London Stock Exchange generell für sinnvoll. Auf Dauer seien beide Börse alleine tendenziell zu klein.

Der EU-Kommissar hält eine Fusion der Börsenbetreiber für sinnvoll. dpa

Günter Oettinger

Der EU-Kommissar hält eine Fusion der Börsenbetreiber für sinnvoll.

DüsseldorfEU-Kommissar Günther Oettinger hat die Pläne einer Fusion der Deutschen Börse mit der London Stock Exchange (LSE) grundsätzlich begrüßt. Es lägen zwar noch keine belastbaren Zahlen vor, sagte Oettinger am Donnerstagabend am Rande einer Veranstaltung der Atlantik-Brücke in Düsseldorf.

„Wichtig ist, im Bereich der Börsen haben wir eine globale Entwicklung und die beiden Börsen sind je alleine auf Dauer tendenziell zu klein.“ Die EU-Kommission werde die Pläne sicher gründlich prüfen. Es sei aber richtig, dass da Bewegung drin ist. „Wir haben unsere Regeln. Wir haben unsere Spielräume. Und im Rahmen der Spielräume hoffe ich auf eine wohlwollende Begleitung.“

Deutsche Börse und LSE hatten in der vergangenen Woche angekündigt, zum mit Abstand größten Börsenbetreiber Europas verschmelzen zu wollen. Die EU-Kommission muss die Pläne prüfen. Dafür ist EU-Digitalkommissar Oettinger allerdings nicht zuständig, sondern die Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager.

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Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange wollen fusionieren – und brauchen einen neuen Namen. Ein sensibles Thema, wissen die Beteiligten. Schon bei einem anderen geplanten Börsenzusammenschluss gab es Streit.

Der frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg hat sich im Amt als EU-Kommissar für Digitales mit Blick auf den globalen Wettbewerb mehrfach für eine stärkere Konsolidierung in der Telekombranche eingesetzt. Deutsche Börse und LSE wären gut 25 Milliarden Euro wert und könnten Wettbewerbern aus den USA und Asien besser Paroli bieten.

Diese Fusionspläne der Deutschen Börse sind gescheitert

17. Juli 2000

Die Deutsche Börse präsentiert einen Plan für die Gründung de iX international exchange zusammen mit der Londoner LSE. Die beiden Partner hoffen, mit der paneuropäischen Handelsplattform weitere Börsenbetreiber mit ins Boot zu holen. Das Projekt scheitert allerdings an mangelnder Unterstützung.

Sommer 2003

Der damalige Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, trifft sich mit Euronext-Chef Francois Theodore. Die Gespräche über eine Fusion werden allerdings beendet, nachdem sich beide Seiten nicht über die Bewertung ihrer Häuser einig werden.

Frühling 2004

Seifert und Theodore nehmen ein weiteres Mal Kontakt auf. Ein Zwist über die Besetzung der Führungspositionen lässt sie abermals ergebnislos auseinandergehen.

August 2004

Die Schweizer Börse SWX lehnt Pläne der Deutschen Börse für eine Fusion, faktisch eine Übernahme, ab.

13. Dezember 2004

Die Deutsche Börse veröffentlicht ein Übernahmeangebot für die LSE über knapp zwei Milliarden Euro, das 2005 am Widerstand des Hedgefonds und Deutsche-Börse-Aktionärs TCI scheitert.

21. Februar 2006

Der neue Börsenchef Reto Francioni legt ein vorläufiges Fusionsangebot für die Pariser Euronext vor und facht damit ein Konsolidierungsfieber in der Branche an.

19. Mai 2006

Die Deutsche Börse dient Euronext-Chef Theodore die Führung eines vereinten Unternehmens an, besteht allerdings auf Frankfurt als Hauptsitz. Auch der Großteil des Managements sollte am Main angesiedelt sein.

Juni 2006

Die Deutsche Börse unterbreitet der Euronext einen überarbeiteten Fusionsvorschlag. Die Frankfurter geben in der Hauptquartiersfrage nach, doch der Vorstoß kommt zu spät: Die Euronext schließt sich mit der NYSE zusammen.

Dezember 2008

Deutsche Börse und NYSE Euronext loten eine Fusion aus. Die Pläne werden vorzeitig bekannt und scheitern.

April 2011

Die Börse wagt einen weiteren Versuch, mit der Nyse Euronext als Partner eine neue Größenordnung zu erreichen. Die US-Börsen Nasdaq OMX und ICE wollen die Fusion mit einer Gegenofferte für die Nyse torpedieren.

Februar 2012

Der Traum Francionis platzt erneut. Die EU-Kommission untersagt die Milliardenfusion mit der Nyse Euronext aus schwerwiegenden wettbewerbsrechtlichen Bedenken. Die EU fürchtet vor allem ein weltweites Monopol im Handel mit europäischen Finanzderivaten.

Februar 2016

Die Deutsche Börse und die Londoner Börse machen nach Marktgerüchten Pläne für einen Zusammenschluss öffentlich.

März 2016

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) sind handelseinig und streben eine Fusion auf Augenhöhe an.

März 2017

Die EU-Kommission untersagt den milliardenschweren Deal, weil er auf dem Markt zur Abwicklung festverzinslicher Finanzinstrumente „ein De-Facto-Monopol“ geschaffen hätte.

Die US-Konkurrenten ICE und CME denken deshalb darüber nach, den Deal mit einer Gegenofferte für die LSE zu torpedieren. Die Bundesregierung hält sich bislang bedeckt, wie sie zur Fusion von Deutscher Börse und LSE steht. Wichtig ist Politikern aller Parteien, dass der Finanzplatz Frankfurt nicht leidet und dass der Börsenbetrieb weiter von deutschen und europäischen Aufsehern kontrolliert wird.

Von

rtr

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