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26.02.2016

09:29 Uhr

Deutsche Börse und LSE

Europas größte Börse soll in London sitzen

Die Fusionspläne von Deutscher Börse und der London Stock Exchange werden immer konkreter. Der offizielle Sitz soll in der City sein. Ein Ausschuss soll nun die Auswirkung eines „Brexit“ prüfen.

Deutsche Börse und London SE

Deutsche-Börse-Chef wird neue Mega-Börse leiten

Deutsche Börse und London SE: Deutsche-Börse-Chef wird neue Mega-Börse leiten

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Frankfurt am MainDie von Deutsche Börse und London Stock Exchange geplante europäische Mega-Börse soll ihren Sitz in London haben und eine Aktiengesellschaft nach britischem Recht (Plc) sein. Das teilten die beiden fusionswilligen Firmen am Freitag mit. Hauptsitze der Firma sollen London und Frankfurt sein. In beiden Städten soll das Unternehmen auch an der Börse gelistet sein. Geführt werden soll der Konzern von Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter, wie das Handelsblatt bereits berichtete. Chairman soll Donald Brydon werden, der diese Aufgabe aktuell bei der LSE bekleidet. LSE-Chef Xavier Rolet will zurücktreten, sobald die Transaktion vollzogen wird.

Beide Unternehmen setzten darauf, dass die bestehenden regulatorischen und politischen Strukturen der EU in Kraft bleiben. „Die Parteien wissen, dass eine Entscheidung der Wählerschaft von Großbritannien über das Verlassen der Europäischen Union ein Risiko für das Projekt darstellt“, erklärten sie. Sie hätten deshalb einen Referendumsausschuss gebildet. Er soll prüfen, welche Auswirkungen ein „Brexit“ hätte und Empfehlungen erarbeiten, wie die Unternehmen darauf reagieren könnten.

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Die Hürden für die Fusion der Börsen in Frankfurt und London liegen hoch. Ausgerechnet der Zeitpunkt mitten in der Brexit-Debatte ist denkbar ungünstig. Politik und Aufseher verfolgen den möglichen Deal sehr aufmerksam.

Der Chef der Deutschen Börse sieht den geplanten Zusammenschluss indes auch als politisches Statement gegen einen möglichen EU-Austritt Großbritanniens. Es gehe darum, „den europäischen Gedanken, das europäische Projekt durch vorausschauendes Handeln“ zu bestärken. „Das ist das Grundmotiv für diese Transaktion.“ Es sei wichtig, „dass eine europäische Finanzmarktinfrastruktur in Europa bleibt und nicht irgendwo anders landet oder von irgendwo anders bestimmt wird“, sagte Kengeter.

Er ist vom Wert der angestrebten rund 25 Milliarden Euro schweren Fusion mit der Londoner Börse überzeugt – auch für den Finanzplatz Frankfurt. „Mir würde es im Traum nicht einfallen, irgendetwas unter Wert zu verkaufen. Ich glaube, das ist eine faire Angelegenheit sowohl quantitativ als auch qualitativ“, sagte Kengeter am Donnerstag bei einer Veranstaltung des Union International Club am Donnerstag in Frankfurt. „Ich würde diese Gespräche nicht führen, wenn ich nicht davon überzeugt wäre, dass das für den hiesigen Standort und für die Deutsche Börse Gruppe das absolut Beste ist.“

Der letzte Versuch, beide Konzerne zu verschmelzen, scheiterte 2005 am Widerstand des Hedgefonds TCI, der damals maßgeblich an der Deutschen Börse beteiligt war. Zudem gab es in Großbritannien große Vorbehalte, die altehrwürdige Londoner Börse an einen deutschen Konzern zu verkaufen. Dieses mal bemühen sich beide Seite, das Konfliktpotenzial zu minimieren und wichtige Posten und Funktionen möglichst gleichmäßig zu verteilen. London bekommt den Zuschlag für die Holding, dafür wird Kengeter Vorstandschef. Deutsche-Börse-Aufsichtsratschef Joachim Faber soll stellvertretender Chairman werden, LSE-Manager David Warren Finanzchef.

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) hatten nach Marktgerüchten am Dienstag ihre Absicht öffentlich gemacht, zusammenzugehen. Bis spätestens 22. März muss nun nach britischen Vorgaben entweder ein bindendes Angebot gemacht oder der Deal vorerst abgeblasen werden.

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