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12.09.2016

08:36 Uhr

Deutsche Börse und LSE

Finanzminister geht nicht auf Konfrontationskurs

Der hessische Finanzminister deutet Entgegenkommen in der Diskussion um den Standort der europäischen Superbörse aus Deutscher Börse und LSE an. Regulierung und Sitz müsse man auseinanderhalten, sagt Thomas Schäfer.

In Deutschland gibt es viel Kritik am Vorhaben, den Holdingssitz der Börse in London anzusiedeln. dpa

Superbörse

In Deutschland gibt es viel Kritik am Vorhaben, den Holdingssitz der Börse in London anzusiedeln.

FrankfurtTrotz erheblicher Zweifel am Londoner Firmensitz des neuen Gemeinschaftsunternehmens der Deutsche Börse und London Stock Exchange ist die Holding-Struktur für den Genehmigungsprozess der hessischen Landesregierung nicht entscheidend.

„Regulierung und Sitz der Holding muss man auseinanderhalten“, erklärte Hessens Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) im Interview mit Bloomberg News. „Der hessische Wirtschaftsminister wird schlicht nach Recht und Gesetz prüfen.“

Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter wirbt in Deutschland für den Zusammenschluss, um international gegenüber den US-Börsen wettbewerbsfähig zu sein. Mit der geplanten Fusion im Wert von 25 Milliarden Euro soll der größte Börsenbetreiber in Europa entstehen. Kengeter soll das neue Unternehmen führen, die Holding in London angesiedelt und das Tagesgeschäft an ihren bisherigen Standorten in Frankfurt und London unverändert weitergeführt werden.

Diese Fusionspläne der Deutschen Börse sind gescheitert

17. Juli 2000

Die Deutsche Börse präsentiert einen Plan für die Gründung de iX international exchange zusammen mit der Londoner LSE. Die beiden Partner hoffen, mit der paneuropäischen Handelsplattform weitere Börsenbetreiber mit ins Boot zu holen. Das Projekt scheitert allerdings an mangelnder Unterstützung.

Sommer 2003

Der damalige Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, trifft sich mit Euronext-Chef Francois Theodore. Die Gespräche über eine Fusion werden allerdings beendet, nachdem sich beide Seiten nicht über die Bewertung ihrer Häuser einig werden.

Frühling 2004

Seifert und Theodore nehmen ein weiteres Mal Kontakt auf. Ein Zwist über die Besetzung der Führungspositionen lässt sie abermals ergebnislos auseinandergehen.

August 2004

Die Schweizer Börse SWX lehnt Pläne der Deutschen Börse für eine Fusion, faktisch eine Übernahme, ab.

13. Dezember 2004

Die Deutsche Börse veröffentlicht ein Übernahmeangebot für die LSE über knapp zwei Milliarden Euro, das 2005 am Widerstand des Hedgefonds und Deutsche-Börse-Aktionärs TCI scheitert.

21. Februar 2006

Der neue Börsenchef Reto Francioni legt ein vorläufiges Fusionsangebot für die Pariser Euronext vor und facht damit ein Konsolidierungsfieber in der Branche an.

19. Mai 2006

Die Deutsche Börse dient Euronext-Chef Theodore die Führung eines vereinten Unternehmens an, besteht allerdings auf Frankfurt als Hauptsitz. Auch der Großteil des Managements sollte am Main angesiedelt sein.

Juni 2006

Die Deutsche Börse unterbreitet der Euronext einen überarbeiteten Fusionsvorschlag. Die Frankfurter geben in der Hauptquartiersfrage nach, doch der Vorstoß kommt zu spät: Die Euronext schließt sich mit der NYSE zusammen.

Dezember 2008

Deutsche Börse und NYSE Euronext loten eine Fusion aus. Die Pläne werden vorzeitig bekannt und scheitern.

April 2011

Die Börse wagt einen weiteren Versuch, mit der Nyse Euronext als Partner eine neue Größenordnung zu erreichen. Die US-Börsen Nasdaq OMX und ICE wollen die Fusion mit einer Gegenofferte für die Nyse torpedieren.

Februar 2012

Der Traum Francionis platzt erneut. Die EU-Kommission untersagt die Milliardenfusion mit der Nyse Euronext aus schwerwiegenden wettbewerbsrechtlichen Bedenken. Die EU fürchtet vor allem ein weltweites Monopol im Handel mit europäischen Finanzderivaten.

Februar 2016

Die Deutsche Börse und die Londoner Börse machen nach Marktgerüchten Pläne für einen Zusammenschluss öffentlich.

März 2016

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) sind handelseinig und streben eine Fusion auf Augenhöhe an.

März 2017

Die EU-Kommission untersagt den milliardenschweren Deal, weil er auf dem Markt zur Abwicklung festverzinslicher Finanzinstrumente „ein De-Facto-Monopol“ geschaffen hätte.

Ende Juli haben bereits die Aktionäre dem Zusammengehen zugestimmt. Die EU-Kommission und hessische Landesregierung prüfen noch die Fusionspläne. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hatte sich kurz nach Bekanntwerden der Fusion skeptisch zum Sitz der Holding geäußert. Es müsse geklärt werden, „ob das Land seinen Aufsichtspflichten entsprechen kann, wenn der Sitz der Holding in Großbritannien sein soll“.

Die Bedenken bestehen weiter. „Der Sitz der Holding ist immer noch ein Thema und ich glaube, dass die britische Seite noch Zeit braucht, um einzusehen, dass das Modell an dieser Stelle noch eine Veränderung erfahren sollte“, sagte Schäfer. Doch mit Blick auf das anstehende Genehmigungsverfahren stellte der Minister klar, dass man den Sitz der Holding und die börsenrechtliche Genehmigung „sicherlich ein Stück voneinander trennen“ muss.

Trotz Bedenken zur Standortwahl räumt man in der hessischen Landesregierung ein, dass es mit dem Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union einen weiteren guten Grund für die Börsenfusion zwischen London und Frankfurt gibt. „Die Fusionsüberlegungen haben mit und ohne Brexit eine individuelle Logik“, so Schäfer. Ohne Brexit wäre es ein europäisches Bollwerk gegenüber den großen Börsen in den USA und im asiatischen Raum. „Mit Brexit hat eine fusionierte Börse die zusätzliche Komponente einer möglichen Brückenfunktion zwischen Kontinentaleuropa und dem frisch aus der EU ausgeschiedenen Großbritannien - allerdings unter deutlich veränderten Rahmenbedingungen.“

Mit Blick auf das Genehmigungsverfahren mahnte Schäfer somit: „Durch den Brexit wird die zu beurteilende Rechtslage aber sicher nicht weniger komplex als sie ohne das Ausscheiden Großbritannien sowieso gewesen wäre.“

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