Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.03.2016

17:09 Uhr

Deutsche Börse und LSE

„Mir liegt Frankfurt sehr am Herzen“

Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter zeigt sich unbeeindruckt vom Gegenangebot aus den Vereinigten Staaten. Eine Fusion mit der London Stock Exchange würde eine „Liquiditätsbrücke“ zwischen London und Frankfurt schaffen.

Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter lässt sich von einem möglichen Gegenangebot des US-Rivalen Intercontinental Exchange (ICE) für die Londoner Börse nicht beirren. dpa

Carsten Kengeter

Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter lässt sich von einem möglichen Gegenangebot des US-Rivalen Intercontinental Exchange (ICE) für die Londoner Börse nicht beirren.

Frankfurt/HongkongDie Deutsche Börse setzt bei der geplanten Fusion mit der London Stock Exchange (LSE) auf die Unterstützung der Banken. „Die Verbindung der Londoner und Frankfurter Börse würde eine Liquiditätsbrücke schaffen, die das Angebot von Wertpapieren wie auch deren Liquidität deutlich erhöhen wird“, sagte Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter am Mittwoch bei einer Branchenkonferenz in Frankfurt.

Eine Fusion mit London wäre zum Nutzen der Emittenten und aller Marktteilnehmer, sagte Kengeter weiter. „Die Realität sieht so aus, dass sich der Finanzplatz Frankfurt in einem harten globalen Wettbewerb befindet. Und in diesem Wettbewerb ist der Finanzplatz angewiesen auf Bündnisse“.

Vorteile für die Banken werde es vor allem bei der Abwicklung von Derivategeschäften geben, sagte er. Deutsche Börse und LSE wollen es ermöglichen, dass Banken Derivatepositionen auf beiden Seiten des Ärmelkanals miteinander verrechnen können. Damit würde der Bedarf an Sicherheiten, die Geldhäuser für diese Geschäfte hinterlegen müssen, sinken, sagte Kengeter. „Dadurch werden die Marktteilnehmer, unter anderem Banken, erhebliche Kosteneinsparungen erfahren.“

Diese Fusionspläne der Deutschen Börse sind gescheitert

17. Juli 2000

Die Deutsche Börse präsentiert einen Plan für die Gründung de iX international exchange zusammen mit der Londoner LSE. Die beiden Partner hoffen, mit der paneuropäischen Handelsplattform weitere Börsenbetreiber mit ins Boot zu holen. Das Projekt scheitert allerdings an mangelnder Unterstützung.

Sommer 2003

Der damalige Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, trifft sich mit Euronext-Chef Francois Theodore. Die Gespräche über eine Fusion werden allerdings beendet, nachdem sich beide Seiten nicht über die Bewertung ihrer Häuser einig werden.

Frühling 2004

Seifert und Theodore nehmen ein weiteres Mal Kontakt auf. Ein Zwist über die Besetzung der Führungspositionen lässt sie abermals ergebnislos auseinandergehen.

August 2004

Die Schweizer Börse SWX lehnt Pläne der Deutschen Börse für eine Fusion, faktisch eine Übernahme, ab.

13. Dezember 2004

Die Deutsche Börse veröffentlicht ein Übernahmeangebot für die LSE über knapp zwei Milliarden Euro, das 2005 am Widerstand des Hedgefonds und Deutsche-Börse-Aktionärs TCI scheitert.

21. Februar 2006

Der neue Börsenchef Reto Francioni legt ein vorläufiges Fusionsangebot für die Pariser Euronext vor und facht damit ein Konsolidierungsfieber in der Branche an.

19. Mai 2006

Die Deutsche Börse dient Euronext-Chef Theodore die Führung eines vereinten Unternehmens an, besteht allerdings auf Frankfurt als Hauptsitz. Auch der Großteil des Managements sollte am Main angesiedelt sein.

Juni 2006

Die Deutsche Börse unterbreitet der Euronext einen überarbeiteten Fusionsvorschlag. Die Frankfurter geben in der Hauptquartiersfrage nach, doch der Vorstoß kommt zu spät: Die Euronext schließt sich mit der NYSE zusammen.

Dezember 2008

Deutsche Börse und NYSE Euronext loten eine Fusion aus. Die Pläne werden vorzeitig bekannt und scheitern.

April 2011

Die Börse wagt einen weiteren Versuch, mit der Nyse Euronext als Partner eine neue Größenordnung zu erreichen. Die US-Börsen Nasdaq OMX und ICE wollen die Fusion mit einer Gegenofferte für die Nyse torpedieren.

Februar 2012

Der Traum Francionis platzt erneut. Die EU-Kommission untersagt die Milliardenfusion mit der Nyse Euronext aus schwerwiegenden wettbewerbsrechtlichen Bedenken. Die EU fürchtet vor allem ein weltweites Monopol im Handel mit europäischen Finanzderivaten.

Februar 2016

Die Deutsche Börse und die Londoner Börse machen nach Marktgerüchten Pläne für einen Zusammenschluss öffentlich.

März 2016

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) sind handelseinig und streben eine Fusion auf Augenhöhe an.

März 2017

Die EU-Kommission untersagt den milliardenschweren Deal, weil er auf dem Markt zur Abwicklung festverzinslicher Finanzinstrumente „ein De-Facto-Monopol“ geschaffen hätte.

Die zentralen Standorte Frankfurt und London würden in einem Gemeinschaftskonzern „in ihrer rechtlichen, regulatorischen und inhaltlichen Integrität fortgeführt“, versicherte Kengeter. „Mir liegt der Finanzplatz Frankfurt/Rhein-Main sehr am Herzen. Und es ist genau deshalb, dass ich mich in der Pflicht sehe, etwas für diesen Finanzplatz zu tun.“

Die Unterstützung eines Finanzchefs ist ihm schon einmal sicher: Der Deutsche-Bank-Chef John Cryan hat sich für die geplante Fusion der Deutschen Börse mit der London Stock Exchange (LSE) ausgesprochen. Er sei bei dem Thema zwar nicht unvoreingenommen, weil sein Haus die Deutsche Börse berate, sagte Cryan am Mittwoch auf einer Branchenkonferenz in Frankfurt.

Deutsche Börse und LSE: „Es geht nicht um einen Ausverkauf“

Deutsche Börse und LSE

„Es geht nicht um einen Ausverkauf“

Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter kämpft weiter für eine Fusion mit der London Stock Exchange. Ein Zusammenschluss werde auch dem Finanzstandort Frankfurt nützen, betonte er jetzt in einem Interview.

Aber auch aus reiner Kundensicht einer Großbank könne er voller Überzeugung sagen: „Dieser Zusammenschluss ist sehr sinnvoll.“ In der Börsenlandschaft zähle Größe. Die Banken würden von einem schwergewichtigen europäischen Marktbetreiber mit vielfältigem Angebot profitieren.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×