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03.03.2016

11:15 Uhr

Deutsche Börse und LSE

Mit Trick 17 zur Börsenfusion

VonMichael Brächer

Die Deutsche Börse und die LSE heuern momentan so viele Investmentbanken wie möglich an. Damit wollen sie der Konkurrenz ein Gegenangebot so schwer wie möglich machen. Dieser Trick hat sogar einen Spitznamen.

Besen, Besen, sei's gewesen: Hier fegt ein Hausmeister an der New York Stock Exchange. Die Börse gehört zum ICE-Konzern, der über ein Angebot für die Londoner LSE nachdenkt. AFP; Files; Francois Guillot

Weggefegt

Besen, Besen, sei's gewesen: Hier fegt ein Hausmeister an der New York Stock Exchange. Die Börse gehört zum ICE-Konzern, der über ein Angebot für die Londoner LSE nachdenkt.

FrankfurtSchwierige Situationen erfordern kreative Maßnahmen: Die Deutsche Börse und ihr Londoner Pendant London Stock Exchange (LSE) wollen gemeinsam eine europäische Superbörse bilden. Das Problem: Andere Wettbewerber wollen das verhindern. Nun haben beide Börsen die Straßenfeger losgeschickt, um das Problem zu lösen.

Beide Börsen rekrutieren gleich reihenweise Investmentbanken und Berater, damit diese für Konkurrenten ausfallen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Der so genannten „Street Sweep“ (Straßenfegen) gilt als klassisches Abwehrmanöver, um feindliche Übernahmen zu erschweren. Denn wenn die Firmen für die beiden Börsen arbeiten, können sie von den Konkurrenten nicht mehr mandatiert werden.

Diese Fusionspläne der Deutschen Börse sind gescheitert

17. Juli 2000

Die Deutsche Börse präsentiert einen Plan für die Gründung de iX international exchange zusammen mit der Londoner LSE. Die beiden Partner hoffen, mit der paneuropäischen Handelsplattform weitere Börsenbetreiber mit ins Boot zu holen. Das Projekt scheitert allerdings an mangelnder Unterstützung.

Sommer 2003

Der damalige Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, trifft sich mit Euronext-Chef Francois Theodore. Die Gespräche über eine Fusion werden allerdings beendet, nachdem sich beide Seiten nicht über die Bewertung ihrer Häuser einig werden.

Frühling 2004

Seifert und Theodore nehmen ein weiteres Mal Kontakt auf. Ein Zwist über die Besetzung der Führungspositionen lässt sie abermals ergebnislos auseinandergehen.

August 2004

Die Schweizer Börse SWX lehnt Pläne der Deutschen Börse für eine Fusion, faktisch eine Übernahme, ab.

13. Dezember 2004

Die Deutsche Börse veröffentlicht ein Übernahmeangebot für die LSE über knapp zwei Milliarden Euro, das 2005 am Widerstand des Hedgefonds und Deutsche-Börse-Aktionärs TCI scheitert.

21. Februar 2006

Der neue Börsenchef Reto Francioni legt ein vorläufiges Fusionsangebot für die Pariser Euronext vor und facht damit ein Konsolidierungsfieber in der Branche an.

19. Mai 2006

Die Deutsche Börse dient Euronext-Chef Theodore die Führung eines vereinten Unternehmens an, besteht allerdings auf Frankfurt als Hauptsitz. Auch der Großteil des Managements sollte am Main angesiedelt sein.

Juni 2006

Die Deutsche Börse unterbreitet der Euronext einen überarbeiteten Fusionsvorschlag. Die Frankfurter geben in der Hauptquartiersfrage nach, doch der Vorstoß kommt zu spät: Die Euronext schließt sich mit der NYSE zusammen.

Dezember 2008

Deutsche Börse und NYSE Euronext loten eine Fusion aus. Die Pläne werden vorzeitig bekannt und scheitern.

April 2011

Die Börse wagt einen weiteren Versuch, mit der Nyse Euronext als Partner eine neue Größenordnung zu erreichen. Die US-Börsen Nasdaq OMX und ICE wollen die Fusion mit einer Gegenofferte für die Nyse torpedieren.

Februar 2012

Der Traum Francionis platzt erneut. Die EU-Kommission untersagt die Milliardenfusion mit der Nyse Euronext aus schwerwiegenden wettbewerbsrechtlichen Bedenken. Die EU fürchtet vor allem ein weltweites Monopol im Handel mit europäischen Finanzderivaten.

Februar 2016

Die Deutsche Börse und die Londoner Börse machen nach Marktgerüchten Pläne für einen Zusammenschluss öffentlich.

März 2016

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) sind handelseinig und streben eine Fusion auf Augenhöhe an.

März 2017

Die EU-Kommission untersagt den milliardenschweren Deal, weil er auf dem Markt zur Abwicklung festverzinslicher Finanzinstrumente „ein De-Facto-Monopol“ geschaffen hätte.

So sollen Deutsche Börse und LSE laut Insidern beim Who-is-Who der Investmentbanken angeklopft haben: Die LSE, die vom britischen Berater Robey Warshaw betreut wird, soll demnach versuchen, die Großbanken Goldman Sachs, JP Morgan, Royal Bank of Canada, Barclays und Société Général zu rekrutieren. Die Deutsche Börse, die von Perella Weinberg betreut wird, versucht sich an der Deutschen Bank, der Bank of America und der HSBC. Die beiden Börsen und die Banken wollten den Berichte nicht kommentieren.

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