Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.02.2015

18:33 Uhr

Deutsche Pfandbriefbank

HRE-Nachfolgerin nimmt Börse ins Visier

Die Deutsche Pfandbriefbank will wieder an die Börse: Insidern zufolge bereitet die Nachfolgerin der Hypo Real Estate eine Rückkehr auf das Parkett vor. Auch der Verkauf des Institutes sei weiterhin denkbar.

Die Hypo Real Estate wollte nach der Finanzkrise mit der pbb einen Neuanfang wagen. dpa

Kugelschreiber der Deutsche Pfandbriefbank

Die Hypo Real Estate wollte nach der Finanzkrise mit der pbb einen Neuanfang wagen.

FrankfurtSechs Jahre nach der Notverstaatlichung der Hypo Real Estate (HRE) bereitet ihr Nachfolgeinstitut Finanzkreisen zufolge eine Rückkehr an die Börse vor. Die Deutsche Pfandbriefbank (pbb) habe diverse Banken eingeladen, ein Angebot für die Organisation des Börsengangs zu unterbreiten, sagten vier mit dem Vorgang vertraute Personen am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. „Ich erwarte, dass bald eine Entscheidung fällt, wer das Mandat bekommt“, sagte ein Banker.

Neben dem pbb-Berater Citigroup habe die Deutsche Bank die besten Karten. Ein anderer Insider sagte, neben einem Börsengang sei weiterhin auch ein Verkauf der pbb denkbar. Die pbb wollte sich dazu nicht äußern, von der Deutschen Bank war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Die HRE stand in der Finanzkrise vor dem Aus und konnte nur dank staatlicher Hilfen von zeitweise mehr als 100 Milliarden Euro gerettet werden. Die gefährlichsten Wertpapiere und Kredite wurden an die „Bad Bank“ FMS Wertmanagement ausgelagert, um mit der pbb einen Neuanfang zu wagen. Der Immobilienfinanzierer muss auf Drängen der EU bis Ende des Jahres verkauft oder an die Börse gebracht werden.

Das Erbe der Hypo Real Estate

Die Hypo Real Estate (HRE) hat wie kaum eine andere deutsche Bank das Bild der weltweiten Finanzkrise hierzulande geprägt. Die Münchner Immobilienbank, vor der Rettung durch den Staat ein eher heimlicher Star der obersten Börsenliga Dax, feilt unter neuem Namen an ihrer Zukunft. Die Risiken verwalten inzwischen andere. Fragen und Antworten zum Zustand der HRE und ihrer Altlasten.

Was ist die HRE?

Die Hypo Real Estate ist eine Immobilienbank. Solche Banken verdienen ihr Geld mit der Finanzierung von Bauprojekten. Sie leihen etwa Firmen Geld, die beispielsweise ein Einkaufszentrum bauen. Das Kapital beschafft sich die Bank dann etwa über die Ausgabe von Anleihen, leiht es sich also bei Investoren. Die HRE, nach einer wechselvollen Vorgeschichte als Abspaltung der Münchner Hypo-Vereinsbank entstanden, galt vor der Finanzkrise als solides Unternehmen. Die Aktie war ab 2005 im Dax notiert. 2007 übernahm die HRE die irische Depfa für fast 5,7 Milliarden Euro. Der Großeinkauf sollte der HRE den Zugang zu staatlichen Projekten verschaffen. Die Freude über das Geschäft währte allerdings nur kurz.

Was ging schief?

Banken brauchen für ihr Alltagsgeschäft kurzfristig viel Geld, das sie sich etwa bei anderen Banken auf dem sogenannten Interbankenmarkt leihen, manchmal nur für einen Tag. Grundlage für dieses Geschäft ist Vertrauen. Lange funktionierte das. Die Finanzkrise und die Pleite der Investmentbank Lehman veränderten alles. Die Banken misstrauten einander und es wurde immer schwieriger, sich Geld zu besorgen. Für das riskante Modell der Depfa ein Riesenproblem, denn die Depfa hatte ihre langfristigen Ausleihungen sehr kurzfristig refinanziert. Das Modell brach 2008 zusammen - und riss die HRE beinahe in den Abgrund.

Was passierte dann?

Am 28. September 2008 wurde die Notlage öffentlich. Es schlossen sich hektische Tage und Wochen an. Um den Zusammenbruch der HRE abzuwenden, schnürten Bund und Banken eilig ein erstes Rettungspaket, doch das Geld reichte nicht, es folgte ein aufgestocktes Paket mit Garantien von 50 Milliarden Euro. Am 20. März 2009 beschloss der Bundestag ein auf die HRE gemünztes Gesetz, das die Verstaatlichung maroder Banken als letzte Option vorsieht. Anfang Oktober 2009 drängte der Bund auch die letzten Aktionäre aus der Bank.

Was macht die HRE heute?

Die Bank gehört noch immer dem Staat. Doch der Bund muss die HRE bis 2015 wieder privatisieren, sprich verkaufen. Das hat die EU im Gegenzug für die Staatshilfen in einem Beihilfeverfahren entschieden. Seit einiger Zeit bastelt die Bank an ihrem zweiten Leben. Ihre Geschäfte wickelt die HRE über ihre Tochter Deutsche Pfandbriefbank (PBB) ab, die inzwischen der strategische Kern des HRE-Konzerns ist. 2013 übertraf die PBB das Ziel eines Vorsteuergewinns von 150 Millionen Euro deutlich. In der Bilanz steht auch dank eines Sondereffekts nun ein Plus vor Steuern von 165 Millionen Euro. 2012 waren es noch 124 Millionen Euro gewesen.

Gibt es keine teuren Altlasten?

Doch, die gibt es. Aber sie liegen inzwischen nicht mehr bei der HRE. Der Problemfall Depfa gehört zwar noch zum Konzern, doch die vielen Risikopapiere sind die HRE und ihre Töchter los. Im Rahmen ihres Umbaus wollen die Münchner die Depfa in diesem Jahr verkaufen - und es gibt mehr als einen Interessenten. Wer sie kriegt, ist offen.

Und wo sind die Altlasten dann?

Das Zauberwort heißt Bad Bank, zu deutsch etwa Schlechte Bank. Der offizielle Name ist weniger griffig und möglicherweise ein wenig irreführend: FMS Wertmanagement (FMSW). In einer beispiellosen Aktion wurden im Oktober 2010 risikoreiche Altlasten im nur schwer vorstellbaren Buchwert von rund 170 Milliarden Euro von der HRE in die eigens gegründete Bad Bank ausgelagert. Dabei sind etwa bislang kaum verkäufliche Finanzierungen etwa für Mautbrücken oder Tunnel. Die Aufgabe der FMSW: Diese Papiere möglichst mit Gewinn verkaufen.

Wer muss für die Verluste bezahlen, wenn das nicht klappt?

Die Bad Bank gehört zur Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung (FMSA), die den Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung, Soffin, verwaltet. Am Ende der Kette haftet der Staat, also der Steuerzahler. Wie die Bilanz der FMSW für 2013 aussieht, ist noch offen. 2012 schaffte die Bad Bank sogar einen kleinen Gewinn von 37 Millionen Euro und kündigte an, dass ohne Sonderbelastungen 2013 ähnliches möglich sei. Im Jahr 2011 hieß die Sonderbelastung Griechenland - und kostete die Abwicklungsanstalt fast neun Milliarden Euro.

Die Vorbereitungen für die Privatisierung laufen bereits seit Sommer. Zusammen mit Citigroup und in enger Abstimmung mit dem Bund wurden verschiedenen Optionen ausgelotet. Im vergangenen Jahr gab es jedoch einen großen Rückschlag als der Bund den Verkauf der pbb-Schwester Depfa platzen ließ und stattdessen eine Abwicklung des deutsch-irischen Staatsfinanzierers anordnete. Pfandbriefbank-Chefin Manuela Better warf daraufhin frustriert das Handtuch. Gelingt der pbb weder ein Verkauf noch ein Börsengang, droht ihr das gleiche Schicksal wie der Depfa.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×