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01.03.2016

12:17 Uhr

Deutsche und ICE Börse wollen LSE

Kampf um Londons Kronjuwel

VonMichael Brächer, Katharina Slodczyk

Der amerikanische Börsenriese ICE könnte die Fusionspläne von Deutscher Börse und London Stock Exchange torpedieren. Eine Investmentbank ist angeheuert, um den Deutschen das Leben schwer zu machen.

Deutsche Börse und London SE

Deutsche-Börse-Chef wird neue Mega-Börse leiten

Deutsche Börse und London SE: Deutsche-Börse-Chef wird neue Mega-Börse leiten

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London/FrankfurtDie Hochzeitspläne zwischen der Deutscher Börse und der Londoner Börse LSE werden sabotiert: Die amerikanische Börse ICE aus Atlanta bereitet ein Gegenangebot für die LSE vor. Und auch die US-Börse Chicago Mercantile Exchange (CME) bringt sich dem Vernehmen nach für ein Gegengebot in Stellung. Der geplante Zusammenschluss der Börsen in Frankfurt und London könnte durch Gebote der beiden amerikanischen Konkurrenten weiter erschwert werden.

Am Dienstag hat die ICE bestätigt, ein Gebot für die Londoner Börse in Betracht zu ziehen. Beraten werde man dabei von der amerikanischen Großbank Morgan Stanley. Noch sei man aber nicht auf die LSE-Chefs zugegangen, und es sei keine Entscheidung gefallen, ob man tatsächlich ein Angebot für die Londoner Börse vorlegen werde, heißt es bei ICE. Der Börsenkonzern ist einer der größten der Welt. Zu ihm gehört auch die New York Stock Exchange (NYSE).

Diese Fusionspläne der Deutschen Börse sind gescheitert

17. Juli 2000

Die Deutsche Börse präsentiert einen Plan für die Gründung de iX international exchange zusammen mit der Londoner LSE. Die beiden Partner hoffen, mit der paneuropäischen Handelsplattform weitere Börsenbetreiber mit ins Boot zu holen. Das Projekt scheitert allerdings an mangelnder Unterstützung.

Sommer 2003

Der damalige Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, trifft sich mit Euronext-Chef Francois Theodore. Die Gespräche über eine Fusion werden allerdings beendet, nachdem sich beide Seiten nicht über die Bewertung ihrer Häuser einig werden.

Frühling 2004

Seifert und Theodore nehmen ein weiteres Mal Kontakt auf. Ein Zwist über die Besetzung der Führungspositionen lässt sie abermals ergebnislos auseinandergehen.

August 2004

Die Schweizer Börse SWX lehnt Pläne der Deutschen Börse für eine Fusion, faktisch eine Übernahme, ab.

13. Dezember 2004

Die Deutsche Börse veröffentlicht ein Übernahmeangebot für die LSE über knapp zwei Milliarden Euro, das 2005 am Widerstand des Hedgefonds und Deutsche-Börse-Aktionärs TCI scheitert.

21. Februar 2006

Der neue Börsenchef Reto Francioni legt ein vorläufiges Fusionsangebot für die Pariser Euronext vor und facht damit ein Konsolidierungsfieber in der Branche an.

19. Mai 2006

Die Deutsche Börse dient Euronext-Chef Theodore die Führung eines vereinten Unternehmens an, besteht allerdings auf Frankfurt als Hauptsitz. Auch der Großteil des Managements sollte am Main angesiedelt sein.

Juni 2006

Die Deutsche Börse unterbreitet der Euronext einen überarbeiteten Fusionsvorschlag. Die Frankfurter geben in der Hauptquartiersfrage nach, doch der Vorstoß kommt zu spät: Die Euronext schließt sich mit der NYSE zusammen.

Dezember 2008

Deutsche Börse und NYSE Euronext loten eine Fusion aus. Die Pläne werden vorzeitig bekannt und scheitern.

April 2011

Die Börse wagt einen weiteren Versuch, mit der Nyse Euronext als Partner eine neue Größenordnung zu erreichen. Die US-Börsen Nasdaq OMX und ICE wollen die Fusion mit einer Gegenofferte für die Nyse torpedieren.

Februar 2012

Der Traum Francionis platzt erneut. Die EU-Kommission untersagt die Milliardenfusion mit der Nyse Euronext aus schwerwiegenden wettbewerbsrechtlichen Bedenken. Die EU fürchtet vor allem ein weltweites Monopol im Handel mit europäischen Finanzderivaten.

Februar 2016

Die Deutsche Börse und die Londoner Börse machen nach Marktgerüchten Pläne für einen Zusammenschluss öffentlich.

März 2016

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) sind handelseinig und streben eine Fusion auf Augenhöhe an.

März 2017

Die EU-Kommission untersagt den milliardenschweren Deal, weil er auf dem Markt zur Abwicklung festverzinslicher Finanzinstrumente „ein De-Facto-Monopol“ geschaffen hätte.

Selbst im Lager der ICE werden die Erfolgsaussichten der Offerte offenbar skeptisch eingeschätzt. Die Hürden der Aufsicht für eine amerikanisch-britische Börsenfusion lägen hoch. Dennoch hoffe man, die Aktionäre der LSE durch ein höheres Gebot überzeugen zu können. In jedem Fall könnten die Amerikaner mit ihrer Gegenofferte den Deal mit der LSE für die Deutsche Börse verteuern: Die LSE-Aktien legten um mehr als sieben Prozent zu.

Die Deutsche Börse und LSE planen einen „Zusammenschluss unter Gleichen“. Aktionäre der Deutschen Börse sollen dabei rund 54,4 Prozent eines neuen, gemeinsamen Unternehmens erhalten, LSE-Aktionäre dagegen nur 45,6 Prozent - das unterschiedliche Tauschverhältnis spiegelt den unterschiedlichen Wert der Börsen wider.

Offiziell gaben sich die beiden Unternehmen unbeeindruckt. Die Deutsche Börse teilte mit, die mögliche ICE-Offerte zur Kenntnis genommen zu haben. Die Gespräche zur Fusion mit der LSE führe man aber unverändert fort. Die LSE äußerte sich fast wortgleich.

Kommentare (14)

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Herr Helmut Weinberg

01.03.2016, 09:00 Uhr

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

Account gelöscht!

01.03.2016, 09:01 Uhr

W A H N S I N N !!!!!!

Ich habe noch eine offene Kommentarfunktion entdeckt.

Schon wieder als erster, vor allen anderen üblichen Verdächtigen.

Das ist heute MEIN Tag!

Herr Helmut Weinberg

01.03.2016, 09:03 Uhr

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