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20.09.2011

12:03 Uhr

Devisengeschäfte gestoppt

Französische Banken verlieren immer mehr Vertrauen

Französische Banken geraten immer stärker unter Druck. Wegen ihres starken Engagements in griechischen Bonds stoppt China Devisengeschäfte mit ihnen. Und auch Siemens zieht offenbar drastische Konsequenzen.

Die französischen Banken geraten unter Druck. dpa

Die französischen Banken geraten unter Druck.

Paris/DüsseldorfDie Schreckensmeldung kam am vergangenen Mittwoch: Die Ratingagentur Moody's stufte die Bonität der französischen Großbanken Société Générale (SocGen) und Crédit Agricole (CA) herab. Das hatte sich zwar schon angedeutet hatte. Dennoch sackten die bereits stark gebeutelten Aktien der Institute ab.

Jetzt geht es weiter mit den Schreckensmeldungen, auch wenn es bisher nur Indizien, Gerüchte und Medienberichte sein. So hat laut der Nachrichtenagentur Reuters eine große chinesische Staatsbank bestimmte Devisengeschäfte mit mehreren europäischen Geldhäusern gestoppt. Zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten, es handele sich unter anderem um die französischen Banken Societe Generale, Credit Agricole und BNP Paribas.

Grund sei die Schuldenkrise in Europa. Ferner betroffen sei die Schweizer Großbank UBS wegen ihres milliardenschweren Handelsskandals. Gestoppt worden seien alle Devisenswap- und Devisentermingeschäfte.

Zudem gibt es laut Medienberichten einen weiteren Fall, der darauf hindeutet, dass die Privatwirtschaft das Vertrauen in französische Banken immer mehr verliert: Siemens soll vor rund zwei Wochen zwei Wochen mehr als 500 Millionen Euro an Barmitteln von einer französischen Großbank abgehoben haben. Das berichtete die  "Financial Times" und beruft sich auf informierte Kreise. Das Geld soll demnach nun bei der der Europäischen Zentralbank (EZB) liegen. Um welche Bank es sich genau handele, ist noch nicht bekannt – es soll aber nicht die BNP Paribas sein.

Auch die Nachrichtenagentur Reuters berichtet davon: Im Juli, vor der Veröffentlichung der Stresstestergebnisse, seien Einlagen in unbekannter Höhe verschoben worden. Grund für den Abzug des Geldes sei die Entwicklung der Anlage gewesen, nicht der Zustand der französischen Banken.

Die Malaise der französischen Banken

Großbanken unter Druck

Die französischen Großbanken haben ähnliche Probleme - allen voran ihr starkes Engagement in Griechenland. Aber sie in einen Top zu werfen wäre nicht korrekt - zu unterschiedlich sind die drei Institute. Hier ein Überblick.

BNP Paribas: mit 24 Milliarden engagiert

Die Skepsis ist groß angesichts der verfahrenen Lage in der Euro-Krise und BNPs starker Stellung im finanziell angeschlagenen Italien. Die Bank hat nach Angaben der Europäischen Bankenaufsicht Rom-Anleihen für rund 24 Milliarden Euro in ihren Büchern, hinzu kommen hohe Kredite an Unternehmen und Privatkunden.

BNP Paribas: Schrumpfkur soll Anleger überzeugen

Es gibt bereits Pläne für einen Umbau der größten Bank Frankreichs. Diese bestehen im Wesentlichen aus einer rigiden Schrumpfkur: Risikogewichtete Aktiva im Volumen von 70 Milliarden Euro sollen abgebaut werden. Die Konzernbilanz würde dadurch bis Ende 2012 um etwa zehn Prozent verkleinert. Ziel von BNP-Chef Baudouin Prot ist, auf diese Weise so viel Kapital freizusetzen, um Anfang 2013 auf eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent zu kommen.

BNP Paribas: krisenfest werden

Damit würde die Bank die internationalen Mindestanforderungen für die Kapitalausstattung übererfüllen. Prot versucht auf diesem Weg, die Bank ohne die Ausgabe neuer Aktien krisenfest zu machen. Eine Kapitalerhöhung wird von vielen Beobachtern als notwendig erachtet, doch der Zeitpunkt ist wegen der starken Kursverluste äußerst ungünstig: Seit Jahresbeginn hat BNP Paribas rund 40 Prozent ihres Börsenwerts verloren.

BNP Paribas: Spekulationen verhindern

Prot bemühte sich zudem erneut, Spekulationen über Liquiditätsengpässe bei der Bank zu beenden. Zwar hätten amerikanische Geldmarktfonds zuletzt weniger kurzfristige Mittel bereitgestellt. BNP Paribas habe dies aber problemlos kompensieren können. Die Anleger blieben skeptisch: Der Aktienkurs gab gestern rund drei Prozent nach.

Société Générale: weitere Herabstufungen möglich

Seit Wochen sorgt die finanzielle Lage der Bank für Skepsis auf den internationalen Aktienmärkten. Daran änderten auch Sparpläne und angekündigte Verkäufe von Aktiva nichts. Die Moody’s-Herabstufung verstärkte die Zweifel nur. Die Bank wurde damit für ihr großes Engagement in Griechenland bestraft. Weitere Herabstufungen seien möglich, mahnte die Ratingagentur – der Ausblick sei negativ.

Société Générale: was Hoffnung macht

Es hätte für die SocGen schlimmer kommen können. Die Ratingagentur erklärte die Herabsetzung um „nur“ eine Stufe damit, dass das Institut über eine ausreichende Profitabilität und Kapitalisierung verfüge. Die Bank sei damit in der Lage, weiterhin potenzielle Verluste auszugleichen – auch die ihrer griechischen Filiale Geneki. Allerdings würden die Neufinanzierungssituation sowie die Liquidität der Bank beobachtet.

Société Générale: zu groß für die Pleite?

Moody’s erklärte auch, bei der SocGen seien mögliche öffentliche Finanzhilfen berücksichtigt worden. Damit kommt die Hoffnung zum Ausdruck, dass die Bank im Ernstfall vom französischen Staat aufgefangen werde, um ein systemisches Risiko zu verhindern. Die SocGen wies in einer Pressemitteilung darauf hin, dass das Griechenland-Risiko von Moody’s als zu bewältigen angesehen werde.

Société Générale: herber Gewinneinbruch

Die Bank hat das Volumen griechischer Staatsanleihen zwar schon stark reduziert, sie hält aber noch immer mehr als eine Milliarde Euro. Das private und öffentliche Engagement in Griechenland wird zusammen auf 6,6 Milliarden Euro geschätzt. SocGen hatte im zweiten Quartal durch hohe Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen einen derben Gewinneinbruch erlebt. Den Wert der von ihr gehaltenen Athen-Anleihen hat die Bank um 395 Millionen Euro nach unten korrigiert. An der Börse wird SocGen nur noch mit rund 13 Milliarden Euro bewertet.

Société Générale: Gefahr der Übernahme?

Die Bank laufe jetzt Gefahr, Ziel einer Übernahme zu werden, sagte Jean-Pierre Balligand, Abgeordneter der sozialistischen Partei, in einem Interview gegenüber Bloomberg News. 

Crédit Agricole: großes Griechenland-Engagement

Die drittgrößte Bank Frankreichs besitze zwar ausreichend Reserven, um mögliche Verluste in Griechenland in Griff zu bekommen, schrieb die Agentur Moody’s. Das Institut sei aber über sein Tochterunternehmen Emporiki-Bank sehr stark in Griechenland engagiert.

Crédit Agricole: viele Zweifel

Die Möglichkeiten zur Neufinanzierung sowie die Liquidität der Bank würden deshalb weiter beobachtet. Bei der aktuell nervösen Lage der Aktien- und Finanzmärkte sei nicht auszuschließen, dass sich die Neufinanzierungssituation verschlechtere, schrieb Moody’s. Sowohl bei Société Générale als auch bei Crédit Agricole gibt es Zweifel an einer Refinanzierung über die US-Kapitalmärkte. CA hält die Zweifel für unbegründet.

Crédit Agricole: 26 Milliarden im Feuer

Die französische Nummer drei hat mit der griechischen Emporiki-Bank 26,4 Milliarden Euro im Feuer – vor allem im Privatkundengeschäft. Darüber hinaus ist das Finanzinstitut auch in Italien sehr präsent und hält italienische Staatspapiere im Volumen von zehn Milliarden Euro. CA beziffert die Belastungen aus den Abschreibungen auf die von ihr gehaltenen Griechenland-Anleihen sowie auf die Tochter Emporiki im zweiten Quartal auf 640 Millionen Euro netto. Der Gewinn sank im abgelaufenen Quartal um elf Prozent auf 339 Millionen Euro.

Crédit Agricole: Aktie unter Druck

Seit Anfang des Jahres ist der Aktienkurs des Konzerns um fast 50 Prozent gefallen. CA erklärte als Reaktion auf die Moody’s-Bewertung, man werde bis Jahresende einen Unterstützungsmechanismus für seinen Investment-Arm einführen. Das werde entweder eine Garantieerklärung oder eine vollständige Eingliederung des Investment-Bankings sein.    

Ziel sei es gewesen, für das Geld einen sicheren Hafen zu finden. Hintergrund seien zum einen Sorgen um die künftige finanzielle Gesundheit der französischen Bank und zum anderen Anlagevorteile durch höhere Zinszahlungen der EZB, hieß es unter Berufung auf eine Person, die unmittelbar mit der Angelegenheit vertraut sei.

Der Vorgang habe bereits vor zwei Wochen stattgefunden. Insgesamt habe Siemens bei der EZB zwischen vier und sechs Milliarden Euro geparkt, größtenteils in Form von Einlagen, die über eine Woche laufen.

Siemens darf Geld bei der EZB parken, weil der Konzern inzwischen eine eigene Banklizenz hat. Genauso diese Möglichkeit war eines der Motive für die Gründung der Bank von Siemens - wenn auch nicht das zentrale. Der Konzern verfügte zuletzt über eine Nettoliquidität von mehr als 13 Milliarden Euro.

Siemens äußerste sich am Dienstagmorgen zu den Gerüchten mit den Worten, dass der Bericht "faktisch nicht korrekt" sei. Allerdings verzichtete der Konzern auf eine genauere Äußerung.

Kommentare (26)

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Account gelöscht!

20.09.2011, 07:52 Uhr

Ich verstehe diese ganze Aufregung der Chinesen, Siemens und die Ratingagenturen bezüglich französischen Banken nicht. Die Deutschen Steuerzahler werden diese Banken durch versteckte Transferzahlungen an Griechenland retten. Die Deutschen sind doch reich, also kein Grund zu Panik.

Baier

20.09.2011, 09:03 Uhr

jetzt wird der Druck von Sarkozy auf Merkel und der Anleihen-Sündenfall von Trichet und die Strandspaziergänge verständlich. Das ganze dient vorrangig den französischen Banken.

rollin

20.09.2011, 09:21 Uhr

Erschreckend und gut was da gerade passiert. Natürlich werden wir alle leiden. Aber vielleicht - nur vielleicht - wird in Zukunft die Schuldenpolitik einen anderen Weg gehen. Nicht weil man eingesehen hat, dass Schulden der falsche Weg sind. Aber weil die Gefahr einfach so groß ist. So groß, dass sich immer weniger Staatsmänner trauen, Schulden als seriöses Mittel zur Staatsfinanzierung und als Wachstumsmotor zu propagieren (unter dem Motto: nach mir die Sintflut). Und so groß, dass man einfach kein Geld mehr bekommt. Das betrifft nicht nur Griechenland, sondern fast alle Staaten.

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