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18.02.2014

19:05 Uhr

Devisenmanipulation

Banken nehmen Mitarbeiter-Konten ins Visier

Großbanken wollen einem Bericht zufolge Regeln für die Privatkonten von Händlern verschärfen. Aufseher weltweit ermitteln wegen möglicher Devisenmanipulationen. Einige Händler dürften zum eigenen Vorteil getrickst haben.

Mögliche Devisenmanipulationen: Viele Händler wurden bereits suspendiert. dpa

Mögliche Devisenmanipulationen: Viele Händler wurden bereits suspendiert.

LondonIm Skandal um die Manipulation von Devisenkursen geraten nun die Privatkonten der Händler ins Visier von Banken und Aufsehern. Die Deutsche Bank und die Royal Bank of Scotland überlegen Finanzkreisen zufolge, Beschränkungen für Devisen-Transaktionen auf persönliche Rechnung einzuführen, wie es sie für Aktiengeschäfte längst gibt. Laut der "Financial Times" erwägt auch die schweizerische UBS verschärfte Regeln. Bei der Deutschen Bank müssten die Händler solche Transaktionen künftig vorab genehmigen lassen, außerdem soll es Obergrenzen geben, welche Beträge sie maximal über das eigene Konto laufen lassen dürfen. Schon bisher müssen sie offengelegt werden. Bei darüber abgewickelten Transaktionen erhält die Bank automatisch eine Nachricht.

Der deutsche Branchenprimus ist einer der größten Devisenhändler auf einem Markt, auf dem täglich fünf Billionen Dollar umgesetzt werden. Im Zuge der Ermittlungen hat sie schon mehrere Händler in Amerika vom Dienst suspendiert. Branchenweit haben rund 20 Händler zumindest vorübergehend den Arbeitsplatz verloren, weil sie in den Skandal verwickelt zu sein scheinen.

Eine Sprecherin der Deutschen Bank wollte sich nicht zu den Plänen äußern. Sie sagte, die Nutzung vertraulicher Kundeninformationen für persönliche Zwecke sei bei dem Institut schon lange verboten. Die Richtlinien würden laufend überprüft. Im vergangenen Jahr hatte die Deutsche Bank - wie andere Häuser auch - ihren Händlern die Nutzung von Internet-Chatrooms für Kontakte mit Kollegen bei anderen Banken verboten. Auch die RBS und die UBS nahmen keine Stellung.

Chronologie der Ermittlungen zu Devisenmarkt-Manipulation

Juni 2013

Britische Regulierungsbehörden starten eine vorläufige Ermittlung wegen des Verdachts der Marktmanipulation auf dem Währungsmarkt. In den folgenden Monaten konkretisiert sich der Verdacht: Wichtige Händler verschiedener Geldhäuser sollen Preisabsprachen vor großen Kundenaufträgen getroffen und die Fixing-Kurse für bestimmte Währungen zu ihren Gunsten beeinflusst haben.

Anfang Oktober 2013

Auch die Schweizer Finanzaufsicht berichtet darüber, mehrere Banken wegen möglicher Verstöße auf dem Devisenmarkt zu überprüfen. Die EU-Kommission steht bereit, bei den Ermittlungen – es geht auch um Kartellvorwürfe – beizuspringen. Am 9. Oktober bestätigt die Royal Bank of Scotland Ermittlungen und übermittelt Kommunikationsaufzeichnungen eines ehemaligen Händlers an die Behörden.

Mitte Oktober 2013

Aus den vorläufigen Ermittlungen der britischen Aufsichtsbehörde FCA wird ein formales Verfahren. In Asien bestätigt die Finanzaufsicht in Hong Kong, ebenfalls einige Banken zu untersuchen.

Ende Oktober 2013

Die Deutsche Bank – Marktführer im Devisenhandel – bestätigt Anfragen der Aufsichtsbehörden. Die Ermittlungen befänden sich in einem frühen Stadium. Auch die Schweizer UBS legt die Prüfung in ihrem Quartalsbericht offen. Am 29. Oktober bestätigt das US-Justizministerium, dass sowohl die Strafverfolgungs- als auch die Kartellabteilung ermitteln.
Ende Oktober wird bekannt, dass die britische Bank Barclays und die Royal Bank of Scotland Händler von der Arbeit beurlaubt haben – ohne Schuldanerkenntnis.

Anfang November 2013

Citigroup und JP Morgan gehören ebenfalls zu den untersuchten Geldhäusern, am 4. November berichtet auch die HSBC offiziell von Behördenanfragen wegen möglicher Regelverstöße beim Devisenhandel. Am 5. November berichten mehrere Medien über millionenschwere Strafzahlungen wegen der Manipulation des Zinssatzes Euribor. Auch Goldman Sachs ist nun Ziel der Ermittlungen.

Januar 2014

Die Deutsche Bank suspendiert mindestens einen Devisenhändler wegen Manipulationsverdachts. Es bestehe der Verdacht, dass er Referenzkurse für Währungen manipuliert habe, berichtet die Tageszeitung „Die Welt“. Der Händler habe in New York gearbeitet und mit argentinischen Pesos gehandelt.

Februar 2014

Die privaten Konten von Händlern stehen bereits im Visier der Ermittler – der Verdacht: Bankmitarbeiter dürften Manipulationen auch zu gewinnträchtigen privaten Geschäften genutzt haben. Jetzt wollen einige Großbanken die internen Regeln für private Transaktionen ihrer Mitarbeiter verschärfen.

Doch bei den geplanten Restriktionen steckt der Teufel im Detail. "Wir wollen einem Pfund-Händler in London nicht verbieten, sich ein Mittagessen zu kaufen" zitierte die Financial Times einen ungenannten hochrangigen Banker. Bei der britischen Bank Lloyds gibt es bereits eine Obergrenze, die einem Händler noch erlaubt, Geld für den privaten Urlaub zu wechseln. US-Banken wie JPMorgan haben der Zeitung zufolge ihren Mitarbeitern grundsätzlich untersagt, auf eigene Rechnung mit Währungen zu handeln, mit denen sie auch beruflich umgehen.

Devisenhändlern zufolge geht die Schweizer Finanzaufsicht Finma dem Verdacht nach, dass die Kurse von Schweizer Franken und Euro sowie Franken und Dollar über private Konten und zum persönlichen Nutzen manipuliert wurden. Auch die deutsche Finanzaufsicht BaFin ist auf den Umgang von Händlern mit ihren Privatkonten aufmerksam geworden, wie es in Aufsichtskreisen hieß. Bereits im November hatte die britische Aufsichtsbehörde FCA Privatkonten von Händlern unter die Lupe genommen. Der Manipulationsskandal war im Frühjahr 2013 aufgeflogen. Finma und BaFin wollten sich nicht zum Stand der Untersuchungen äußern.

Von

rtr

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

18.02.2014, 10:13 Uhr

Auf Verfehlungen von einigen wenigen in Pauschalisierungen für die gesamte Branche zu schließen, ist nicht zielführend.

Das Grundproblem ist, dass man als Eigenhändler (Equity, Fixed Income, FX und Commodity) bei einer IB mehrere Millionen (8- bis 9-stellig) des Arbeitgebers bewegt, und mit vergleichsweise lumpigen 6-stelligen Gehältern (Bonus inklusive) abgespeist wird. Manch ein labiler Zeitgenosse mag sich da denken, wenn ich mehrere Millionen bewege, dann will ich zumindest auch selber etwas 7-stelliges auf dem eigenen Konto haben. Aber diese sind eben nicht bereit dieses Bedürfnis/Wunsch konsequent mit eigenem Risiko und eigenem Kapital auf eigene Rechnung, also in der Selbständigkeit, umzusetzen. That`s all.

Grüße aus Downtown-Mainhattan. Der schönsten Stadt Deutschlands. And the heartbeat of financial €urope.

X_TRADER®
- selbst. Börsenhändler -
Algo- und System-Trading

Mazi

18.02.2014, 10:54 Uhr

Ich würde den gleichen Sachverhalt nicht so ausdrücken wie Sie und auch nicht so argumentieren wollen.

Das Thema ist m.E. falsch aufgezäumt.

Es obliegt dem Vorgesetzten seine Mitarbeiter zu überwachen. Dazu zählt auch seitens der Mitarbeiter die Verpflichtung alle Transaktionen zur internen Prüfung offenzulegen.

Sind die Transaktionen und transparent offen gelegt, was spricht dann noch dagegen.

Ansonsten erleben wir, dass vor den Kameras oder an den Handelstischen nur noch Leute ohne Ahnung sitzen. Eine bedauerliche, beamtenhafte Entwicklung, die wir bereits von dem ganz normalen Wertpapierberatungsgeschäft der Banken her kennen. Dort gibt es bereits die Unterscheidung: "blöd" oder "clever und informiert".

Ist der Anlageberater blöd, ist er die Idealbesetzung für die Wertpapierberatung. Gleichzeitig hat man ihm einen Maulkorb verpasst.

Ist der Bankmitarbeiter clever und informiert, stellt er für den Vorstand ein Bedrohungspotential dar und wird aus der Front genommen.

Wir müssen uns irgend wann einmal entscheiden, was wir wollen. M.E. geht die ganze Fehlentwicklung von den Aufsichtsbehörden aus, die sich mit neidischen, unfähigen Mitarbeitern voll gesaugt haben und so mit staatlichem Gewaltanspruch Unfähigkeit durchsetzen wollen.

Früher gab es einmal fähige, ehrbare Händler (ich denke an zwei bestimmte Händler in BHF Bank und Deutscher Bank), die Garanten dafür waren, dass kein Unsinn im Geld- und Devisenhandel gemacht wurde. Diese Personen sind schon lange im Ruhestand. Nachfolger hat man aus bestimmten Gründen nicht aufgebaut, um eigenen, unfähigen Machtanspruch durchzusetzen.

Solche "Denke" führt nie zu einer Lösung des Problems, sondern vielmehr zum Kollaps.

Account gelöscht!

18.02.2014, 11:13 Uhr

@X_TRADER
aufgrund Ihrer immer wiederkehrenden Kommentare zum Thema Investmentbanking kann man erkennen welcher Typ Menschenschlag in diesem Bereich unterwegs ist.
Nehmen wir mal den Co-Chef der Deutschen Bank mit indischer Abstammung der ist doch tatsächlich der Meinung das es ein Weckruf war für die Deutsche Bank wie er immer wieder sagt, als er 1995 kam und das internationale Investmentbanking aufgebaut hat.
In Wirklichkeit aber hat er mit seinen Kumpanen hunderte von Millionen in die eigene Tasche gewirtschaftet aber für die Deutsche Bank siehe Aktienkurs nichts erreicht.

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