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11.01.2017

12:56 Uhr

Devisenmanipulation

Das Kartell der Chatter

VonKatharina Slodczyk

Das US-Justizministerium bringt drei ehemalige Devisenhändler wegen Manipulationen von Devisenkursen vor Gericht. Ihnen die mutmaßlichen Vergehen nachzuweisen, wird allerdings sehr schwierig werden.

Devisenhändler sollen zwischen 2007 und 2013 Dollar-Euro-Kurse manipuliert haben – es geht um Handelsgeschäfte mit einem Gesamtvolumen von Hunderten von Milliarden Dollar. dpa

Wechselstube in London

Devisenhändler sollen zwischen 2007 und 2013 Dollar-Euro-Kurse manipuliert haben – es geht um Handelsgeschäfte mit einem Gesamtvolumen von Hunderten von Milliarden Dollar.

LondonSie fühlten sich offenbar als Teil einer verschworenen Gemeinschaft. „Das Kartell“ und „Die Mafia“ nannten sie sich: Devisenhändler internationaler Großbanken, die sich in Online-Chatforen regelmäßig über Entwicklungen auf dem Währungsmarkt besprachen und dabei wohl auch massiv gegen Regeln verstoßen haben sollen. Das bringt jetzt einstige Mitglieder der Chatgruppen vor Gericht.

Das US-Justizministerium hat am Dienstag drei ehemalige Währungshändler von Citigroup, Barclays und JP Morgan angeklagt. Sie hätten sich zwischen Dezember 2007 und Januar 2013 zusammengetan, um Dollar-Euro-Kurse zu manipulieren, teilte die Behörde mit. Das Zusammenwirken habe dazu geführt, dass sie sich auf unfaire Art und Weise Vorteile verschafft hätten – auf Kosten ihrer Kunden, heißt es. Es sei an Handelsgeschäften mit einem Gesamtvolumen von Hunderten von Milliarden Dollar gedreht worden.

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Dies sind die ersten Anklagen gegen mutmaßliche Schlüsselfiguren im Skandal um Devisenmanipulationen, der Ermittler und Aufsichtsbehörden bereits seit Jahren beschäftigt. Die Affäre hatte bereits zivilrechtliche Konsequenzen. Internationale Großbanken haben Strafen von insgesamt etwa zehn Milliarden Dollar gezahlt. In Großbritannien hat sich die Behörde für schwere Wirtschaftsverbrechen, das Serious Fraud Office (SFO), im März vergangenen Jahres aber gegen strafrechtliche Schritte entschieden. Man habe nicht genug Beweise gefunden, um dies zu rechtfertigen, hieß es damals. Die Ermittlungen wurden daher beendet.

Die jetzt von der US-Justiz angeklagten Ex-Banker leben außerhalb der USA. Experten zufolge könnte es länger dauern, bis sie an die USA ausgeliefert werden. Die Gerichtsjury von ihrer Schuld zu überzeugen, könnte eine noch größere Hürde darstellen, heißt es aus Kreisen, die mit der Sache vertraut sind, da man ganz klar nachweisen müsste, dass Absprachen in den Chatrooms auch tatsächlich zu den von den Händlern beabsichtigten Reaktionen geführt hätten.

Das könnte angesichts der Größe des Devisenmarktes schwierig werden. Täglich werden dort gut fünf Billionen Dollar bewegt. Ein einzelner Kaufauftrag schlägt daher häufig keine besonders hohen Wellen.

Kommentare (1)

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11.01.2017, 16:05 Uhr

Herr Mark Hoffmann11.01.2017, 15:09 Uhr
Es langt schon, wenn wir mit der Grün-Sozialistischen Merkel wieder in einen grün-linken"Nazi-Deutschland" wieder angekommen sind.

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