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30.07.2014

16:04 Uhr

Devisenmarktskandal

US-Behörde schickt Kontrolleure zur Deutschen Bank

Im Skandal um die Manipulation von Devisenkursen gerät die Deutsche Bank immer mehr unter Druck. Nun will die US-Bankenaufsicht die Büros des Instituts untersuchen. Auch die britische Bank Barclays ist betroffen.

Die Deutsche Bank im Devisenmarktskandal: Die US-Bankenaufsicht schickt Kontrolleure in die Büros des Instituts. dpa

Die Deutsche Bank im Devisenmarktskandal: Die US-Bankenaufsicht schickt Kontrolleure in die Büros des Instituts.

New York/FrankfurtIm Skandal um Manipulationen auf dem Devisenmarkt rücken die US-Behörden der Deutschen Bank und Barclays auf die Pelle. Die von Benjamin Lawsky geführte New Yorker Bankenaufsicht DFS will nun Kontrolleure in die US-Büros der beiden Geldhäuser entsenden, wie eine mit der Sache vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters sagte. Die Aufseher sollten sich sowohl ältere Transaktionen anschauen als auch die derzeitigen Geschäftspraktiken an dem billionenschweren Markt. Die Institute wollten sich zu den Informationen nicht äußern. Die Behörde war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Die DFS, die zum Staat New York gehört, hatte sich in diesem Jahr den international laufenden Ermittlungen zum Devisenskandal angeschlossen. Zahlreiche Aufsichtsbehörden untersuchen, ob es auf dem vergleichsweise wenig regulierten Devisenmarkt zu unlauteren Absprachen bei Referenzkursen gekommen ist. Auch die EU-Kommission und die deutsche Finanzaufsicht Bafin schauen sich das genauer an. Weil der Markt so riesig ist, drohen nach Einschätzung von Experten weitaus höhere Strafen als im Skandal um manipulierte Interbanken-Zinssätze (Libor).

Chronologie der Ermittlungen zu Devisenmarkt-Manipulation

Juni 2013

Britische Regulierungsbehörden starten eine vorläufige Ermittlung wegen des Verdachts der Marktmanipulation auf dem Währungsmarkt. In den folgenden Monaten konkretisiert sich der Verdacht: Wichtige Händler verschiedener Geldhäuser sollen Preisabsprachen vor großen Kundenaufträgen getroffen und die Fixing-Kurse für bestimmte Währungen zu ihren Gunsten beeinflusst haben.

Anfang Oktober 2013

Auch die Schweizer Finanzaufsicht berichtet darüber, mehrere Banken wegen möglicher Verstöße auf dem Devisenmarkt zu überprüfen. Die EU-Kommission steht bereit, bei den Ermittlungen – es geht auch um Kartellvorwürfe – beizuspringen. Am 9. Oktober bestätigt die Royal Bank of Scotland Ermittlungen und übermittelt Kommunikationsaufzeichnungen eines ehemaligen Händlers an die Behörden.

Mitte Oktober 2013

Aus den vorläufigen Ermittlungen der britischen Aufsichtsbehörde FCA wird ein formales Verfahren. In Asien bestätigt die Finanzaufsicht in Hong Kong, ebenfalls einige Banken zu untersuchen.

Ende Oktober 2013

Die Deutsche Bank – Marktführer im Devisenhandel – bestätigt Anfragen der Aufsichtsbehörden. Die Ermittlungen befänden sich in einem frühen Stadium. Auch die Schweizer UBS legt die Prüfung in ihrem Quartalsbericht offen. Am 29. Oktober bestätigt das US-Justizministerium, dass sowohl die Strafverfolgungs- als auch die Kartellabteilung ermitteln.
Ende Oktober wird bekannt, dass die britische Bank Barclays und die Royal Bank of Scotland Händler von der Arbeit beurlaubt haben – ohne Schuldanerkenntnis.

Anfang November 2013

Citigroup und JP Morgan gehören ebenfalls zu den untersuchten Geldhäusern, am 4. November berichtet auch die HSBC offiziell von Behördenanfragen wegen möglicher Regelverstöße beim Devisenhandel. Am 5. November berichten mehrere Medien über millionenschwere Strafzahlungen wegen der Manipulation des Zinssatzes Euribor. Auch Goldman Sachs ist nun Ziel der Ermittlungen.

Januar 2014

Die Deutsche Bank suspendiert mindestens einen Devisenhändler wegen Manipulationsverdachts. Es bestehe der Verdacht, dass er Referenzkurse für Währungen manipuliert habe, berichtet die Tageszeitung „Die Welt“. Der Händler habe in New York gearbeitet und mit argentinischen Pesos gehandelt.

Februar 2014

Die privaten Konten von Händlern stehen bereits im Visier der Ermittler – der Verdacht: Bankmitarbeiter dürften Manipulationen auch zu gewinnträchtigen privaten Geschäften genutzt haben. Jetzt wollen einige Großbanken die internen Regeln für private Transaktionen ihrer Mitarbeiter verschärfen.

Auf dem Devisenmarkt werden täglich rund 5,3 Billionen Dollar gehandelt. Die Währungs-Referenzkurse, die einmal am Tag festgestellt werden, dienen Unternehmen und Profi-Anlegern als Basis für Devisengeschäfte. Sollten sie einen Schaden durch die Tricksereien nachweisen können, kämen womöglich noch einige Zivilklagen hinzu.

In Deutschland nisten sich die Aufseher von Bafin und Bundesbank nur im Falle einer Sonderprüfung über Wochen bei einer Bank ein. In den USA dagegen ist es durchaus üblich, dass die Behörden ihre Vertreter direkt in den Banken sitzen haben. Bei den großen Wall-Street-Häusern kann sich die Zahl dieser „embedded regulators“ durchaus auf über 100 belaufen, erst recht seit der Finanzkrise. Im Devisenskandal ist das aber eine neue Entwicklung. Das „Wall Street Journal“ berichtete unter Berufung auf Insider, Deutsche Bank und Barclays seien ausgewählt worden, weil bereits gesammelte Daten auf Probleme hindeuteten.

Die Deutsche Bank ist einer der größten Devisenhändler der Welt und hat mehrfach erklärt, zur Aufklärung der Affäre mit den verschiedenen Behörden zusammenzuarbeiten. Das Institut setzte Finanzkreisen zufolge im Zuge des Skandals bereits ein halbes Dutzend Händler vor die Tür. Die internen Untersuchungen sind noch längst nicht abgeschlossen, wie Insider berichten. Bislang gebe es aber nur Hinweise auf Unregelmäßigkeiten bei kleineren Währungen wie dem russischen Rubel und dem argentinischen Peso, nicht aber bei Euro, Dollar, Pfund oder Yen.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Fred Meisenkaiser

30.07.2014, 16:46 Uhr

War es nicht gestern, als ein Gericht gegen eine US-Bank wegen dem Lobor-Skandal eine banale Strafe verhängte?
War es nicht gestern, als ein Gericht Rußland politisch motiviert zu einer Milliardenstrafe wegen der verstaatlichung des Öl-Konzerns verurteilte? Deutsche Medien jubelten!
Mal sehen, wie die US-Gerichte nun die DB über den Tisch ziehen!

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