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12.11.2014

17:32 Uhr

Devisenskandal

Aufseher verdonnern Banken zu hohen Strafen

Die Verwicklung in Devisenmanipulationen kommt mehrere Großbanken teuer zu stehen. Aufseher in den USA, Großbritannien und der Schweiz verhängen eine Milliardenstrafe. Am meisten muss eine Schweizer Bank zahlen.

Devisenskandal

3,4 Milliarden US-Dollar Strafe für Großbanken

Devisenskandal: 3,4 Milliarden US-Dollar Strafe für Großbanken

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New York, London, ZürichSechs internationale Großbanken sind wegen der Manipulation von Devisenkursen zu Strafzahlungen verdonnert worden. Gut eineinhalb Jahre nach Beginn der Ermittlungen verhängten Aufsichtsbehörden in Großbritannien, den USA und der Schweiz am Mittwoch in einer gemeinsamen Aktion Strafen von insgesamt knapp 4,3 Milliarden Dollar (3,5 Mrd Euro). Die Gesamtsumme war zunächst mit 3,4 Milliarden Dollar angegeben worden, im Laufe des Tages kamen jedoch zusätzliche Bußgelder der US-Behörde OCC hinzu.

Betroffen sind Citigroup, HSBC, JP Morgan, Royal Bank of Scotland (RBS), UBS und Bank of America. Die britische Notenbank entließ nach eigenen Angaben vom Mittwoch bereits am Dienstag ihren Chef-Währungshändler. Dieser soll spätestens vor zwei Jahren Verdacht geschöpft haben, diesem aber nicht konsequent nachgegangen sei.

Die Aufseher halten es für erwiesen, dass Händler der Banken sich beim Handel mit Fremdwährungen zwischen Anfang 2008 und Oktober 2013 in verbotener Weise abgesprochen haben, um eigene Geschäft zu fördern - ähnlich wie beim Libor-Skandal um manipulierte Zinssätze. Hinweise fanden die Behörden in Chat-Protokollen. Nach Ansicht der britischen Aufsichtsbehörde FCA versäumten es die Banken, effiziente Kontrollen einzuführen, um das zu unterbinden. Die Institute hätten so eigene Interessen über die von Kunden und anderen Marktteilnehmern gestellt.

Der Devisenmarkt gilt mit einem täglichen Volumen von zuletzt rund fünf Billionen Dollar als größter Finanzmarkt der Welt. „Unzählige Einzelpersonen und Unternehmen auf der ganzen Welt verlassen sich bei ihren Geschäften auf diese Kurse“, beschrieb der Direktor der US-Aufsichtsbehörde CFTC, Aitan Goelman, die Bedeutung.

Die höchsten Zahlungen müssen die US-Banken Citigroup und JPMorgan mit jeweils rund einer Milliarde Dollar leisten. Dahinter folgt die Schweizer UBS mit 799 Millionen Dollar. RBS (634 Mio), HSBC (618 Mio) und Bank of America (250) kamen zunächst günstiger davon. Mit 1,77 Milliarden Dollar verhängte die britische FCA den größten Teil der Strafen. 1,475 Milliarden Dollar gehen auf das Konto der CFTC und 950 Millionen auf das des Office of the Comptroller of the Currency (OCC). Von der Schweizer Finma kommen 138 Millionen Dollar dazu.

Die Top-Verdiener unter den Bankern (2013)

Anshu Jain

Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain kommt nach einer Studie des Finanzanalysten SNL Finance auf ein Jahresgehalt von 10 Millionen Euro. Das setzt sich zusammen aus einem fixen Einkommen (23 Prozent), Boni (1,5 Prozent), erfolgsabhängigen Prämien (60 Prozent) und Sonderzahlungen (15 Prozent).

Stuart Gulliver

Stuart Gulliver, Chef der HSBC, kassiert rund 9,5 Millionen jährlich. Zusammengesetzt aus 15 Prozent fixem Gehalt, 22 Prozent Boni, 45 Prozent, erfolgsabhängigen Prämien sowie 16 Prozent Sonderzahlungen.

António Horta-Osório

António Horta-Osório von der Lloyds Banking Group darf sich über ein Jahresgehalt von 8,8 Millionen Euro freuen. Davon entfallen 14 Prozent auf das fixe Jahresgehalt, 22 Prozent auf Boni-Zahlungen, 41 Prozent auf erfolgsabhängige Prämien sowie 21 Prozent auf Sonderzahlungen.

Sergio Ermotti

8,7 Millionen streicht Sergio Ermotti (UBS) pro Jahr ein. Sein Einkommen ist wie folgt aufgeteilt: 23 Prozent fixes Jahresgehalt, 9 Prozent Boni, 64 Prozent erfolgsabhängige Prämien sowie 3 Prozent Sonderzahlungen.

Brady Dougan

Brady Dougan von der Credit Suisse verdient etwa 8 Millionen Euro jährlich. Seine Bezüge teilen sich auf auf ein fixes Jahresgehalt (25 Prozent), Boni (35 Prozent), erfolgsabhängige Prämien (39 Prozent) und Sonderzahlungen (1 Prozent).

Jürgen Fitschen

Im Vergleich mit seinem Co-Chef Anshu Jain bleibt Jürgen Fitschen (Deutsche Bank) zwar auf der Strecke. 7,3 Millionen jährlich sind aber noch immer eine sehr passable Ausbeute. Davon stammen 31 Prozent aus dem fixen Jahresgehalt, zwei Prozent aus Boni-Zahlungen, 59 Prozent aus erfolgsabhängigen Prämien und sieben Prozent aus Sonderzahlungen.

Stephen Hester

Ihren früheren Vorstandsvorsitzenden Stephen Hester hat die Royal Bank of Scotland im Jahr 2013 mit etwa sechs Millionen Euro bedacht. 23 Prozent fixes Gehalt, 70 Prozent erfolgsabhängige Prämien, 6,5 Prozent Sonderzahlungen. Zu Boni wurden keine angaben gemacht in der Studie.

Francisco González

Ziemlich gerecht aufgeteilt ist das Jahresgehalt von Francisco González (Banco Bilbao): 38 Prozent fixes Jahresgehalt, 30 Prozent Boni, 30 Prozent erfolgsabhängige Prämien. Für Sonderzahlungen bleiben 0,2 Prozent. macht am Ende etwa 5,2 Millionen Euro Jahresgehalt.

Peter Sands

Peter Sands (Standard Chartered) verdiente im vergangenen Jahr fast dieselbe Summe: 5,2 Millionen Euro. Die ergibt sich aus 24 Prozent fixem Gehalt, 59 Prozent Erfolgsprämien und 16 Prozent Sonderzahlungen.

José Marín

Die Top Ten komplettiert José Marín (Banco Santander). 4,7 Millionen Euro im Jahr kassiert der spanische Banker - 46 Prozent als fixes Gehalt, 21 Prozent aus Boni, 31 Prozent als Erfolgsprämie und ein Prozent aus Sonderzahlungen.

Bei Privatbanken wurden wegen des Devisenskandals weltweit inzwischen mehr als 30 Mitarbeiter entlassen oder suspendiert. Die Deutsche Bank, gegen die ebenfalls ermittelt wird, zog bei mindestens vier Beschäftigten Konsequenzen.

Die größtenteils verstaatlichte Royal Bank of Scotland (RBS) will zum Thema Devisenmanipulationen noch im laufenden Jahr den Zwischenstand einer internen Untersuchung gegen beteiligte Mitarbeiter vorlegen. „Es liegt jetzt in unserer Hand zu zeigen, dass wir aus diesen Fehlern lernen können und es wert sind, künftig Vertrauen zu gewinnen“, ließ RBS-Vorstandschef Ross McEwan mitteilen.

Der britische Finanzminister George Osborne erklärte: „Heute räumen wir entschieden mit der Korruption von einigen Wenigen auf, damit wir ein Finanzsystem haben, das für alle funktioniert.“ Er werde sicherstellen, dass die Strafzahlungen dem Gemeinwohl zugutekämen.

Kommentare (10)

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Herr M. M.

12.11.2014, 07:54 Uhr

"über den Tisch zu ziehen"klingt so schön harmlos,so spielerisch,spitzbübisch.3,3 Milliarden für jede der Banken hätte mich gefreut.

Herr Tom Bauer

12.11.2014, 08:43 Uhr

@M.M.
so ist das wohl....3,3 Mrd hätten Sie gefreut! Gefreut!? Was hätten Sie davon?

Wir wollen nicht besser werden, oder gar dass etwas gut läuft. Wir wollen Skandale hypen und Schuldige bestrafen. Hart, unerbittlich, am besten alles den Bach runter!

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Herr Gerhard Achter

12.11.2014, 09:00 Uhr

vor Bekanntwerden dieser ganzen Manipulationen war es für mich unvorstellbar das ein System wo es um Billionen geht so aufgebaut ist dass es Fehlverhalten von wenigen Menschen zuläßt die ihre eigenen Interessen im Sinn haben.
Für was habe ich als Steuerzahler Mitarbeiter der Aufsichtsbehörden bezahlt?

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