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10.10.2011

07:07 Uhr

Dexia-Gruppe

Belgien verstaatlicht Krisenbank

Der durch die Euro-Krise ins Straucheln geratenene belgisch-französische Finanzkonzern Dexia wird zerschlagen. Der belgische Staat übernimmt 100 Prozent des belgischen Arms des Geldhauses.

Dexia-Zentralsitz in Belgien. dpa

Dexia-Zentralsitz in Belgien.

BrüsselDie belgische Regierung wird das belgische Geschäft der Dexia -Bank für vier Milliarden Euro übernehmen. Das teilte der amtierende Ministerpräsident Yves Leterme in der Nacht zum Montag mit. „Wir haben das Hauptziel erreicht, die Dexia Banque Belgique zu erhalten und die Risiken auszulagern“, sagte Leterme nach einer Nachtsitzung des Dexia-Verwaltungsrats.

Zugleich kündigte er an, dass Risikopapiere im Wert von 90 Milliarden Euro in eine sogenannte „Bad Bank“ ausgelagert werden sollen, für die Regierungen von Belgien, Frankreich und Luxemburg für bis zu zehn Jahre garantieren. Davon werde Belgien 60,5 Prozent aufbringen, während 36,5 Prozent aus Frankreich und die übrigen drei Prozent aus Luxemburg kommen. Belgiens Finanzminister Didier Reynders erklärte, die EU-Wettbewerbsbehörden seien informiert worden. Die Regierung wolle die Bank aber nicht für immer behalten.

Welche europäischen Banken 2011 ihr Kapital erhöht haben

Commerzbank

Seit zwei Jahren gehört das deutsche Institut zu einem Viertel dem Staat. Mit den Mitteln aus der Kapitalerhöhung will die Bank den größten Teil der rund 16 Milliarden Euro schweren staatlichen stillen Einlage ablösen - eine Art haftendes Eigenkapital ohne Stimmrechte. Insgesamt sammelte die Commerzbank zwischen April und Juni rund 14 Milliarden Euro ein.

Intesa SanPaolo

Erst kürzlich erhöhte die italienische Bank Intesa SanPaolo ihr Eigenkapitel um rund 7 Milliarden Dollar. Mit einer Kernkapitalquote von 7,9 Prozent zum Ende des Jahres 2010 benötigt Intesa nicht unmittelbar frisches Geld. Die Großbank dürfte sich jedoch auf die neuen Eigenkapitalregeln unter Basel III vorbereiten.

Danske Bank

Auch die dänische Danske Bank polsterte in diesem Jahr bereits ihre Kapitalausstattung auf. Im April sammelte sie rund 4 Milliarden Dollar ein. Mit Hilfe der Emission sollen staatliche Finanzhilfen zurückgezahlt werden.

Monte dei Paschi di Siena

Im August hat die italienische Bank Monte dei Paschi eine Kapitalerhöhung durchgeführt. Der Schritt mit einem Volumen von rund 3 Milliarden Dollar soll dem Institut die Rückzahlung der so genannten Tremonti-Bonds ermöglichen.

 

Nordea Bank

Auch die dänische Nordea Bank sah sich gezwungen, ihre Eigenkapital aufzustocken: Im April dieses Jahres sammelte sie rund 2,9 Milliarden Dollar ein.

Bank of Ireland

Das irische Institut Bank of Ireland entging durch eine Kapitalerhöhung von rund 2,8 Milliarden Dollar in diesem Jahr nur knapp der Verstaatlichung. Durch die Beteiligung eines privaten Konsortiums liegen mindestens 68 Prozent des Instituts in privaten Händen.

Banco Popolare

Die mailändische Banco Popolare stockte im Februar ihre Kapitaldecke auf – um 2,7 Milliarden Dollar. Sie hatte in der Krise staatlich garantierte Anleihen in Anspruch genommen. Die wollte sie ablösen.

Agricultural Bank of Greece

Die Agricultural Bank of Greece (ATE) ist ein Sorgenkind des griechischen Bankensektors und fiel beim Stresstest der Bankenaufsicht durch. Sie erhöhte ihr Eigenkapital im Juni um 1,8 Milliarden Euro.

Unione die Banche Italiane

Im zweiten Quartal dieses Jahres konnte Italiens viertgrößte Bank ihr Ergebnis durch Steuergutschriften fast verdreifachen. Zuvor hatte sie eine Kapitalerhöhung von 1,4 Milliarden Dollar durchgeführt.

Emporiki Bank of Greece

Die viertgrößte Bank Griechenlands erhöhte ihr Eigenkapital im März ebenfalls um 1,4 Milliarden Dollar.

Bank of Piraeus

Die griechische Bank ist wegen des Umtauschs einheimischer Staatsanleihen tief in die roten Zahlen gerutscht. Im Januar griff sie zum Instrument der Kapitalerhöhung – und sammelte rund 1,1 Milliarden Dollar ein.

Marfin Popular Bank Public

Die zyprische Marfin Popular Bank erhöhte im Februar ihr Eigenkapital um 700 Millionen Dollar.

Banco de Sabadell

Die spanische Bank  kam beim Stresstest nur auf eine Kernkapitalquote von 5,7. Erst im Februar hatte sie Kapital um rund 600 Millionen Euro erhöht.

Monte dei Paschi di Siena

Die italienische Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena hat sich mit 536 Millionen Dollar neuem Kapital eingedeckt. In der Finanzkrise hatte das Institut aus der Toskana als erste italienische Bank Staatshilfen in Anspruch genommen, nachdem es sich vor der Krise vor allem mit der Übernahme der norditalienischen Banca Antonveneta stark verschuldet hatte.

Aareal Bank

Knapp 399 Millionen Dollar nahm die Aareal Bank durch die Platzierung neuer Aktien im April 2011 ein. Ein Teil des Erlös nutzte das Institut, um Staatshilfen an den Bankenrettungsfonds zurückzuzahlen.

Banco Comercial Portugues

Auch die Banco Comercial Portugues hat sich mit frischem Kapital eingedeckt. Das Institut generierte 377 Millionen Dollar.

Die in Griechenland stark als Finanzier aufgetretene Dexia ist damit das erste Opfer der Euro-Krise. Wichtig ist Dexia vor allem als langfristiger Finanzier französischer Kommunen. Dieser Bereich soll abgespalten und von der französischen Staatsbank Caisse des Depots (CDC) und der Postbank (Banque Postale) aufgefangen werden. 95 Milliarden Euro an riskanten Papieren sollen in eine „Bad Bank“ gesteckt werden. Am Schicksal des französischen Arms hängt auch die Deutschland-Tochter Dexia Kommunalbank in Berlin.

Der Fall Dexia gilt vielen Investoren als Test dafür, ob es Europas Staaten gelingt, den Zusammenbruch von Banken im Sog der Staatsschuldenprobleme zu verhindern. Inzwischen diskutieren die Euro-Länder über neue Milliardenhilfen für die gesamte Branche, um diese auch gegen eine Staatspleite immun zu machen.

Inzwischen diskutieren die Euro-Länder über neue Milliardenhilfen für die gesamte Branche, um diese auch gegen eine Staatspleite immun zu machen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy erklärten am Sonntag, bis Ende des Monats in einem Gesamtpaket zur Lösung der Krise auch Empfehlungen für eine Stützung betroffener Banken zu geben.

Kommentare (11)

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RogueTrader

10.10.2011, 05:24 Uhr

die Aktionaere reiben sich die Haende, waehrend dem Steuerzahler die Traenen in den Augen stehen.
Und dann: "Die Regierung wolle die Bank aber nicht für immer behalten.", heisst nichts anderes: der Staat soll seine Finger aus den privaten Geschaeften halten, wenn die Bank eines Tages Profite abwerfen wird.
Die Verluste kann der Steuerzahler behalten!

Account gelöscht!

10.10.2011, 06:05 Uhr

Das Konzept: 1. Verstaatlichung einer maroden Bank und 2. Schaffung einer zusätzlichen staatlichen "Müllbank" beseitigt natürlich nicht Schrottkredite, sondern verteilt sie lediglich neu. Der Staat benötigt für beide Banken erhebliche Mengen an Kapital bzw. kapitalgleichen Bürgschaften. Dafür wird er entweder Steuern verwenden oder Kredite aufnehmen .... ordnungspolitisch höchst fragwürdig, bedenklich als Vorschub für moral hazard und kritisch als Risiko in den Staatsfinanzen.





cano

10.10.2011, 06:24 Uhr

Wieso reiben sich die Aktionäre die Hände? Schauen Sie sich mal den Aktienkurs an. Was würde geschehen, wenn man die Banken nicht stützen würde? Es käme zu einer Kettenreaktion und binnen kurzer Zeit müssten alle Banken geschlossen werden, um "Bank Runs" zu verhindern.

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