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29.03.2006

21:18 Uhr

Dialog mit den Instituten

Aufsicht prüft Zinsrisiken

VonP. Köhler (C. Potthoff)

Die Bankenaufsicht will die Branche stärker für Risiken auf Grund steigender Zinsen sensibilisieren.

FRANKFURT. „Die Zinswende und die daraus resultierenden Zinsänderungsrisiken sind für die Banken und auch für uns ein wichtiges Thema. Das müssen wir uns in diesem Jahr genauer anschauen“, sagte Helmut Bauer, Erster Direktor für Bankenaufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), dem Handelsblatt. Die Aufseher wollen sich im Dialog mit den Instituten ein genaues Bild von den tatsächlichen Risiken und deren Management machen. „Ein Bankvorstand muss Zinsänderungsrisiken im Blick haben und muss dafür Sorge tragen, dass Risikoüberwachung und –steuerung der institutsspezifischen Bedeutung dieser Risiken angemessen sind.“

Die Zinsentwicklung ist für Banken von hoher Bedeutung. Nach einer langen Phase niedriger Zinsen hatte die Europäische Zentralbank (EZB) im Dezember die Zinsen erstmals erhöht. Einige Institute erhoffen sich deswegen höhere Gewinne, weil sich die Differenz zwischen Kredit- und Einlagenzinsen ausweiten kann. Doch es gibt auch Risiken, vor allem, wenn die Zinskurve insgesamt flacher wird, also die längerfristigen Zinsen nicht so stark steigen wie die kurzfristigen Leitzinsen. Banken leihen sich kurzfristig Geld und leihen es längerfristig aus. Steigen die kurzfristigen Zinsen, wird diese so genannte Fristentransformation schwieriger.

Erster Schritt der BaFin war eine schriftliche Umfrage unter deutschen Banken Ende 2005. „Insgesamt haben wir den Eindruck, dass die Branche gerüstet ist“, sagte Bauer. Aber die vor allem quantitativ ausgerichtete Umfrage könne nicht ausreichen. „Wir müssen die Thematik differenzierter angehen und insbesondere unter dem Gesichtspunkt der Qualität des Risikomanagements vertiefen.“ Im europäischen Vergleich sei eine flache Zinskurve für deutsche Banken besonders schwierig, da die Fristentransformation hier zu Lande mehr zum Ertrag beisteuert als in anderen Ländern. Zudem habe sich der Wettbewerb um Kundeneinlagen deutlich verschärft. Hohe Einlagezinsen, wie sie die Banken teilweise bieten, erhöhen die Anfälligkeit für Zinsänderungsrisiken.

Wegen der Bedeutung dieser Risiken will sich die BaFin detailliert mit der Lage einzelner Institute vertraut machen. Dies soll nicht zuletzt dem Verständnis der Aufsicht für die Bedeutung der Zinsänderungsrisiken und der Angemessenheit des derzeit praktizierten Risikomanagements dienen. Das passt zu dem neuen Ansatz der Aufseher, weniger Richtlinien fortzuschreiben und mehr Praxiserfahrungen aufzugreifen.

Auch bei den neuen Eigenkapitalregeln (Basel II) spielen Zinsänderungsrisiken eine Rolle. Bei der Umsetzung der Regeln hat die Europäische Union (EU) festgeschrieben, dass die Aufsicht dann „Maßnahmen“ ergreifen muss, wenn bei der Simulation eines Zinsschocks von 200 Basispunkten ein Institut ein Fünftel des Eigenkapitals verliert. Zwar blieb zunächst offen, welche Schritte dann erforderlich werden. In der Branche gab es aber Befürchtungen, die BaFin könne durch Vorgaben des EU-Ausschusses der europäischen Bankaufseher (CEBS) zu stärkeren Maßnahmen gezwungen werden, etwa zu Eingriffen in das Geschäftsmodell. Diese Gefahr sieht Bauer aber gebannt. „Mit den Ergebnissen unserer Umfrage waren wir gut gerüstet – und haben bei CEBS eine Formulierung durchsetzen können, die uns genügend Spielraum lässt, so dass wir nicht gleich den großen Hammer rausholen müssen“, sagte Bauer, der seit Januar 2006 CEBS-Vizevorsitzender ist. Im Übrigen sei ein Schock von 200 Basispunkten über Nacht „ziemlich harsch und in einer Niedrigzinsphase nicht realistisch“.

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