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20.01.2005

10:32 Uhr

Die fränkische Privatbank entging 2001 knapp dem Zusammenbruch und verschwand schließlich ganz von der Bildfläche

Das lange Sterben der Schmidt-Bank

VonCaspar Busse

Es ist eine dramatische Sitzung an diesem trüben Novembersonntag vor über drei Jahren in der Zentrale der Hypo-Vereinsbank (HVB) in München. Sogar Jochen Sanio, der mächtige Chef der deutschen Bankenaufsicht, ist für das hochrangige Bankertreffen herbeigeeilt. Es geht um das Schicksal von Karl Gerhard Schmidt. Seine Privatbank aus der oberfränkischen Provinz ist in eine existenzbedrohende Schieflage geraten und steht vor dem Aus.

MÜNCHEN. Doch der freundliche und vornehme ältere Herr mit dünnem grauen Haar und Brille zeigt sich uneinsichtig und störrisch. Nein, aufgeben werde er nicht, betont er immer wieder. Erst wenige Tage zuvor hat Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu mit der Bankenaufsicht einen kleinen Aufschub ausgehandelt und die Zwangsschließung der Bank erst einmal vermieden. Jetzt will der CSU-Politiker eine Auffanglösung zimmern. Denn der Zusammenbruch einer Bank würde der ohnehin wirtschaftlich angeschlagenen Region im Norden Bayerns den Rest geben, so die Angst der Landesregierung. Die Banken, die Aufsicht und selbst die Sparkassen sorgen sich um die Stabilität der ganzen Kreditbranche.

Die Verhandlungen treten an jenem 18. November lange auf der Stelle. Schließlich macht Aufseher Sanio dem Hickhack ein Ende und stellt unmissverständlich klar, dass die Schmidt-Bank am nächsten Tag geschlossen werde, sollte nicht bis 18 Uhr am Abend noch eine Lösung gefunden werden. Schmidt beugt sich schließlich dem Druck, lenkt ein. Ein Bankenpool aus den vier großen Geschäftsbanken und der Bayerischen Landesbank übernimmt noch in der Nacht das marode Kreditinstitut. Schmidt ist seine Bank endgültig los.

Es ist das klägliche Aus für einen der letzten unabhängigen Privatbankiers in Deutschland. Und es wird eine der teuersten Krisen der deutschen Bankengeschichte überhaupt. Der Bundesverband der privaten Banken musste schließlich über eine Milliarde Euro in die Hand nehmen, um das Institut zu retten. Der Schaden war größer als beim legendären Zusammenbruch der Herstatt-Bank. Aber immerhin: Die Krise wurde relativ geräuschlos gelöst.

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