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18.01.2005

08:24 Uhr

Die Gontard & Metallbank wurde am Ende Opfer des großen Börsencrashs

Der Gründerkrach der Moderne

VonUlf Sommer

Sage noch einer, Börsen seien Spekulation und spiegelten nicht die Realwirtschaft wider. Die Gontard & Metallbank beweist das Gegenteil. Nach dem großen Gründerkrach im Deutschen Reich 1873 und dem folgenden Kurssturz ist ihr erstes Aus ganz nah. Doch die Bank überlebt. Knapp 130 Jahre später stürzt der „Gründerkrach der Moderne“ das Institut in eine neuerliche Pleite. Vergeblich spekulieren Anleger bislang auf eine Renaissance.

DÜSSELDORF. Rückblende: Nach dem Deutsch-Französischen Krieg und der Gründung des Deutschen Reiches sehen viele Bürger den dauerhaften Aufschwung gekommen. Sieges- und euphorietrunken gründen sich Tausende kleine Unternehmen und Aktiengesellschaften. Weil aber viele junge „Startups“ auf schwachen Füßen stehen, reist der Konkurs einzelner bald auch gesunde Unternehmen in den Abwärtsstrudel. Die Wirtschaft versinkt in einer Rezession.

Der fallende Metallpreis wird der angesehenen Bank Cohen in Hannover zum Verhängnis. Das Traditionshaus verdiente viel Geld mit Investitionen in der boomenden Textilindustrie, im Eisenbahnbau und vor allem mit der Gründung hoffnungsvoller Aktiengesellschaften. Doch deren Niedergang und fehlgeschlagene Spekulationen auf den Silberpreis führen 1875 zum Konkurs. Alles, was das angesehene Stammhaus in Hannover jetzt noch tun kann, ist, das Bankhaus Cohen in eines seiner Metallhandelsunternehmen zu überführen.

Die von Wilhelm Merton geleitete Metallgesellschaft bietet sich an. Knapp an der Pleite vorbeigeschrammt, gründet Merton mit Hilfe des ihm angetragenen Bankhauses Cohen die Metallbank. Sie fusioniert 1999 mit dem 273 Jahre alten Bankhaus Heinrich Gontard & Co, das sein Geld lange Zeit im Handel mit Waren und dessen Finanzierung sowie der Herausgabe von Anleihen verdiente.

Gut 120 Jahre später wiederholt sich die Geschichte. Der weltweite Siegeszug des Internets lässt kurz vor dem Beginn des 21. Jahrhunderts weite Teile der Bevölkerung vom Reichtum träumen. Hunderte kleine Jungunternehmen wagen sich an die Börse. Umsatz und Gewinn sind dabei nicht wichtig, allein Visionen zählen.

Die Metallbank als Nachfahr des Bankhauses Cohen ist beim zweiten Gründerboom ganz vorn dabei. Der Bogen ist rasch geschlagen: Weil er aus dem maroden Gummibandhersteller Goldzack einen erfolgreichen Finanzdienstleister stricken will, kauft der Mittelständler Dietrich Walther von der Bankiersfamilie Wilhelm und Karl-Ludwig Hoos die Gontard-Bank und von der fränkischen Schmidt-Bank die Metallbank. Deren Geschäfte liegen seit dem Fast-Bankrott der Konzernmutter Metallgesellschaft weitgehend brach. Walthers Ziel ist es, Gontard- und Metallbank zu verschmelzen, an die Börse zu bringen und aus ihr eine Emissionsfabrik zu machen.

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