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14.01.2005

10:09 Uhr

Die junge Privatbank blickt auf eine lange Vergangenheit - Einst galten die Augsburger als die reichste Familie der Welt

Die Fugger auf der Suche nach dem alten Glanz

VonChristian Potthoff (Handelsblatt)

Wenn es um sagenhaften Reichtum geht, fällt unweigerlich ein Name: Fugger. Die Augsburger Familie häufte im 15. und 16. Jahrhundert ein gewaltiges Vermögen an, Anton Fugger galt sogar als der reichste Mann der Welt. Den Grundstock des Besitzes bildete zwar das Handelsgeschäft, doch richtig reich wurde der Clan erst mit einer Kombination aus Kaufmanns- und Bankiersgeschäften.

HB AUGSBURG. Schon 1486 bezeichnet der Augsburger Stadtrat das Handelshaus der Gebrüder Fugger folgerichtig erstmals als Bank.

Von dieser über 500-jährigen Tradition zehrt heute die Fürst Fugger Privatbank in Augsburg. Ungeachtet des ehrwürdigen Namens ist das Institut aber gerade einmal 50 Jahre alt. Denn nach dem Dreißigjährigen Krieg war es mit den Bankaktivitäten der Fugger für lange Zeit vorbei. Erst 1954 gründete Friedrich Carl Fürst Fugger-Babenhausen in Augsburg die "neue" Bank, damals noch unter dem Namen Fürst Fugger-Babenhausen Bank KG.

Mit dem Glamour früherer Zeiten hat das Institut allerdings wenig gemein. Machten die Vorfahren ihre Geschäfte am liebsten mit Königen und Herzögen, widmete sich die Fugger Bank dem mühseligen Brot- und Butter-Geschäft vom Sparbuch bis zum Firmenkredit. Und statt wie die Vorfahren ein europaweites Handelsimperium zu dirigieren, beschränkte sich das neue Institut mit sieben Filialen auf Bayerisch-Schwaben. Anfang der neunziger Jahre drehten die Manager die Strategie: Sie hatten erkannt, dass kleine Spieler im Bankenmarkt nur eine Chance haben, wenn sie sich spezialisieren. Seitdem setzt das Institut, das mittlerweile der Nürnberger Versicherungsgruppe gehört, auf das Privatkundengeschäft mit dem Schwerpunkt in der Vermögensanlage. "Von der Philosophie her wollen wir in Richtung Sal. Oppenheim und M.M. Warburg gehen", sagt Otto Ernst, persönlich haftender Gesellschafter und Vorsitzender der Geschäftsleitung. Ein ambitioniertes Ziel, schließlich gehören die beide Häuser zu den nobelsten Adressen in Deutschland.

Wie man Geld scheffelt, hütet und vermehrt, kann Ernst in den Familienchroniken der Fugger nachlesen. Noch heute wird in manchen Wörterbüchern "fuggern" als Synonym für "schachern" oder "wohlfeil verkaufen" geführt. Und noch immer liest sich der Aufstieg der alten Fugger wie eine Frühform der Geschichte vom Tellerwäscher zum Multimilliardär. Die Saga begann 1367, als Hans Fugger aus dem Örtchen Graben im Lechfeld nach Augsburg zog, um als Weber sein Glück zu suchen. Dank kluger Geschäfte und einer geschickten Heiratspolitik arbeitete er sich zu einem gewissen Wohlstand empor: Dreißig Jahre später stand er immerhin auf Platz 41 der Liste der wichtigsten Steuerzahler Augsburgs.

Die Mutation von einer wohlhabenden Familie zu einem wirklich reichen Clan läutete 1473 aber erst Ulrich Fugger ein - und zwar mit dem "ersten politischen Finanzgeschäft", wie es in einer Firmengeschichte der Fugger Bank heißt. Ulrich ließ Kaiser Friedrich III. und dessen Gefolge prunkvoll mit edlen Stoffen und Tüchern ausstatten, damit Friedrich standesgemäß für die Braut seines Sohns Maximilian - Maria von Burgund - werben konnte. Großzügig stundete Ulrich die Schulden und erwartete keine Rückzahlung.

Als Dank dafür erhielt er nicht nur das Wappen mit zwei Lilien, das bis heute Aushängeschild des Hauses ist. Vor allem legte der Mann, in dem viele den ersten deutschen Banker sehen, mit dem Geschenk den Grundstein für eine äußerst lukrative Beziehung mit den Habsburgern. Das Geschäftsmodell war einfach: Die Fugger beschafften das Geld und bekamen immer neue Sicherheiten wie Berg- oder Schürfrechte und Handelsprivilegien, an deren Ausbeutung sie klotzig verdienten.

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