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13.08.2014

20:13 Uhr

Die nächste Subprime-Krise?

Das gewagte Spiel mit den Autokrediten

VonAxel Postinett

Nicht alle haben aus der Immobilienkrise gelernt: In den USA vergeben viele Autokonzerne Kredite an schlechte Schuldner – und verkaufen sie an Investoren weiter. Droht die nächste Subprime-Krise?

Schönes Auto, schlechte Bonität: Viele Hersteller vergeben Subprime-Kredite und verkaufen sie an Investoren. AFP

Schönes Auto, schlechte Bonität: Viele Hersteller vergeben Subprime-Kredite und verkaufen sie an Investoren.

San FranciscoDas Justizministerium will es jetzt genau wissen: General Motors Financial und Santander Consumer haben vergangene Woche Post aus Washington bekommen. Die beiden mächtigsten Spieler im Markt für die Verbriefung und den Weiterverkauf von Autokrediten bestätigten in Pflichtmitteilungen an die Börsenaufsicht, dass sie aufgefordert wurden der US-Justizbehörde Daten und Informationen zur Vergabe von Autokrediten seit 2007 zukommen zu lassen. Anschuldigungen oder Verdächtigungen sucht man daneben vergebens in den Schreiben – es ist offenbar erst einmal eine riesige Datensammlung, um zu lernen und zu verstehen, was in diesem Markt vor sich geht und ob sich da etwas zusammenbraut, was wir alle zur Genüge kennen.

Die Emotionen gehen hoch, seit die New York Times in einem Seite-1-Aufmacher Mitte Juli vor einer Katastrophe nach dem Strickmuster von 2007 gewarnt hat, als das Weltwirtschaftssystem praktisch kollabierte. Ausgelöst wurde das Ganze durch eine Kernschmelze des Subprime-Marktes für Immobilien in den USA. Subprime-Kredite sind Anleihen für Schuldner mit schlechter Kreditwürdigkeit und deshalb mit hohen Zinsen. An sich ist das nichts verwerfliches, aber viele Finanzinstitute hatten angefangen zu tricksen.

Sie schummelten, fälschten oder schönten Angaben zur Kreditwürdigkeit, gaben praktisch sogenannte „Ninja-Kredite“ heraus. Das ist Branchenslang für: No income, no job, no Assets. Kein Einkommen, kein Job, kein Vermögen – und trotzdem Hauskredite. Die wiederum wurden dann in Form von Anleihen gebündelt und an Investoren verkauft. Damit hatte man das Problem vom Hals. Bis dann eben alles zusammenbrach, weil die Masse der Kredite nicht mehr bedient werden konnte.

Da sind wir bald wieder, fürchten die Kritiker des Systems. Die Zocker an Wall Street haben nichts gelernt. Andere Stimmen warnen vor einer unnötigen Hysterie. Der Subprime-Markt für Autoanleihen sei nur einen Bruchteil so groß wie der für Immobilienanleihen. Insgesamt, so die Zahlen der New Yorker Zentralbank, standen im ersten Quartal 2014 rund 875 Milliarden Dollar an Autokrediten aus. Das sei der höchste Wert seit zehn Jahren, so die Fed.

Die Zahl der Autokredite an Schuldner mit zweifelhafter Kreditwürdigkeit ist laut New York Times dabei in den vergangenen fünf Jahren um 130 Prozent gestiegen. Einer von vier Krediten für Gebrauchtwagen geht an Käufer mit einem Kreditrating unter 624, was in den USA als problematisch gilt, warnt die Ratingagentur Standard&Poor’s in einer Analyse. Ein kräftiger Anstieg gegenüber den 17 Prozent in 2009. Eine Aufweichung der Vergabe-Richtlinien und viel frisches Geld von Banken und Hedgefonds werden als Gründe genannt.

Kommentare (1)

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Herr Moritz J. Mueller

13.08.2014, 20:30 Uhr

Droht die nächste Subprime-Krise? Aber natürlich. Und sehr viel gigantischer als die erste...
Der Kollaps ausgelöst durch die erste Subprime-Krise ist ja nur durch noch höhere Schulden abgewendet worden. Zu Lasten aller. Es hat eigentlich nichts anderes als eine Insolvenzverschleppung statt gefunden, aber in planetarischen Stil...

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