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10.01.2005

08:23 Uhr

Die Privatbanken haben einen langen Aufstieg und einen tiefen Fall hinter sich – Heute sind die wenigen verbliebenen Institute sehr erfolgreich

Vom Händler zum Juwel der Bankenbranche

VonClaudia Wanner (Handelsblatt)

Das Ende ihrer Ära wurde schon oft ausgerufen. Schließlich schrumpft die Zahl der klassischen deutschen Privatbanken seit Jahren.

FRANKFURT/M. 1960 zählte die Bundesbankstatistik noch 209 Institute, 1997 gerade noch 59. Im Jahr darauf folgte die Zäsur: Die Zentralbank stellte die Zählung der deutschen Privatbanken mit der Begründung ein, ihre Zahl sei zu klein geworden.

Doch von einem Ende kann keine Rede sein. Zu Jahresbeginn hat das Bankhaus Sal. Oppenheim die BHF-Bank übernommen und ist damit zur größten Privatbankgruppe Europas aufgestiegen. Andere Institute erfreuen sich ebenfalls großer Lebendigkeit: In Zeiten, in denen es die deutsche Großbanken alles andere als leicht haben, zeigen die Privatbanken ein erstaunliches Maß an Widerstandsfähigkeit. Das Handelsblatt portraitiert in den kommenden Tagen einige der Privatinstitute, die in Deutschland Geschichte geschrieben haben oder noch schreiben.

Das Lamento über den Untergang der Branche hat dabei schon früh begonnen: „Bereits vor dem Ersten Weltkrieg sahen viele Zeitgenossen die Privatbank als eine überholte Unternehmensform an, und für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg sprach man, wohl etwas überzogen, gar schon von einem ,verschwundenen wirtschafts- und großbürgerlichen Relikt’“, schreibt Hans Pohl, Professor für Wirtschaftsgeschichte an der Uni Bonn, in einem Buchbeitrag über die Nischenstrategien der Privatbankiers.

Sicher, viele der Institute gehören inzwischen zu großen Konzernen: an Trinkaus & Burkhardt hält die britische HSBC gut drei Viertel, die drei Bankhäuser Bethmann, Maffei und Delbrück sind als Töchter der niederländischen ABN Amro fusioniert, an Hauck & Aufhäuser ist die BayernLB beteiligt. Es gibt aber auch noch einige wenige Institute, die – von persönlich haftenden Gesellschaftern geführt – seit Jahrhunderten im Besitz der Nachfahren der Gründerfamilie sind. Sal. Oppenheim in Köln gehört dazu, das Frankfurter Bankhaus Metzler, MM Warburg aus Hamburg und die ebenfalls hanseatische Berenberg Bank. Die Wurzeln dieser Institute reichen weit in die Vergangenheit: die der Oppenheims bis 1789, Warburg wurde 1798 gegründet, und die älteste deutsche Bank, Berenberg, führt ihren Ursprung auf das Jahr 1590 zurück.

In ihren Anfängen waren die Bankiers oft auch Händler, ihr Bankgeschäft eng mit dem Warenhandel verbunden. „Man kann sogar sagen, dass sich der Beruf des Bankiers durch Spezialisierung auf bestimmte, mit dem Handel verbundene Aufgabenfelder entwickelt hat“, sagt Michael Jurk, Leiter des historischen Archivs der Dresdner Bank. Jurk verweist als Beispiel auf die Gründer des Frankfurter Bankhauses Neufville, die mit Wolle, Tuch, Seide und Juwelen handelten und zunächst vor allem die Finanzierung dieser Waren organisierten. Der Leistungsverbund von Geldgeschäft und Warenhandel habe sich erst ab der Mitte des 18. Jahrhunderts aufgelöst, sagt der Historiker.

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