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08.03.2006

18:05 Uhr

Diskussion um Ost-Erweiterung

Profumo fährt sich fest

VonChristoph Hardt und Katharina Kort

Unicredito-Chef Alessandro Profumo setzt alles daran, aus seinem Haus einen europäischen Bankkonzern zu formen. Doch dabei stößt er in Osteuropa auf unerwartete Schwierigkeiten.

Alessandro Profumo, Chef der italienischen Großbank Unicredit, hat große Ziele. Foto: ap

Alessandro Profumo, Chef der italienischen Großbank Unicredit, hat große Ziele. Foto: ap

MÜNCHEN / MAILAND. „Die neue Grenze im Osten: Die Herausforderungen des New Europe“ – in einem nüchternen Saal im Mailänder Palazzo delle Stelline debattiert am Montagabend ein erlesener Kreis über die Ost-Erweiterung der Europäischen Union (EU). Viel Prominenz sitzt auf dem Podium, auch Alessandro Profumo, der Vorstandschef der Großbank Unicredito. Er ist Mitautor des Buches zur Industriepolitik im erweiterten Europa, das an diesem Abend vorgestellt wird.

Im dunklen McKinsey-Outfit duzt er sich mit den EU-Spezialisten und sagt Sätze wie: „Entweder denkt man in europäischen Dimensionen oder man wird nur schwer in optimalen Dimensionen für die Kunden und die Bank arbeiten können.“ Schön, dass die EU-Idee so gut als Passepartout für seine Geschäftsstrategie taugt. Dumm, dass Idee und Wirklichkeit derzeit wenig miteinander zu tun haben.

Blicken wir dennoch transalpin in den Geschäftsbereich, der bei Unicredito „New Europe“ heißt. Dort knirscht es, dass man es selbst in Mailand hört. So traf am heutigen Mittwoch die polnische Bankenaufsicht zusammen, um über die Fusion der Unicredito-Tochter Bank Pekao und der HVB-Tochter BPH zu diskutieren. Dafür reist Profumo nach Warschau. Wichtige Politiker der polnischen Rechtsregierung machen Front gegen die Fusion – Ausgang offen.

Das gilt auch für den Termin 15. März. Bis dahin hatten sich Unicredito und der Betriebsrat der Bank Austria-Creditanstalt (BA-CA) Zeit gegeben, um den Fusionsprozess abzustimmen. Doch der Termin wackelt. Noch immer geht es um den „Bank der Regionen-Vertrag“. Ihn hat die BA-CA einst mit der von Unicredito übernommenen Hypo-Vereinsbank (HVB) geschlossen. Er sichert dem Betriebsrat ein Vetorecht gegen den Umbau der Bank. Hierbei geht es auch um Geld; der Gewinn der BA-CA stammt im wesentlichen aus dem Osteuropa-Geschäft. 2005 hat die Bank 32 Mill. Euro an ihre knapp 10 000 Mitarbeiter als Erfolgsprämie ausgeschüttet. Der Betriebsrat scheint zum Konflikt bereit. Profumo gibt sich gelassen: „Warum sollte ich das Datum verschieben?“

In Wien macht die BA-CA derweil Geschäft, als gäbe es gar keine italienischen Hausherren. „Unicredito? Davon merken sie nichts“, sagt ein Banker. Die BA-CA-Aktien, die an Unicredito übergeben werden sollen, seien noch im Besitz der HVB. Ein Bankenanalyst: „Ich weiß nicht, ob Profumo ahnte, was er da gekauft hat.“

Verglichen mit Wien sind die Dinge in München weiter gediehen. Vor kurzem hat der HVB-Aufsichtsrat 35 Umbauprojekte durchgewinkt. Fest steht, dass im IT-Bereich 600 Stellen wegfallen. Klar ist auch, dass die HVB die Abwicklung ihres Zahlungsverkehrs an die Postbank geben wird. Die Verträge seien fertig, die Unterschriften nur noch eine Frage von Stunden.

Die Geschäftsbereiche der HVB werden nun nach dem Vorbild Unicredito geordnet. Das bedeutet auch, dass kleinere Geschäftskunden unter das „Private Banking“ fallen werden. Betroffene Mitarbeiter werden bereits informiert. „Es gibt viele Dinge, die schon funktionieren“, sagt Profumo in Mailand. Dagegen dürfte der personelle Aderlass bei der HVB kaum zu stoppen sein. In Finanzkreisen heißt es, im Investment-Banking sei mit weiteren Abgängen zu rechnen. Der 31. März sei der Tag, an dem unzufriedene Investmentbanker in der Regel ihren Dienst quittierten. Profumo gibt sich am Europa-Abend auch in dieser Hinsicht gelassen: „Bei der HVB gibt es viele Talente, die nachrücken können.“

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