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21.01.2005

14:37 Uhr

Dividende fällt aus - hohe Verluste

HVB kündigt Milliarden-Abschreibung an

Die Münchener Hypo-Vereinsbank wird wegen milliardenschwerer Wertberichtigungen auf Immobilienkredite auch 2004 einen hohen Verlust ausweisen. Einige Fondsmanager und Händler zweifeln nun sogar an der Überlebensfähigkeit der HVB.

Dieter Rampl, Vorstandssprecher der Hypo-Vereinsbank. Foto: dpa

Dieter Rampl, Vorstandssprecher der Hypo-Vereinsbank. Foto: dpa

HB MÜNCHEN. Die Dividende soll wie schon für die vorangegangenen beiden Geschäftsjahre ausfallen. Die zweitgrößte deutsche Bank teilte überraschend mit, die problematischen Bestände des deutschen Immobilienfinanzierungsgeschäfts mit etwa 15 Milliarden Euro Volumen würden in eine Restrukturierungseinheit überführt. Diese Bestände sollten ganz abgebaut werden. Um künftige Verluste daraus zu vermeiden, verbucht die HVB eine Wertberichtigung von 2,5 Milliarden Euro.

„Die Sonderwertberichtigung wird im Konzernabschluss 2004 berücksichtigt und zu einem entsprechenden Verlustausweis führen“, hieß es. Analysten halten nun eine Kapitalerhöhung für ratsam. Auch ein Experte der einflussreichen Ratingagentur Standard & Poors sagte, er würde einen solchen Schritt vorziehen. Die HVB kündigte an, auch Rückstellungen für das anstehende Sparprogramm im Inland von 250 Millionen Euro würden 2004 die Bilanz belasten. „Wir entlasten künftige Ertragsrechnungen in erheblichem Umfang“, erklärte HVB-Chef Dieter Rampl. Damit würden die wesentlichen Voraussetzungen geschaffen, um zügig ein wettbewerbsfähiges Ertragsniveau zu erreichen.

Rampl kämpft seit seinem Amtsantritt vor zwei Jahren um eine Sanierung der HVB. Für 2003 hatte die Großbank ebenfalls wegen enormer Abschreibungen einen Verlust von 2,4 Milliarden Euro verbucht. Ein Sparprogramm für das problematische Inlandsgeschäft will Rampl Ende Februar vorstellen. Damit sollen nach früheren Angaben aus Finanzkreisen etwa 300 Millionen Euro gespart werden. Vor allem Backoffice-Bereiche ohne Kundenkontakt sollen betroffen sein.

HVB hält an Zielen für Kapitalrendite 2005 fest

Für 2005 hielt die HVB an der bisherigen mittelfristigen Prognose fest, wonach die Eigenkapitalrendite nach Steuern etwa den Kapitalkosten entsprechen solle. Die Risikovorsorge solle wieder auf ein normales Niveau von etwa 1,3 Milliarden Euro nach erwarteten 1,8 Milliarden Euro für 2004 sinken.

Im Kern strukturiert die HVB nun ihr problembeladenes Inlandsgeschäft um, dessen Ertrag bislang stark durch Risiken aus Immobilienfinanzierungen belastet war. Im dritten Quartal 2004 hatte die HVB nur noch einen marginalen Konzerngewinn von sechs Millionen Euro ausgewiesen, weil sich der Betriebsverlust der Inlandssparte stark ausgeweitet hatte.

Ziel der jetzigen Maßnahme sei es, die dem Segment „Real Estate Restructuring“ zuzuordnenden Immobilienportfolien marktschonend ganz abzubauen, erklärte die HVB. Die Verantwortung dafür übernehme der Immobilien-Experte Johann Berger, der sein Vorstandsamt Anfang April antritt. Die HVB betonte, die private Immobilienfinanzierung bleibe wie bisher zentraler Bestandteil des Produktangebots der Bank. In der kommerziellen Immobilienfinanzierung jedoch würden die Vergabekriterien nochmals verschärft.

Wie hoch der Jahresverlust 2004 am Ende ausfällt, gab die HVB nicht bekannt. Ein Sprecher sagte, die Wertberichtigungen seien nicht gleichzusetzen mit dem Verlust. In den ersten neun Monaten hatte die HVB 214 Millionen Euro Gewinn verbucht. 2003 hatte der Verlust der Bank 2,4 Milliarden Euro betragen.

Aktie nach Aussetzung vom Handel im Plus

An der Börse wurde die HVB-Aktie zeitweise vom Handel ausgesetzt. Nach Wiederaufnahme des Handels legte die Aktie in einem schwächeren Gesamtmarkt zu und notierte zeitweise um 2,19 Prozent fester bei 18,16 Euro. Marktteilnehmer werteten den Schritt offenbar als Bereinigung auf dem Weg zu einer denkbaren Fusion. „Da werden die letzten Leichen aus dem Keller gekehrt“, sagte ein Händler. Die Rating-Agentur Standard & Poor's kündigte an, eine Herabstufung der Bonität der HVB von bisher „A-“ zu prüfen, was die Refinanzierung der Bank verteuern würde. Finanzexperten erklärten, mit einer Kernkapitalquote von nun sechs Prozent sei eine erneute Kapitalerhöhung ratsam. „Die entscheidende Frage ist, ob das endlich das Ende der Wertberichtigungen war. Wenn nicht, wird die HVB bei den Rating-Agenturen abgestraft werden, zumal keine Kapitalerhöhung angekündigt worden ist“, sagte ein Frankfurter Fondsmanager. Mit einem Rating im B-Bereich sei die HVB nicht überlebensfähig. „Eine Kapitalerhöhung wäre ratsam.“

Ähnlich äußerte sich Bank-Analyst Metehan Sen vom Bankhaus Sal. Oppenheim: „Die Bank schreibt seit Jahren ständig ab und die Leute fragen sich natürlich, ob das Ende erreicht ist. Danach sieht es nicht aus, und das ist enttäuschend.“

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