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08.11.2011

11:57 Uhr

Dividende gestrichen

Société Générale schröpft Aktionäre

VonTino Andresen

Es kam schlimm, aber es hätte noch schlimmer kommen können: Die Société Générale wurde von der Griechenland-Krise hart getroffen. Doch die Abschreibungen waren nicht so hoch wie erwartet. Die Aktionäre leiden dennoch.

Die Zentrale der Societe Generale nahe Paris: Griechenland macht Sorgen. dpa

Die Zentrale der Societe Generale nahe Paris: Griechenland macht Sorgen.

ParisDie Schuldenkrise Griechenlands hat Frankreichs zweitgrößter Bank Société Générale einen überraschend starken Gewinneinbruch eingebrockt. Im vergangenen Quartal rutschte der Gewinn unter anderem wegen Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen um mehr als 30 Prozent auf 622 Millionen Euro ab, wie das Geldhaus am Dienstag mitteilte. Analysten hatten im Schnitt 858 Millionen erwartet.

Die Société Générale (SocGen) hat sich ein Beispiel an BNP Paribas genommen und griechische Staatsanleihen wie der Branchenführer in der vergangenen Woche auf 40 Prozent des  Nominalwerts abgeschrieben. Für das dritte Quartal bedeutete das konkret Abschreibungen in Höhe von 239 Millionen Euro. Insgesamt beziffert die Bank ihr Risiko in den besonders von der Schuldenkrise bedrohten Ländern Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien Ende Oktober auf 3,4 Milliarden Euro.

Das Risiko von SocGen in den fünf Schuldenländern

Irland0,30 Milliarden Euro
Portugal0,21 Milliarden Euro
Griechenland0,66 Milliarden Euro
Italien1,57 Milliarden Euro
Spanien0,68 Millarden Euro.

Frankreichs zweitgrößtes Geldhaus hat sich vom 1. Juli bis 1. November von Aktiva in Höhe von zehn Milliarden Euro in der Sparte Investment-Banking getrennt. Damit sind nach seinen Angaben mehr als zwei Drittel der angekündigten Reduzierung umgesetzt. Bereits zuvor hatte SocGen angekündigt, die Kosten im Investment-Banking um fünf Prozent zu senken.

Zusätzlich plant die Bank eine Verkleinerung ihrer Belegschaft, die Oudéa am Dienstag auch auf Nachfrage nicht näher konkretisierte. Den Liquiditätsbedarf hat sie seit Ende Juni um 40 Milliarden Euro gesenkt.

Die Malaise der französischen Banken

Großbanken unter Druck

Die französischen Großbanken haben ähnliche Probleme - allen voran ihr starkes Engagement in Griechenland. Aber sie in einen Top zu werfen wäre nicht korrekt - zu unterschiedlich sind die drei Institute. Hier ein Überblick.

BNP Paribas: mit 24 Milliarden engagiert

Die Skepsis ist groß angesichts der verfahrenen Lage in der Euro-Krise und BNPs starker Stellung im finanziell angeschlagenen Italien. Die Bank hat nach Angaben der Europäischen Bankenaufsicht Rom-Anleihen für rund 24 Milliarden Euro in ihren Büchern, hinzu kommen hohe Kredite an Unternehmen und Privatkunden.

BNP Paribas: Schrumpfkur soll Anleger überzeugen

Es gibt bereits Pläne für einen Umbau der größten Bank Frankreichs. Diese bestehen im Wesentlichen aus einer rigiden Schrumpfkur: Risikogewichtete Aktiva im Volumen von 70 Milliarden Euro sollen abgebaut werden. Die Konzernbilanz würde dadurch bis Ende 2012 um etwa zehn Prozent verkleinert. Ziel von BNP-Chef Baudouin Prot ist, auf diese Weise so viel Kapital freizusetzen, um Anfang 2013 auf eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent zu kommen.

BNP Paribas: krisenfest werden

Damit würde die Bank die internationalen Mindestanforderungen für die Kapitalausstattung übererfüllen. Prot versucht auf diesem Weg, die Bank ohne die Ausgabe neuer Aktien krisenfest zu machen. Eine Kapitalerhöhung wird von vielen Beobachtern als notwendig erachtet, doch der Zeitpunkt ist wegen der starken Kursverluste äußerst ungünstig: Seit Jahresbeginn hat BNP Paribas rund 40 Prozent ihres Börsenwerts verloren.

BNP Paribas: Spekulationen verhindern

Prot bemühte sich zudem erneut, Spekulationen über Liquiditätsengpässe bei der Bank zu beenden. Zwar hätten amerikanische Geldmarktfonds zuletzt weniger kurzfristige Mittel bereitgestellt. BNP Paribas habe dies aber problemlos kompensieren können. Die Anleger blieben skeptisch: Der Aktienkurs gab gestern rund drei Prozent nach.

Société Générale: weitere Herabstufungen möglich

Seit Wochen sorgt die finanzielle Lage der Bank für Skepsis auf den internationalen Aktienmärkten. Daran änderten auch Sparpläne und angekündigte Verkäufe von Aktiva nichts. Die Moody’s-Herabstufung verstärkte die Zweifel nur. Die Bank wurde damit für ihr großes Engagement in Griechenland bestraft. Weitere Herabstufungen seien möglich, mahnte die Ratingagentur – der Ausblick sei negativ.

Société Générale: was Hoffnung macht

Es hätte für die SocGen schlimmer kommen können. Die Ratingagentur erklärte die Herabsetzung um „nur“ eine Stufe damit, dass das Institut über eine ausreichende Profitabilität und Kapitalisierung verfüge. Die Bank sei damit in der Lage, weiterhin potenzielle Verluste auszugleichen – auch die ihrer griechischen Filiale Geneki. Allerdings würden die Neufinanzierungssituation sowie die Liquidität der Bank beobachtet.

Société Générale: zu groß für die Pleite?

Moody’s erklärte auch, bei der SocGen seien mögliche öffentliche Finanzhilfen berücksichtigt worden. Damit kommt die Hoffnung zum Ausdruck, dass die Bank im Ernstfall vom französischen Staat aufgefangen werde, um ein systemisches Risiko zu verhindern. Die SocGen wies in einer Pressemitteilung darauf hin, dass das Griechenland-Risiko von Moody’s als zu bewältigen angesehen werde.

Société Générale: herber Gewinneinbruch

Die Bank hat das Volumen griechischer Staatsanleihen zwar schon stark reduziert, sie hält aber noch immer mehr als eine Milliarde Euro. Das private und öffentliche Engagement in Griechenland wird zusammen auf 6,6 Milliarden Euro geschätzt. SocGen hatte im zweiten Quartal durch hohe Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen einen derben Gewinneinbruch erlebt. Den Wert der von ihr gehaltenen Athen-Anleihen hat die Bank um 395 Millionen Euro nach unten korrigiert. An der Börse wird SocGen nur noch mit rund 13 Milliarden Euro bewertet.

Société Générale: Gefahr der Übernahme?

Die Bank laufe jetzt Gefahr, Ziel einer Übernahme zu werden, sagte Jean-Pierre Balligand, Abgeordneter der sozialistischen Partei, in einem Interview gegenüber Bloomberg News. 

Crédit Agricole: großes Griechenland-Engagement

Die drittgrößte Bank Frankreichs besitze zwar ausreichend Reserven, um mögliche Verluste in Griechenland in Griff zu bekommen, schrieb die Agentur Moody’s. Das Institut sei aber über sein Tochterunternehmen Emporiki-Bank sehr stark in Griechenland engagiert.

Crédit Agricole: viele Zweifel

Die Möglichkeiten zur Neufinanzierung sowie die Liquidität der Bank würden deshalb weiter beobachtet. Bei der aktuell nervösen Lage der Aktien- und Finanzmärkte sei nicht auszuschließen, dass sich die Neufinanzierungssituation verschlechtere, schrieb Moody’s. Sowohl bei Société Générale als auch bei Crédit Agricole gibt es Zweifel an einer Refinanzierung über die US-Kapitalmärkte. CA hält die Zweifel für unbegründet.

Crédit Agricole: 26 Milliarden im Feuer

Die französische Nummer drei hat mit der griechischen Emporiki-Bank 26,4 Milliarden Euro im Feuer – vor allem im Privatkundengeschäft. Darüber hinaus ist das Finanzinstitut auch in Italien sehr präsent und hält italienische Staatspapiere im Volumen von zehn Milliarden Euro. CA beziffert die Belastungen aus den Abschreibungen auf die von ihr gehaltenen Griechenland-Anleihen sowie auf die Tochter Emporiki im zweiten Quartal auf 640 Millionen Euro netto. Der Gewinn sank im abgelaufenen Quartal um elf Prozent auf 339 Millionen Euro.

Crédit Agricole: Aktie unter Druck

Seit Anfang des Jahres ist der Aktienkurs des Konzerns um fast 50 Prozent gefallen. CA erklärte als Reaktion auf die Moody’s-Bewertung, man werde bis Jahresende einen Unterstützungsmechanismus für seinen Investment-Arm einführen. Das werde entweder eine Garantieerklärung oder eine vollständige Eingliederung des Investment-Bankings sein.    

Nach Lesart von SocGen zeigt das deutlich positive Nettoergebnis „die Schlagfestigkeit“ ihres Universalbankmodells. Die Beurteilung durch die Ratingagentur Moody’s war Mitte September deutlich schlechter ausgefallen: Sie stufte die Bonität von SocGen um eine Stufe auf Aa3 herab, eine immer noch gute Kreditwürdigkeit. Zusätzlich ist der Ausblick negativ.

Bei einem angeblichen Geheimtreffen im Finanzministerium soll am 11. September eine „softe Verstaatlichung“ von Frankreichs zweitgrößter Bank zur Diskussion gestanden haben. Deren Chef Oudéa hätte eine Milliarden-Kapitalspritze akzeptiert, wenn auch die anderen Institute sie in Anspruch genommen hätten. Doch die BNP verweigerte diesen Schritt.

Das Management kündigte an, die Dividende für 2011 zu streichen, um die Kapitalbasis der Bank zu stärken. Dazu sollen früheren Angaben zufolge auch Geschäftsverkäufe beitragen. Den eigenen Kapitalbedarf bezifferte Societe Generale nun auf 2,1 Milliarden Euro. Dieser solle aus eigenen Mitteln aufgebracht werden. Nach den Beschlüssen der Euro-Krisengipfel hatte die französische Zentralbank den Kapitalbedarf der SocGen noch auf 3,3 Milliarden Euro beziffert.

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