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21.09.2012

15:28 Uhr

Dramatischer Stellenabbau

Investmentbanken ziehen die Notbremse

VonLaura de la Motte

Die Aussichten für Investmentbanken sind düster. Die Gewinne sind eingebrochen und schrumpfen trotz Kapitalmarkterholung weiter. Viele Institute haben die Konsequenzen schon gezogen und einen Stellenabbau angekündigt.

Das Investmentbanking hat nicht nur in Deutschland schlechte Zahlen geliefert: Stellenabbau droht weltweit. Reuters

Das Investmentbanking hat nicht nur in Deutschland schlechte Zahlen geliefert: Stellenabbau droht weltweit.

FrankfurtDiese Zahlen sind Wasser auf die Mühlen der Personalentscheider in den Investmentbanken, die in den letzten Monaten massive Stellenstreichungen angekündigt haben. Die Gebühreneinnahmen im Investment-Banking in Deutschland liegen nach dem dritten Quartal 31 Prozent unter dem Vorjahr.

Schuld an der Misere in Deutschland ist die anhaltende Euro-Schuldenkrise. Viele Akteure trauen der jüngsten und kräftigen Erholung an den Börsen noch nicht. "Sowohl die Unternehmen als auch die Banken warten auf politische Lösungen, doch selbst wenn diese kommen, werden sie an den aktuellen Trends bis zum Jahresende wenig ändern", sagt Leon Saunders Calvert, der bei Thomson Reuters für die Deals der Banken weltweit zuständig ist.

Das sind die größten Banken Deutschlands

Platz 12

2011 ist das letzte Jahr, für das die WestLB ihre Jahresbilanz bekannt gab. Die Bank, die zum Großteil dem Land Nordrhein-Westfalen, der NRW.Bank und den Sparkassenverbänden des Rheinlands und Westfalen-Lippe gehörte, ist mittlerweile zerschlagen. Die Zertifikategeschäfte übernahm die Helaba.

Bilanzsumme (2011): 167,90 Milliarden Euro

Platz 11

Die Postbank gehört mittlerweile zur Deutschen Bank und betreut mit rund 19.000 Angestellten fast 14 Millionen Kunden.

Bilanzsumme (2011): 192,00 Milliarden Euro

Platz 10

Die Eurohypo AG ist eine Tochter der Commerzbank  - und ein Milliardengrab. Zehn Jahre nach der Gründung wird die Hypothekenbank nun zerschlagen. Die Eurohypo AG ist nach der WestLB die zweite deutsche Bank, die die Krise nicht überlebt hat. Jedoch ist ihre Bilanzsumme noch um einiges größer als die der Landesbank.

Bilanzsumme (2011): 203,00 Milliarden Euro

Platz 9

Auch die NordLB schaffte es nur mit Staatsmitteln, die Bankenkrise zu überstehen. Die EU-Bankenaufsicht verordnete der Bank der Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ihr Eigenkapitalpolster gehörig aufzustocken.

Bilanzsumme (2011): 227,60 Milliarden Euro

Platz 8

Die BayernLB machte in den vergangenen Wochen mit einem Streit mit der EU-Kommission Schlagzeilen. Die in der Krise taumelnde Bank muss dem Land Bayern fünf Milliarden Euro an Krisenhilfen zurückzahlen.

Bilanzsumme (2011): 309,10 Milliarden Euro

Platz 7

Auch die Hypo Real Estate überlebte die Krise nur knapp: Die Immobilienbank wurde verstaatlicht und lagerte ihre Altlasten in eine Bad Bank aus. Bis 2015 muss die Hypo Real Estate jedoch wieder privatisiert werden, entschied die EU.

Bilanzsumme (2011): 236,60 Milliarden Euro

Platz 6

Die LBBW ist mit einer Bilanzsumme von über 370 Milliarden Euro die größte deutsche Landesbank. Das Geldinstitut gehört fast vollständig dem Land Baden-Württemberg, dem Sparkassenverband des Landes und der Stadt Stuttgart.

Bilanzsumme (2011): 373,10 Milliarden Euro

Platz 5

Die deutsche Unicredit Bank AG, besser bekannt unter ihrem Markennamen Hypovereinsbank, ist ein Tochterunternehmen der größten italienischen Bank, Unicredit. Die italienische Großbank hat gerade eine Umstrukturierung angekündigt: Die Tochtergesellschaften und damit auch die Hypovereinsbank sollen mehr Autonomie bekommen.

Bilanzsumme (2011): 395,70 Milliarden Euro

Platz 4

Zur DZ Bank AG gehören neben der Volksbanken Raiffeisenbanken auch die Bausparkasse Schwäbisch Hall oder die R+V Versicherung. Die DZ Bank AG ist das Zentralinstitut für insgesamt 900 Genossenschaftsbanken mit rund 30 Millionen Kunden.

Bilanzsumme (2011): 405,90 Milliarden Euro

Platz 3

Die Kreditanstalt für Wideraufbau (KfW) ist die deutsche Förderungsbank unter Aufsicht des Finanzministeriums. Sie gibt Kredite an Existenzgründer und Firmen im Rahmen von Förderprogrammen der Bundesregierung und ist für die Finanzierung von Infrastrukturvorhaben zuständig.

Bilanzsumme(2011): 494,80 Milliarden Euro

Platz 2

Die Commerzbank belegt mit einer Bilanzsumme von über 600 Milliarden Euro Platz zwei unter den größten deutschen Banken. Die Bank ist in 52 Ländern vertreten und betreut nach eigenen Angaben rund 15 Millionen Privat- und eine Millionen Firmenkunden in der ganzen Welt.

Bilanzsumme(2011): 661,80 Milliarden Euro

Platz 1

Die international erfolgreiche Deutsche Bank nimmt unangefochten den ersten Platz der größten deutschen Banken ein. Ihre Bilanzsumme ist rund 3,5 mal so groß wie die der Commerzbank. Die Bank beschäftigt über 100.000 Mitarbeiter – knapp 50.000 davon in Deutschland.

Bilanzsumme (2011): 2164,10 Milliarden Euro

Mit 393 Millionen Euro war das Herbstquartal dabei das zweitschwächste seit 2007. Seit Jahresanfang haben die Geldhäuser gerade mal 1,5 Milliarden Dollar hierzulande verdient. Das hat Thomson Reuters exklusiv für das Handelsblatt ermittelt. Damit dürften die 2,5 Milliarden Dollar aus den letzten drei Jahren unerreichbar sein. Utopisch erscheinen die 3,7 Milliarden Dollar aus dem Boomjahr 2007.

Die schwachen Zahlen kündigten sich schon in den Vorquartalen nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit an. Zusätzlich verteuern die neuen Eigenkapitalvorschriften "Basel III" bestimmte Geschäftsbereiche des Investment-Bankings.

Zahlreiche Banken haben bereits die Reißleine gezogen. Denn wo weniger verdient wird, müssen Kosten gesenkt werden: Deutsche Bank, UBS, Credit Suisse, Société Générale, BNP Paribas, Morgan Stanley, Goldman Sachs, JP Morgan und RBS kündigten bereits einen vierstelligen Stellenabbau an.

Gestern wurde bekannt, dass die japanische Nomura mit einem dramatischen Stellenabbau im europäischen Investment-Banking beginnt. In Finanzkreisen ist von 30 Prozent die Rede. Parallel dazu meldete Italiens größte Investmentbank Mediobanca einen Verlust von 24 Millionen Euro im abgelaufenen vierten Quartal.

Medienbericht: Deutsche Bank streicht Stellen in Deutschland

Medienbericht

Deutsche Bank streicht Stellen in Deutschland

Nachgelagerte Dienstleistungen sollen zusammengelegt werden.

In Deutschland wird zwar der Kuchen, der sich mit dem Investment-Banking verdienen lässt, insgesamt kleiner, an der Verteilung ändert sich dabei wenig. Topverdiener ist nach wie vor die Deutsche Bank, die mit 151,5 Millionen dennoch 37 Prozent weniger eingenommen hat als im Vorjahreszeitraum. In den Top 10 können sich einzig Morgan Stanley und die Landesbank Baden-Württemberg über Zuwächse freuen. Größter Verlierer ist die UBS, die von Platz zwei auf Platz 13 abrutscht.

Kommentare (1)

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salpeter

21.09.2012, 17:50 Uhr

Hoffentlich reißen die Riemen der Notbremsen und fliegt ihnen alles Restliche noch um die Ohren!!

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