Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.12.2011

09:35 Uhr

Dreijähriger Kredit

Banken bekommen Milliarden von der EZB

VonPeter Köhler

Mit Spannung erwarten die Finanzmärkte heute das Ergebnis des ersten Dreijahrestenders der Europäischen Zentralbank. Noch nie konnten sich die Geldhäuser unter solchen Bedingungen Geld von der Institution leihen.

Frische Euros für Europas Banken. Reuters

Frische Euros für Europas Banken.

FrankfurtÜber die Höhe der gesamten Gebote der Geschäftsbanken für den dreijährigen Kredit kursierten gestern Schätzungen, die in der Spitze von 300 Milliarden bis 450 Milliarden Euro reichten. Der Vizepräsident der EZB, Vitor Constancio, hatte bereits im Vorfeld eine "signifikante Nachfrage" der Banken erwartet.

Ziel dieser neuen Maßnahme ist es, die Refinanzierung der Banken angesichts der enormen Fälligkeiten im Jahr 2012 zu erleichtern und damit das Risiko einer Kreditklemme zu vermeiden. Wenn die Prognosen am oberen Ende erfüllt werden, dürfte sich die Liquiditätshilfe seitens der EZB über alle ihre Instrumente hinweg gerechnet auf 750 Milliarden Euro addieren, schätzen die Analysten der US-Bank Morgan Stanley.

Dies sei nur eine leichte Erhöhung, bei allerdings deutlich längerer Laufzeitenstruktur. Die EZB bietet die dreijährigen Mittel praktisch in unbegrenzter Höhe an, lediglich die von den Banken jeweils zu hinterlegenden Sicherheiten bilden noch einen Damm.

Die spanische Zentralbank hat den Banken des Landes schon geraten, ihren aktuellen Finanzbedarf vollständig mit dem neuen Instrument abzudecken. In Finanzkreisen hieß es gestern, mit der Aufforderung in Spanien, kräftig hinzulangen, wolle man das Stigma lindern, das Banken bei der Beschaffung von EZB-Geld anhaftet. Wegen des Vertrauensverlustes untereinander haben die Geldhäuser kaum noch Zugang zu den privaten Kapitalmärkten.

Viele Beobachter haben das neue Instrument als "Bazooka durch die Hintertür" zur Lösung der Krise bezeichnet, weil die Institute beispielsweise das Zentralbankgeld zu einem Prozent bekommen und Italien-Bonds mit einer Rendite von sechs bis sieben Prozent kaufen könnten. So würde die EZB indirekt mit ihrem Geld die Staatsschuldenkrise lindern.

Allerdings glauben die Analysten von Barclays Capital nicht an dieses Szenario, weil die Banken bei weiteren Herabstufungen von Länderratings und einer Verschärfung der Schuldenkrise dann neue Abschreibungen verdauen müssten. Auch könne die EZB kein Interesse daran haben, dass die Abhängigkeit vom Zentralbankgeld zunimmt und damit die Emissionen der Banken an den Kapitalmärkten weiter hinausgezögert werden.

Und letztlich könnte es in Zukunft bei Investoren schlecht ankommen, wenn das Management einer Bank mit EZB-Geld spekuliert hat, anstatt die Kapitalausstattung der Bank zu stärken. Politiker könnten zudem in die Geschäftspolitik der Banken eingreifen, wenn diese sich über die EZB sanierten.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

G.R.

21.12.2011, 09:53 Uhr

Noch nie konnten sich die Geldhäuser unter solchen Besingungen Geld von der Institution leihen.
Meine Frage: Was sind Besingungen?
Lesen Sie den Mist bitte vorher!

karstenberwanger

21.12.2011, 11:20 Uhr

Es sitzen nach wie vor die selben Trottel an den Hebeln wie vorher. Wir "wählen" nach wie vor die PArteiendiktatur und nach wie vor funktioniert der Wahnsinn des Finanzsystems in gleicher Weise. Jetzt gibts noch mehr Kohle von der EZB.... was meint denn so mancher was da in 3 Jahren blühen wird wenns den Euro bis dahin überhaupt noch gibt?

Sorry aber wer das alles noch ernst nimmt, der kann nicht mehr ganz richtig im Kopf sein. Was wir hier brauchen sind Galgen und neue Konzepte, alles andere führt zur Wiederholung der Geschichte.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×