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18.11.2013

14:01 Uhr

Drogen-Skandal

Britischer Bankkontrolleur beim Koks-Kauf ertappt

Der Ex-Verwaltungsratschef einer britischen Pleitebank und Geistliche wird beim Drogenkauf erwischt. Der Skandal erregt die Gemüter der Insel – und wirft erneut ein schlechtes Licht auf die dortige Finanzszene.

Die britische Co-operative Bank rutschte in die Krise. Nun rankt sich ein Skandal um den ehemaligen Verwaltungsratschef. Reuters

Die britische Co-operative Bank rutschte in die Krise. Nun rankt sich ein Skandal um den ehemaligen Verwaltungsratschef.

LondonDer ehemalige Verwaltungsratschef einer nahezu bankrotten Bank erregt in Großbritannien Aufsehen mit einem Drogenkauf. Ein Video zeigt, wie der Ex-Banker Paul Flowers Anfang November in der nordenglischen Stadt Leeds augenscheinlich Kokain und Crystal Meth erwirbt. In den Aufnahmen, die der Zeitung „Mail on Sunday“ zugespielt wurden, zählt Flowers 300 britische Pfund in 20-Pfund-Noten ab – offenbar für Koks und die Modedroge Crystal Meth. Der Bankmanager räumte ein, Drogen gekauft zu haben und entschuldigte sich. Der 63-Jährige ist zugleich Pfarrer einer Methodistengemeinde, die er seit 40 Jahren betreut.

Kurz vor dem gefilmten Drogenkauf hatte Flowers vor einem Ausschuss des britischen Parlaments aussagen müssen. Dabei ging es um die Rolle, die er bei dem Niedergang der genossenschaftlichen Co-operative Bank spielte, berichtet das „Wall Street Journal“ (WSJ)

Der Manager und Geistliche war im Sommer von seinem Amt als Chefkontroller bei der Co-op Bank zurückgetreten. Unter der Aufsicht von Flowers war das Institut in eine schwere Krise geschlittert. Das Geldhaus hatte im ersten Halbjahr einen Verlust von rund 600 Millionen Pfund eingefahren. Die Bank besorgt sich derzeit rund 1,5 Milliarden Pfund (rund 1,86 Milliarden Euro) frisches Kapital unter anderem durch eine Beteiligung ihrer Gläubiger an der Rekapitalisierung.

Chronologie der Ermittlungen zu Devisenmarkt-Manipulation

Juni 2013

Britische Regulierungsbehörden starten eine vorläufige Ermittlung wegen des Verdachts der Marktmanipulation auf dem Währungsmarkt. In den folgenden Monaten konkretisiert sich der Verdacht: Wichtige Händler verschiedener Geldhäuser sollen Preisabsprachen vor großen Kundenaufträgen getroffen und die Fixing-Kurse für bestimmte Währungen zu ihren Gunsten beeinflusst haben.

Anfang Oktober 2013

Auch die Schweizer Finanzaufsicht berichtet darüber, mehrere Banken wegen möglicher Verstöße auf dem Devisenmarkt zu überprüfen. Die EU-Kommission steht bereit, bei den Ermittlungen – es geht auch um Kartellvorwürfe – beizuspringen. Am 9. Oktober bestätigt die Royal Bank of Scotland Ermittlungen und übermittelt Kommunikationsaufzeichnungen eines ehemaligen Händlers an die Behörden.

Mitte Oktober 2013

Aus den vorläufigen Ermittlungen der britischen Aufsichtsbehörde FCA wird ein formales Verfahren. In Asien bestätigt die Finanzaufsicht in Hong Kong, ebenfalls einige Banken zu untersuchen.

Ende Oktober 2013

Die Deutsche Bank – Marktführer im Devisenhandel – bestätigt Anfragen der Aufsichtsbehörden. Die Ermittlungen befänden sich in einem frühen Stadium. Auch die Schweizer UBS legt die Prüfung in ihrem Quartalsbericht offen. Am 29. Oktober bestätigt das US-Justizministerium, dass sowohl die Strafverfolgungs- als auch die Kartellabteilung ermitteln.
Ende Oktober wird bekannt, dass die britische Bank Barclays und die Royal Bank of Scotland Händler von der Arbeit beurlaubt haben – ohne Schuldanerkenntnis.

Anfang November 2013

Citigroup und JP Morgan gehören ebenfalls zu den untersuchten Geldhäusern, am 4. November berichtet auch die HSBC offiziell von Behördenanfragen wegen möglicher Regelverstöße beim Devisenhandel. Am 5. November berichten mehrere Medien über millionenschwere Strafzahlungen wegen der Manipulation des Zinssatzes Euribor. Auch Goldman Sachs ist nun Ziel der Ermittlungen.

Januar 2014

Die Deutsche Bank suspendiert mindestens einen Devisenhändler wegen Manipulationsverdachts. Es bestehe der Verdacht, dass er Referenzkurse für Währungen manipuliert habe, berichtet die Tageszeitung „Die Welt“. Der Händler habe in New York gearbeitet und mit argentinischen Pesos gehandelt.

Februar 2014

Die privaten Konten von Händlern stehen bereits im Visier der Ermittler – der Verdacht: Bankmitarbeiter dürften Manipulationen auch zu gewinnträchtigen privaten Geschäften genutzt haben. Jetzt wollen einige Großbanken die internen Regeln für private Transaktionen ihrer Mitarbeiter verschärfen.

Bei der Befragung durch die Parlamentsabgeordneten war die Kompetenz von Flowers in Finanzfragen in Zweifel geraten. Am Anfang seiner Karriere hatte der Pfarrer vier Jahre im Bankwesen gearbeitet. Er räumte vor dem Ausschuss aber ein, dass diese Kenntnisse für das heutige Bankwesen „wahrscheinlich veraltet“ seien.

Faule Immobilienkredite und eine missglückte Expansionsstrategie brachten die Co-op Bank immer mehr in Bedrängnis. Die meisten der schwachen Hypotheken hatte sich das Institut laut „WSJ“ bei der Übernahme der Britannica Building Society im Jahr 2009 aufgehalst.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

18.11.2013, 15:45 Uhr

Meine Güte wie verwerflich. Hat er auch noch Wein getrunken? Oder etwa auch noch Zigaretten geraucht? Oder die falsche Zahnpasta benutzt?

Hört endlich auf die Drogenmafia zu sponsern.

Numismatiker

18.11.2013, 15:56 Uhr

Laßt die Bankkontrolleure (alle) doch koksen. Oder trinken bis ins Delirium. Oder Haschisch rauchen. Oder sonstige Haluzinogene aller Art, gerne auch durcheinander, nehmen.

Wer weiß, was die Schlimmes anrichten, wenn sie nüchtern und bei Sinnen sind. Zugedröhnt richten sie keinen Schaden an.

jameiomei

18.11.2013, 16:08 Uhr

Ja mei, des Burschi sucht halt nach gut verzinslichen Anlagen und überprüft, wie es nach Banker Manier sein muss, die Qualität!

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