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17.10.2011

20:33 Uhr

Druck auf Finanzkonzerne

Bonität der Bankenriesen steht auf der Kippe

VonRuth Berschens, Peter Köhler, Robert Landgraf, Yasmin Osman, Christian Panster

In den Frankfurter Bankentürmen wird es ungemütlich. Von der einen Seite drohen die Ratingagenturen mit Bonitäts-Herabstufung. Von der anderen diskutieren Experten über noch schärfere Regulierung der Institute.

Die Türme der Deutschen Bank in Frankfurt. Reuters

Die Türme der Deutschen Bank in Frankfurt.

FrankfurtDen europäischen Finanzkonzernen stehen schwere Zeiten bevor. Während die Ratingagentur Fitch damit droht, die Bonität von gleich mehreren Großbanken herunterzustufen, fordern die Experten des Internationalen Währungsfonds (IWF), die Eigenkapitalanforderungen an die Branche nochmals zu verschärfen. Ajai Chopra, Direktor der Europa-Abteilung beim IWF, sagte am Wochenende in Irland, dass die bisher beschlossenen Eigenkapitalregeln nach Basel III zu lasch seien, um die Finanzbranche besser auf künftige Krisen vorzubereiten.

Dabei sieht das neue Regelwerk Basel III bereits schärfere Eigenkapitalanforderungen für die Banken vor. Der Regelkatalog stammt aus der Feder des sogenannten Baseler Ausschusses der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Die neuen Spielregeln sollen ab 2013 Schritt für Schritt von den Banken umgesetzt werden, um diese nicht zu überfordern.

Großbanken, die als systemrelevant eingestuft werden, sogenannte „Sifis“, sollen zudem bis zu 2,5 Prozent extra an Eigenkapitalpuffern zurücklegen. Es wird ungemütlich in den Bankentürmen.

Stresstest

Forderung

Die EU-Regierungschefs werden voraussichtlich bei ihrem Gipfeltreffen am 23. Oktober einen Beschluss zur Rekapitalisierung der Banken fassen. Grundlage dieses Beschlusses ist eine Empfehlung der Europäischen Bankenaufsicht (EBA). Die EBA peile eine Eigenkapitalquote von neun Prozent an, hieß es in EU-Kommissionskreisen. Entschieden sei das allerdings noch nicht.

Protest

Die deutsche Bankenaufsicht halte die Quote für zu hoch und habe bei der EBA bereits Bedenken angemeldet, hieß es in Brüssel. Derzeit sei die EBA noch dabei, die Eigenkapitalausstattung aller systemisch relevanten Banken zu prüfen. Dabei werde erstmals auch das Ausfallrisiko der Staatsanleihen im Portfolio der Banken berücksichtigt. Beim Banken-Stresstest im Juli waren die Staatsanleihen nicht miteinbezogen worden.

In den Zentralen der großen europäischen Finanzkonzerne wird deshalb derzeit fieberhaft nach Möglichkeiten gesucht, sich frisches Kapital zu beschaffen und eine Zwangskapitalisierung, so wie derzeit von vielen Politikern gefordert, durch die Staaten zu verhindern.

So wird etwa bei der Deutschen Bank eine Kapitalerhöhung nicht mehr kategorisch ausgeschlossen. Zwar sprächen die aktuellen Marktverhältnisse aktuell dagegen, sagte ein hochrangiger Banker des Frankfurter Dax-Konzerns. Der technische Rahmen aber stehe dafür seit der letzten Hauptversammlung bereit.

Zuletzt wurde mehrfach darüber spekuliert, die Deutsche Bank könnte sich rund neun Milliarden Euro über eine Kapitalerhöhung beschaffen. Bankchef Josef Ackermann hatte derlei Gerüchte mehrfach zurückgewiesen. Allerdings will der Schweizer tunlichst vermeiden, Geld vom Staat aufgedrängt zu bekommen.

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