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16.05.2012

20:53 Uhr

Druck steigt

EZB stoppt Hilfen für griechische Krisenbanken

Die EZB will einige griechische Banken nicht mehr refinanzieren, wie sie nun bestätigte. Dabei geht es um Institute, die negatives Eigenkapital aufweisen. Die Nachricht sorgte am Aktienmarkt für eine Schrecksekunde.

Der Schriftzug der griechischen Zentralbank in Athen. Reuters

Der Schriftzug der griechischen Zentralbank in Athen.

FrankfurtDer Druck in Griechenland steigt weiter: Wie Reuters am Mittwoch in europäischen Notenbankkreisen erfuhr, refinanziert die Europäische Zentralbank (EZB) mehrere angeschlagene griechische Banken nicht mehr direkt. Da es bislang keine erfolgreiche Rekapitalisierung dieser Banken gebe, seien die entsprechenden Operationen eingestellt worden, sagte ein Insider, der nicht namentlich genannt werden wollte. Den betroffenen Instituten steht damit bis auf weiteres nur noch die Liquiditätshilfe der griechischen Zentralbank (ELA) für ihre Refinanzierung zur Verfügung.

Die EZB bestätigte dies am Abend. Wenn die Rekapitalisierung der betroffenen Banken, die schon bald erfolgen könnte, erfolgreich verlaufen sei, könnten diese auch wieder an den Standardoperationen der EZB teilnehmen. Um wie viele Banken genau es sich handelt, blieb zunächst unklar. Laut EZB ist der wichtigste Grund für die Unterkapitalisierung der Banken die vor einigen Wochen erfolgte Umschuldung des Landes unter Beteiligung der privaten Investoren, bei der diese herbe Verluste auf Staatsanleihen hatten hinnehmen müssen.

Hilfen der EZB

Staatsanleihekäufe

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat seit Mai 2010 auf dem Sekundärmarkt - also von der Finanzbranche - Staatsanleihen oder Peripherieländer Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien im Wert von 214 Milliarden Euro gekauft und damit die Risikoprämien für Bonds dieser Länder gesenkt.

Dreijahrestender

Im Dezember und Februar haben die Frankfurter Währungshüter den Bankensektor mit mehr als einer Billion Euro geflutet. Der Zins auf die Kredite beträgt ein Prozent bei einer Laufzeit von drei Jahren. Die Banken investierten die Gelder teilweise in höher verzinste Anleihen.

Sicherheiten

Die Anforderungen an die Sicherheiten, die von Banken für EZB-Kredite von der Notenbank zu hinterlegen sind, wurden im Verlauf der Krise sukzessive gesenkt und erhöhten so die Liquidität der Banken im Euro-Raum.

Ob auch der massive Abzug von Bankeinlagen durch griechische Sparer in den vergangenen Tagen die Probleme mitverursacht haben könnte, blieb zunächst offen. Nach offiziellen Angaben waren bis Montag rund 800 Millionen Euro von den Konten in Griechenland abgehoben. Präsidialamt und Notenbank wollten aber noch nicht von einem Run auf die Bankschalter und einer Panik sprechen.

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Eine weitere mit den Vorgängen vertraue Person sagte, bei insgesamt vier Instituten in Griechenland sei das Kapital bereits so sehr aufgezehrt, dass sie mit negativem Eigenkapital arbeiten würden. Damit kann die EZB sie nach ihren eigenen Statuten nicht mehr mit Liquidität versorgen. Geschäftsbanken sind auf die regelmäßige Liquiditätsversorgung durch die Notenbank über Refinanzierungsgeschäfte angewiesen.

Kommentare (17)

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gerhard

16.05.2012, 19:39 Uhr

…..refinanziert die Europäische Zentralbank (EZB) mehrere angeschlagene griechische Banken nicht mehr. (Zitat)
Die Erkenntnis kommt spät aber doch – kann man da nur sagen. Warnungen wurden ja schon früher laut. Der Dumme ist natürlich der Steuerzahler – wie immer !

Oeconomicus

16.05.2012, 20:31 Uhr

@gerhard

Ich habe meine Zweifel, ob dieser Erkenntnisgewinn tatsächlich stattgefunden hat. Sollte dies wirklich sein, bleibt spannend, wie lange man eine solche Position gegen möglichen politischen Druck zu verteidigen vermag.

Account gelöscht!

16.05.2012, 20:53 Uhr

Ob die Pleitebanken sich das Geld direkt bei der EZB holen oder via Strohmann in Form der Griechischen Nationalbank, die wiederum die EZB und ihr Target-System anzapft, ist gehupft wie gesprungen und nur eine weitere Rosstäuscherei. Am Ende bleiben die Folgen von Misswirtschaft bei den hängen die verhältnismäßig solide gewirtschaftet haben.

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