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08.03.2006

12:34 Uhr

Durch Zukäufe wachsen

NYSE feiert Börsendebüt

VonTobias Moerschen

Am Mittwoch handelt die New York Stock Exchange, neuerdings Nyse Group genannt, erstmals ihre eigenen Aktien auf dem legendären Parkett an der Wall Street. Das Börsendebüt des weltgrößten Aktienmarkts leitet nicht nur eine neue Ära für das Unternehmen ein, sondern wird vor allem die laufende Konsolidierung des Wertpapierhandels beschleunigen.

NEW YORK. Experten rätseln nicht ob, sondern nur, wen NYSE-Vorstandschef John Thain mit seiner neuen Aktienwährung bald kaufen wird. „Thain will schnell zuschlagen, er muss jedoch gleichzeitig das Kerngeschäft verteidigen“, sagt Benn Steil, Aufsichtsratsmitglied der Schweizer Börse Virt-X und Börsenexperte des New Yorker Council on Foreign Relations. Die New Yorker Börse ist Treiberin und gleichzeitig Getriebene der weltweiten Branchenkonsolidierung. Einerseits dürfte sie bald andere Märkte schlucken, andererseits jagen junge elektronische Handelsplattformen dem New Yorker Platzhirsch seit Jahren Marktanteile ab.

Zwei Trends treiben seit Jahren die Konsolidierung der Börsenbranche voran: das starke Wachstum des globalen Wertpapierhandels und dessen Verlagerung auf elektronische Systeme, die riesige Handelsvolumina kostengünstig abwickeln können. Experte Steil sieht Kostenvorteile in einer transatlantischen Börsenfusion, die er in einer ausführlichen Studie skizziert hat (www.cfr.org/content/publications). „Wer den schnell wachsenden Aktienhandel zwischen Europa und Amerika unter ein Dach bringen kann, erzielt enorme Einsparungen“, sagt er.

Mit einem Börsenwert von geschätzten 10,6 Mrd. Dollar zum heutigen Debüt zählt die NYSE Group zu den weltgrößten Handelsplätzen, wenngleich sie hinter dem Terminmarkt Chicago Mercantile Exchange (CME) mit 14,6 Mrd. Dollar Marktkapitalisierung und der Deutsche Börse (12,7 Mrd. Dollar, bzw. 10,8 Mrd. Euro) rangiert.

Thain beansprucht eine Führungsrolle im weltweiten Fusionsprozess - und er will schon bald zuschlagen: „Ich bin überzeugt, dass wir mehr Zusammenschlüsse erleben werden, in den Vereinigten Staaten und auch international. Für uns wird es im neuen Jahr Gelegenheiten geben“, sagte Thain Ende 2005 bei einer Branchenkonferenz. Investmentbanker haben bereits jede denkbare Kombination durchgespielt. In einem Interview mit der Financial Times bekundete Thain zum Wochenauftakt starkes Interesse am besonders schnell wachsenden Terminhandel. Das ginge durch eine transatlantische Fusion mit der Deutschen Börse und deren Derivatetochter Eurex oder mit der Pariser Vierländerbörse Euronext, deren Derivate-sparte Euronext-Liffe den größten Teil des Gewinns erzielt.

„Thain wird sich eine Optionsbörse anschauen“, prophezeit der Finanzprofessor Michael Goldstein von der Babson-Universität, „dort spielt die Musik, dort ist das Wachstum“. In den USA erscheint eine Kombination der NYSE mit dem Terminmarktgiganten CME denkbar, ebenso wie mit der Chicago Board Options Exchange (CBOE), die sich derzeit auf einen möglichen Börsengang vorbereitet. „Wir kommentieren Gerüchte und Spekulationen grundsätzlich nicht“, sagte NYSE-Sprecher Christiaan Brakman.

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